Wenn in Berlin was KNORKE (prima, großartig, toll oder ausgezeichnet) ist, dann kann es nebenan sein oder aber JOTTWEDE (ganz weit draußen). In diesem Fall aber sind KNORKE und JOTTWEDE zwei Namen für einen Wein, der in Berlin angebaut wird.
Man mag es kaum glauben, Weinanbau in Berlin hat Tradition. Eine erste Erwähnung für den Weinanbau in Brandenburg stammt aus dem Jahr 1173. In Berlin wird der Weinanbau 1237 nachgewiesen.

Berlin exportierte Wein ins Ausland
Im 15 Jahrhundert florierte der Weinanbau in Berlin so gut, dass Weine sogar ins Ausland exportiert wurde. Ab dem sehr kalten Winter im Jahr 1740 stagnierte der Weinanbau und andere alkoholische Alternativen begannen ihren Siegeszug. In der Stadt siedelten sich vermehrt Bierbrauereien an und der Weinanbau geriet in Vergessenheit.
Lediglich einige Straßennamen wie Weinmeisterhornweg oder Weinbergweg erinnern daran, dass in Berlin Wein angebaut wurde. Seit 2002 wird die alte Tradition im Neuköllner Ortsteil Britz am Koppelweg 70 wiederbelebt. Hier gedeihen auf einem knapp 0,5 Hektar großem Gelände etwa 1.800 Weinreben, die Weine von ansprechender Qualität erzeugen.
Weitere kleine Anbaugebiete gibt es in Kreuzberg im Viktoriapark und in Prenzlauer Berg.
Betreiber des Britzer Anbaugebietes ist der gemeinnützige Verein AGRARBÖRSE Deutschland Ost e.V. in Kooperation mit dem Verein zur Förderung der Britzer WeinKultur e.V.
In Britz werden aus den Trauben Rot- und Weißwein direkt auf dem Weingut gekeltert. Zusätzlich kümmert der Verein sich um Umweltbildung und sorgt für ein ganz besonderes Naturerlebnis mitten in der Stadt.
Regionaler Wein aus Berlin aus offiziellem Anbaugebiet
Die Weine sind echte regionale Handwerksprodukte. Die Trauben reifen auf dem Anbaugebiet in Neukölln unter Aufsicht eines erfahrenen Winzers und werden im Herbst in mühevoller Handarbeit verlesen. Nur die besten Trauben werden nach traditioneller Art in der Presse weiterverarbeitet, um vor Ort zu wohlschmeckenden Weinen heranzureifen.
Seit 2016 ist die Hauptstadt wieder offizielles Anbaugebiet; dadurch darf der Wein von der Britzer WeinKultur offiziell verkauft werden. Das ist Stadtkultur, die man schmecken und erleben kann.

Der Verein Britzer WeinKultur bietet außerdem ein umfangreiches Kulturprogramm an. Ob beim Blütenfest, der Wahl der Weinkönigin oder zur Weinlese – die Veranstaltungen bieten Highlights für die Nachbarschaft und sind auch über die Grenzen Neukölln hinaus geschätzt.
Wer mehr erfahren möchte: Britzer Weinkultur Koppelweg 70, in Neukölln-Britz, Öffnungszeiten Hofladen Mo–Fr 9–14 Uhr, Website: http://www.britzer-wein.de/
Oder einfach mal vorbeischauen und sich selbst davon überzeugen, wie gut Wein und Großstadt zusammenpassen.
Text und Fotos. Klaus Tolkmitt
So kommt man zum Wein-Anbaugebiet: https://maps.app.goo.gl/2yecyCR6kBqqR8Lh7
Blog@inBerlin der Berlin-Blog für Kultur/Geschichte und Freizeit in Berlin.



