Kolumne: Liebe und das Nachtleben in Berlin
Was, wenn man endlich das bekommt, was man sich so lange gewünscht hat – und es sich trotzdem nicht richtig anfühlt?
Was ich nicht alles für diese von mir gewünschte Beziehung tue, um sie zu bekommen. Wie oft ich gehofft, gewartet, verziehen und gekämpft habe. Und dennoch: Jetzt, wo es scheint, als hätte ich sie bekommen, fühlt sie sich total unbefriedigend an.
Es fehlt die emotionale Verbindung.
Und genau da fängt das eigentliche Problem an.
Warum hänge ich trotzdem daran?
Ist es die Angst, niemand anderen zu finden? Die Angst, dass das vielleicht meine einzige Chance auf Liebe war und ich sie gerade aufgebe?
Oder ist es mein Ego, das nicht erlaubt, dass jemand anderes ihn bekommt?
Vielleicht ist es auch eine Art Besessenheit. Dieses unbedingt haben wollen. Dieses Gefühl, dass man etwas so lange verfolgt hat, dass man irgendwann gar nicht mehr weiß, ob man es noch will – oder nur noch nicht akzeptieren kann, dass man es vielleicht nicht bekommen sollte.
Ich bin müde.
Müde, jeden einzelnen Tag für ihn, für uns zu kämpfen.
Betrug hin und her.
Ich verzeihe, doch ich vergesse es nicht.
Lügen erkennen, jeden Tag neue entdecken.
Mein Herz schreit vor Schmerz.
Und ich tue so, als würde ich es nicht hören.
Als wäre es glücklich.
Wofür eigentlich?
Für einen Mann, der nicht weiß, was er will – oder besser gesagt, wen er will?
Wir sind zusammen. Offiziell machen wir es bald, dann wird es jeder erfahren.
Doch wann genau?
36. September?
Ein Datum, das es nicht gibt.
Vielleicht passt das ganz gut. Vielleicht ist „bald“ manchmal nur ein anderes Wort für „irgendwann, wenn ich mich endlich entscheide“.
Und während ich darauf warte, dass aus Worten Taten werden, frage ich mich immer öfter, was ich eigentlich mit meiner Zeit mache.
Die Zeit nutzen um sich selbst wiederzufinden
Vielleicht ist genau das der Moment, in dem man sich nachts in Berlin wiederfindet.
Zwischen lauter Musik, zu viel Alkohol und Menschen, die einen für ein paar Stunden vergessen lassen, worüber man tagsüber nachdenkt.
Man zieht sich an, macht sich schön und geht raus. In einen Club, in dem niemand Fotos machen darf. Kein Handy, keine Kamera, keine Story für Instagram. Für ein paar Stunden existiert nur die Musik und der Moment.
Nicht unbedingt, weil man feiern möcht
Manchmal möchte man einfach nur für ein paar Stunden nicht fühlen.
Ist das die einfache Entscheidung?
Das zu tun, was er tut?
Meine Jugend dafür benutzen, um zu feiern?
Sex mit verschiedenen Typen zu haben?
Meinen Schmerz im Alkohol ertrinken zu lassen?
Die Wunden jemand anderem überlassen, damit er sie heilt?
Mich begehren lassen?
Vielleicht ist das Berliner Nachtleben manchmal genau das: ein Ort, an dem man für ein paar Stunden vergessen kann, was einen beschäftigt.
Man tanzt, lacht, flirtet, küsst vielleicht jemanden, dessen Namen man am nächsten Morgen schon wieder vergessen hat.
Und für einen Moment fühlt man sich begehrt.
Vielleicht reicht das für eine Nacht.
Aber nicht für das, was man eigentlich sucht.
Manchmal warten wir auf etwas, das niemals passieren wird, nur weil wir nicht wahrhaben wollen, dass wir schon längst aufhören könnten zu warten.
Wir verzeihen. Wir versuchen zu vergessen. Wir hoffen. Und währenddessen überhören wir immer wieder unsere eigene Stimme.
Denn nicht alles, was wir unbedingt haben wollen, ist auch das, was wir brauchen.
Man darf etwas loslassen, für das man lange gekämpft hat
Nicht, weil der Kampf umsonst war.
Sondern weil man irgendwann verstehen darf, dass man selbst wichtiger ist als das Ziel, das man unbedingt erreichen wollte.
M.Aria
Blog@inBerlin der Berlin-Blog für Kultur/Geschichte und Freizeit in Berlin.