Das ZigZag Festival hat mit seiner ersten Ausgabe einen grandiosen Start hingelegt und die Location könnte kaum besser sein. Im Gasometer, dem konstanten Hingucker im Schöneberger Stadtbild: 78 Meter hoch und als Niedigdruck-Gasbehälter errichtet.

Im Jahr 2026 wurde der Gasometer ein Treffpunkt von und für Musikliebhaber*innen und auch Musiker*innen, die es sich nicht nehmen lassen würden, veritable Weltstars in der Hauptstadt, noch dazu in einer grandiosen Kulisse, zu erleben.

Berlin Jazzkultur e.V, in Partnerschaft mit dem Jazzclub ZigZag und das Jazz-Radio Ella als Medienpartner, sind die Initiatoren. Manch einer wird schon sagen, Berlin hat schon das JazzFest, aber dieses hat ihre Glanzzeiten bereits hinter sich. Natürlich ist der Vergleich ein wenig gemein, denn im Herbst herrscht in Berlin die notorische November-Depression. Im August wiederum, hängt über der Stadt ein Sommer-Vibe. Sommertime, and The Living Is Easy…
Dennoch: Das JazzFest Berlin ist programmatisch eingeschlafen. Immer die gleichen Musiker*innen mit Bekanntheitsgrad im mittleren Bereich und als Location das verschlafene Wilmersdorf, dazu ein Saal mit sehr harten und engen Stühlen und das Publikum wird auch nicht jünger, was mit der Programmauswahl einhergeht.
Der Rückblick kommt jetzt erst, weil der Blog sich in den wohlverdienten Sommerferien befand.

Weltstars aus der Ferne
Auf dem Programm standen Stars, die bereits den Status einer Legende genießen dürften und wenn nicht, haben sie die größte Taufe bereits bestanden. Sie standen schon beim größten Jazz Festival Europas, dem Montreux Jazz Festival in der Schweiz am Genfer See, auf der Bühne.
Die amerikanische Sängerin Dee Dee Bridgewater, mit ihrer virtuosen Stimme und ihrer unverwechselbaren Bühnenpräsenz, der international berühmte Berliner Trompeter, Till Brönner, den ich schon als vielversprechenden Jungen in der RIAS-Bigband erleben konnte, der virtuose amerikanische Gitarrist Al Di Meola, der in Havanna geborene Pianist Gonzalo Rubalcaba, der mit seiner Vorliebe zwischen den Stilen zu spazieren zum Albtraum jedes Jazzpuristen (davon gibt es beim Jazz-Fest-Berlin eine Menge) geworden ist. Zum goldenen Abschluss, am 01. August, trat als Höhepunkt die internationale Chanson-Sängerin Ute Lemper auf.

Auch das ferne Land Brasilien durfte mit einer seiner musikalischen Legenden in Berlin natürlich nicht fehlen.
Beim Konzert des Sängers und Komponisten Ivan Lins, konnte ich vor Ort und zwar schon beim Eintreffen auf den Hof, eine erhebliche Verjüngung des Publikums feststellen. Dazu viele Musiker*innen und Musikstundent*innen, denen die Neugierde im Gesicht stand, das Ausnametalent aus Südamerika live zu genießen.
Das Bühnenbild
In der Musikszene ist es selten, dass man sich beim Bühnenbild so viel Mühe gibt.
Beim ZigZag Festival waren Profis am Werk: Die Größe, die harmonische Verteilung der Instrumente und das Layout des ZigZagFestivals oben; alles harmonisch, elegant und großräumig.

Ivan Lins, der sich zu dem Zeitpunkt des ZigZag auf Europatour, inklusive Konzerten in Belgien und Schweden, befand, spielte knapp 90 Minuten. Mit einem Quintett gab er seine Virtuosität und viele Evergreens zum Besten.
Sein Programm, sonst eine Mischung der brasilianischen Populären Musik (MPB), wurde für die Europatour sehr verjazzt. Stücke wurden länger als in der Originalversion und manche sang er sogar auf Englisch, was aus meiner Sicht übertrieben war. Ein Minuspunkt ist auch, dass zwei wichtige Evergreens erst gar nicht gespielt wurden. In einem sehr ordentlichen Englisch führte er seine Band durch das ganze Konzert: Elegant, Selbstbewusst, aber ohne Interaktion mit dem Publikum. Diesen Part übernahm eher sein Pianist, im Übrigen ein Virtuose durch und durch und in absoluter Synergie mit dem Frontmann. Eigentlich zu schade dafür. Eine Interaktion hätte vom Meister selbst kommen müssen. In Brasilien ist er wesentlich zugänglicher.
Die Stimmung im Publikum schwang zwischen Begeisterung, totale Stille (einige konnten die Musik sogar mit geschlossenen Augen genießen!) und natürlich elektrisierende Vorfreude, das Talent, einer Legende aus der Ferne, ganz hautnah erleben zu können. Die Stimme des gerade 80 Jahre gewordenen unterscheidet sich mitnichten von den jungen Jahren. Das ist eine Seltenheit!
Leider enttäuschte Ivan Lins die vor dem Backstagebereich stehenden brasilianischen Fans. Diese wurden nicht „nur“ nicht vom Sänger empfangen, sondern direkt von der Tourmanagerin Europa, rabiat von dem Ort verwiesen. Nur von der Tourmanagerin Auserwählte durften den Backstagebereich betreten.

Die Enttäuschung saß tief bei den Fans, insbesondere da ihre Zahl, im Vergleich zu anderen Konzerten brasilianischer Künstler*innen, im Gasometer sehr überschaubar war. Ein kurzes Hallo und ein Selfie wären kein Beinbruch gewesen, insbesondere weil der Künstler am Folgetag frei hatte. Er musste nämlich auf sein Gepäck warten, was aus Brüssel nicht pünktlich zum Konzert in Berlin gelandet war. Auch eine Berliner Besonderheit, die immer wieder passiert. Das letzte mir bekannte Beispiel ist aus dem Jahr 2022, als eine noch größere Legende, Gilberto Gil, mit seiner ganzen Familie auf Europatour war und die Instrumente waren auf dem Weg Paris-Berlin mit Air France nicht mitgekommen und das Team vom Bereich C im Haus der Kulturen der Welt, in einer Nacht-und Nebel-Aktion, ein paar – wohl gemerkt sehr spezifische – Instrumente herbeischaffen musste.
Einer der Organisatoren des ZigZag Festivals sagte mir im Gespräch auf dem Gasometergelände, dass das Festival im Jahr 2026 gerade begonnen habe. Es werde fortgesetzt, hieß es weiter.
Übliche Berliner Defizite
Ganz gleich wie kulturell wertvoll ein Konzert in Berlin sein mag, gibt es am Ende des Konzertes immer das Rausschmeißen aus den Räumen. Mehrere Leute (teilweise ehemalige Weggefährten), waren im Gespräch mit den Musikern, als diese ihre Instrumente abbauten. Ein Mitarbeiter der Firma BBS Service GmbH mit der Nummer 90 auf dem Bändchen und dem Anschein nach auch für kulturelle Events sehr schlecht oder gar nicht geschult, machte den Abgang zum Eklat. Und das ist, auch in sehr renommierten Berliner Kulturhäusern, leider keine Ausnahme.
Die Hoffnung bleibt
Wenn auf dem Kulturkalender für den Sommer 2027, das ZigZag Festival nochmal drauf steht, kann die Stadt Berlin doch wieder die Ambition verfolgen, die Hauptstadt des Jazz in Deutschland zu werden. Wir werden für inberlin beobachten.
Blog@inBerlin der Berlin-Blog für Kultur/Geschichte und Freizeit in Berlin.