Quo Vadis, Zappanale? [16.07. – 19.07.2026]

Es ist für viele ein sommerlich-musikalisches Ritual, den Ort, den sie lieben, per Motorrad, Wohnwagen oder, noch viel abenteuerlicher, via Deutscher Bahn, zu besuchen, um in die Zappa-Stadt zu fahren. Damit ist das Städtchen Bad Doberan gemeint.

Der Ort an der Meeresküste lässt sich, neben der musikalischen Leidenschaft, gerne mit Urlaub verbinden.

Es sind oft die gleichen Gruppen z. B aus Schleswig-Holstein, aus Magdeburg, aus Düsseldorf, Claudia aus Berlin oder die gleichen Personen, die ihrem sommerlichen Ritual nachgehen. Genau diese eingeschworene Community hilft, das Festival durch Spenden und auch durch den Vorverkauf am Leben zu erhalten; für Zukunftsperspektive reicht diese Solidaritätsbekundung aber nicht. Will soll also die Zappanale zukunftsfähig gemacht werden?

Es bedarf dringend einer Horizonterweiterung, konkreter Pläne, um das Festival für künftige Generationen zu sichern. Und der Neubeginn liegt an dem Verein Arf Society e.V. (bei dem auf der Webseite einen Mitgliedsantrag gestellt werden kann und in deren Satzung zum Zweck und Selbstverständnis heißt:

Hierzu zählt die Organisation, Durchführung und die Beschaffung von Mitteln für die entsprechende Konzerte und Veranstaltungen sowie das Herausbringen öffentlichkeitswirksamer Publikation, besonders zur Förderung des Musikverständnisses der Jugend

Die Verbundenheit mit dem Festival konnte ich u.a. in der Mini-Ausgabe [deshalb 30,05 genannt), im Jahr 2021 von Besucher*innen auffangen. Eine davon war Claudia, aus Berlin: https://www.youtube.com/watch?v=0atZja7O-wc

ZappaTruck
ZappaTruck

Einzigartigkeit im Format

Das Musikfestival an der Ostsee zelebriert, jedes Jahr aufs Neue, die Musik und die Legacy des amerikanischen Künstlers Frank Vincent Zappa (1940 Baltimore |1993 Los Angeles).

Zappa als der Virtuose, der politische Aktivist, extrovertierte Frontmann, der Workaholic und der, der seine Musiker mitten in der Nacht anrief weil er ihnen unbedingt was erzählen musste. Für einen Workaholic gibt es eben keinen Feierabend.

Sein Statement zur Wahrnehmung der USA als Kulturnation ist von herzzerreißender Akuratheit. Absolut sehenswert. Videolink: https://www.youtube.com/watch?v=88zvm7-fhKo

Aus seiner Künstlergeneration gibt es kaum einen vergleichbaren, der in puncto musikalische Vielseitigkeit wie Frank Zappa: seine chaotische Regie auf offener Bühne besucht alle Stille über Jazz, Pop, Slam-Poetry, Tanzelemente und chaotische Formationen und Klänge, die aber glasklar in Zappaskopf und dies alles umrunde von virtuosen Musikern, hier wird das Gendern überflüssig, den die überwiegende Zahl von Musikern waren expansive, charismatische und eitel Männer, wie der Bandmeister selbst.

Seit 2022 steht die Bronzetafel direkt im Ort. Keiner geht an Zappa vorbei. Vaclav Casak hat die Bronzetafel konszipiert.

Bronze Statue im Ort
Bronze Statue im Ort

Aus den Nähkästchen

Im Backstagebereich hatte ich einige Male die Möglichkeit, mit ehemaligen Musikern über die Zeit mit Zappa zu sprechen.

Zwischen Nudelsalat und Softgetränk oder Hausmannskost konnte ich stundenlang die Geschichten von zeitlich sehr unpassenden Telefonaten bis hin zur totalen Erschöpfung bei den Proben. Zappa war ein chaotischer Perfektionist. Zu viel musikalische Energie wollte in die Welt hinausposaunt werden. Ein Beleg dafür, dass nach seinem Tod, eine Scharre an neuen Material gefunden und eingeordnet wurde.

Galoppierende Kostenverteuerung

Die Zappanale wird hauptsächlich durch die Treue der Mitglieder des Vereins und der Fans, die schon über mehrere Generationen gehen, finanziell unterstützt. Ein Kumpel aus dem hohen Norden bringt regelmäßig seine Tochter mit. So wird die nächste Zappanale-Generation eingeweiht. Man man nicht glauben, wie viele Teenager oder junge Erwachsene dafür gerne mit dem Vater oder mit den Eltern in den Sommerurlaub gehen.

Einen Spendenaufruf, um eine bestimmte Band auf dem Festivalgelände Realität werden zu lassen ist keine Seltenheit, aber das allein sichert nicht die Zukunft des weltweit einzigartigen Festivals.

Anfängerfehler

Die für 2025 zunächst angekündigte Z3 -Band, dessen Gage durch einen Spendenaufruf auf Facebook gesichert war, trat doch nicht auf, weil der Bandleader sich schon für sein zweites musikalisches Projekt verpflichtet hatte. So kam es zum Termincrash und die Zappanale musste den kürzeren ziehen.

Aus Quellen rund um die Band erfuhr ich, dass der Bandleader sein anderes Projekt nicht hätte im Stich lassen können, sonst wäre ihm das Projekt gänzlich verloren gegangen. Warum wurde das nicht im Vorfeld gecheckt und geklärt?

Das Ende vom Lied war unschön: die beliebte Band kam nicht und das von der Community gespendete Geld konnte aus technischen Gründen nicht an den Spendierenden zurückerstattet werden. Die meisten haben es sportlich genommen und fünf gerade sein lassen. Wer, aus der eingeschworenen Community, möchte als Pfennigfuchser auffallen?

Mit Beispielen wie diesen kann man die Treue der Community herausfordern. Der Termincrash hätte von Anfang an vermieden werden müssen. Nicht können, müssen.

Auf Risiko

Die Festivalmacher*innen müssen für den Löwenanteil der Investitionen im Voraus viel Geld in die Hand nehmen und viel Risiko eingehen. Stellen sich nach der Finalabrechnung Miese heraus, wurde mehr Geld ausgegeben, als man eingenommen hat. Das ist eine Strategie, die längerfristig nicht aufgehen kann.

Umgang mit der Presse hängt schief

In den letzten 2 Jahren ist der Umgang mit der Presse, undurchsichtiger geworden. Dem Anschein nach, waren die Kriterien dahin geändert worden, in dem nur positive Presse konnte im folgenden Jahr wieder Zugang bekommen. Das deutet auf eine Schieflage hin.

Die Tendenz der letzten Jahre geht in die Richtung, das nur große Sender aus dem Norden, in einer sehr oberflächlichen Art und Weise, berichten darf. Kritische Einordnung oder negative Berichterstattung der Bands scheinen nicht gewollt zu sein.

Im Jahr 2024, zum Beispiel, hat die Ostseezeitung, in der Samstagausgabe, als an dem wichtigsten Tag des Festivals, nicht mit einen einzigen Artikel darüber berichtet. Lediglich in der Montagsausgabe, also erst nach dem Ende des Festivals, stand dort ein Bericht über die Zappanale.

Der Widerspruch lässt sich deshalb nicht auflösen, weil die ganze Stadt samt Familienbetrieben in der Gastronomie wie das „Torhaus“, das legendäre Doberaner Münster , Souvenir-Läden und die Molli-Bahn, garantierter Spaß für die ganze Familie.

Der Eingang
Der Eingang zum Torhaus

Wer bei dem Fahrkartenkauf Kerstin begegnet, die Seele des Teams, wird schnell feststellen, wie die Mecklenburger ticken: resolut, direkt und herzlich zugleich.

Auch der chinesische Laden profitiert davon, wenn die Gäste spät in der Nacht in dem kleine Kaff Hunger bekommen und alle anderen Geschäfte schon zu haben.

Ausstrahlungskraft als Marketingmehrmal

Warum die Zappanale-Macher*innen auf robuste Förderungstöpfe auf Landes- und Bundesebene verzichten, leuchtet nicht ein.

Die Zappanale ist ein Festival mit Ausstrahlungskraft, die weit über das Städtchen hinausgeht und kann nach mehr als 30 Ausgaben, Credibility vorweisen.

Das legendäre Festival genießt eine Visibilität, die weit über Mecklenburg-Vorpommern hinaus reicht. Schweden, Dänen und andere europäische Fans, machen sich auf den langen Weg in das Städtchen Bad Doberan, um die Kunst von Frank Zappa zu zelebrieren und immer wieder staunen, wie viele musikalische Formationen direkt, indirekt oder wenig orthodox von seiner Musik inspiriert wurden.

Zukunftssicherung jetzt!

Es gibt also Fördertöpfe aus Europa, die genau dafür angefragt werden könnten, um auch eingefleischte Festivals mit einer Tradition wie der der Zappanale, die Existenz zu sichern. Die Herangehensweise, wir „bleiben unter uns“ und wollen unabhängig bleiben, ist engstirnig.

Die letzten zwei Ausgaben (2024 & 2025)  haben den finanziellen Engpass des Festivals offenbart. Die so beliebte kleine Bühne, hat im Jahr 2025 schmerzhaft gefehlt und das Drumherum etwas unkoordiniert aufgestellt.

Die Kritik der Community hat aber Wirkung gezeigt. In der diesjährigen Ausgabe (16.-19.07.) wird es wieder eine kleine Bühne geben.  Noch besser: Es wird angestrebt, die Bühne auf in den nächsten Jahren zu sichern und viele Musiklieber*innen wird es riesig freuen, aber auch bei diesem Vorhaben wird zusätzlich zum Eigenanteil des Vereins in Höhe von 7.000,00 Euro, die tatkräftige Solidarität der Zappa-Community notwendig sein, wie es auf der Homepage nachzulesen ist.

Neues vom Vorstand – die kleine Bühne

Trotz vieler Stolpersteine in der Vergangenheit und in der Gegenwart, ist die Rückkehr der kleinen Bühne ein Lichtblick und erlaubt mir außerdem, diesen Artikel mit einer positiven Note zu beenden.

https://zappanale.de/de

About Fatima Lacerda

Kultur, Fußball, Musik sind meine Leidenschaften. Reiseberichte sind ein Genuss!

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