Lissabon/Teil II: Entdeckungstipps und Sehenswertes

Mit diesem Artikel über Lissabon endet gerade noch rechtzeitig vor den Feiertagen unser Reisebericht. Zugegeben ein bisschen später als geplant aber der nächste Frühling und der nächste Sommer kommen bestimmt und Lissabon ist und bleibt eine Reise wert.

Die Stadt von oben
Die Stadt von oben

Im Jahr 2020 war Portugal das meistgesuchte (und starke frequentierte) Reiseziel. Zu einem großen Prozentsatz liegt dies am milden Klima. In 10 von 12 Monaten scheint die Sonne und noch im November (das habe ich selbst erlebt) lässt es sich abends mit offenen Schuhen spazieren gehen. Und für die Wasserratten ist ein Must: Abkühlen im benachbarten Estoril, Cascais oder Setúbal .

 

Ort an der Küste /Cascais
Ort an der Küste / Cascais

Der Faktor Sicherheit spielt auch eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für Lissabon. Im Gegensatz zu Städten wie Rio de Janeiro, Barcelona oder Hong Kong ist es dort möglich, abends (auch alleine) ohne Angst von Überfällen spazieren zu gehen. Aber die Tage sind lang und es gibt viel zu unternehmen. Schon der Sonnenaufgang ist eine Attraktion weil atemberaubend. Also früh aufstehen, das Frühstück (pequeno almoço) zu sich nehmen und auf Entdeckungsreise gehen. Jeden Tag aufs Neue.

Es sind unzählige Orte, die es sich lohnt zu besuchen. Es war nicht einfach eine Auswahl zu treffen, da Reisen auch eine sehr persönliche Erfahrung ist. Bei den nachfolgenden Tipps geht es Orte, an denen die Besucher*innen nicht vorbeikommen, wenn sie einen gesamt Bild der Vielseitigkeit dieser Stadt  bekommen wollen.

Denen, die wie die Autorin Städte mit dem Fahrrad unsicher machen, muss ich mitteilen: Lissabon ist voller Hügel und die Mobilitätswende ist dort, (auch wenn marketingtechnisch oft anders verkündet), noch nicht so fortgeschritten, dass wirklich an jeder größeren Kreuzung, ohne großen Aufwand ein Rad ausgeliehen werden kann. Wer es ohne Apps versucht, wird enttäuscht und verärgert sein.

das ultimative Fortbewegungsmittel
das ultimative Fortbewegungsmittel

Denen die zum ersten Mal in der sonnigen Stadt sind, empfiehlt es sich eine Bustour mit dem (auch aus Berlin bekannten) Hop On Hop Off zu machen um sich überhaupt erstmals einen Einblick zu verschaffen, ohne permanente Moderation und auch mit der Möglichkeit Orte auf sich wirken zu lassen. Sehr beliebt sind auch Fahrten mit den Tuck-Tuck Taxis. Der Vorteil ist hier, dass kleine Gruppen unter sich bleiben können und eine personalisierte Tour bekommen. Der Preis hierfür kann aber auch sehr gesalzen sein. Die Fahrer*innen fungieren teils als Tour-Guides und für manche Gruppen auch als Animateure.

Gastronomie

Ein guter Anfang ist ein Spaziergang rund um den Rossio-Platz. Dort sind viele Cafés zum sitzen und verweilen, meist für Touristen aber wer genau hinschaut wird auch die entdecken, die von Locals für ein Käffchen zwischendurch aufgesucht werden. Für das Mittagsessen lohnt sich ein Blick bei TripAdvisor. Je nachdem in welchem Bezirk der Gast unterkommt, findet er Empfehlungen von oft familienbetriebenen Restaurants mit leckeren Essen frisch aus der Küche und einem typisch portugiesischen Betriebsklima: Freude am Gastgeber sein. Drei Empfehlungen möchte ich dann doch loswerden.

„A Provinziana“

Das Restaurant, das sich in einer Gasse befindet wurde mir von vielen Gastronomiekritiker*innen und Touristen aller Provenienzen empfohlen. Die Schlange davor schreckte mich zunächst ab. Ich stelle mich nicht an, um in ein Restaurant zu gehen. Das ist eine Frage des Prinzips. Da mir aber das Essen dort als “gigantisch” und “phänomenal”bezeichnet wurde, machte ich am letzten Abend vor meiner Rückkehr nach Berlin eine Ausnahme, vor allem weil ich schon einmal früh am morgen dort gewesen war und den Besitzer, als der Laden noch leer war, Löcher in den Bauch fragte.

der Restaurantchef
der Restaurantchef/Americo

Wer das Lokal betritt, wird zunächst ein Meer an Uhren in diversen Formaten und Farben sehen. Wie ich im Gespräch mit Senhor Américo erfuhr, sind sie ALLE vom Besitzer entworfen worden. Nur die Ausführung musste er manchmal in Auftrag geben. Die Uhren die rückwärts gehen waren für mich das absolute Highlight. Aber nicht nur. Auch das mondäne Leben der Portugiesen bekommt sein Fett weg. In dem Restaurant findet der Gast portugiesische Spezialitäten aber auch leckere Nachtische, die eine nette ältere Dame in mehreren geschlossenen Boxen vorbei bringt, vorsichtig wie liebevoll auspackt und auf den Tresen stellt. Wenn diese vom Chef erwischt wird, wandern die Köstlichkeiten an die Vitrine und wirken wie ein Magnet, in das Lokal einzukehren.

Tresen
Tresen zum Einkehren

A Provinziana ist ein reiner Familienbetrieb: Der Vater steht hinterm Tresen, macht die Getränke, sammelt die Gläser ein, steckt sie in die Spülmaschine. Die Mutter steht in der Küche und die Tochter bedient. Allein.

Berliner Pfannkuchen im Bahnhof

Am Gleisrand des Fernbahnhofes “Santa Apolónia” befindet sich das Berliner Pfannkuchen (Bolas de Berlim) anpreist. Dort pilgern Pfannkuchen-Liebhaber*innen aus allen Teilen Portugals aber auch aus fernen Ländern hin. Das wollte ich mir unbedingt angucken. Dort angekommen stellte ich allerdings fest, dass dort verkaufte Produkt haargenau gleich ist, wie das gleichnamige Gebäck in den brasilianischen Bäckereien. Nicht einmal die Füllungen, die dort angeboten werde (Nutela, Oreos, Eicreme) ähneln auch nur im Geringsten dem Berliner Original. Beim Blick in die Auslage konnte ich mir, ein Schmunzeln nicht verkneifen. Wie auch immer. In Lissabon sind  “Bolas de Berlim” ein Renner. Die alte nette Dame hinterm Tresen, Teresa, der ich wie üblich Löcher in den Bauch fragte, zeigte mir auch die schönen Taschen zum Mitnehmen, auch als Geschenk mit dem Schriftzug: “Berlineta”.

Den Geschäftsführer Alessandro habe ich zwar nicht vor Ort sprechen können. Später durfte ich aber per WhatsApp noch ein paar Fragen an ihn loswerden. Woher kam die Motivation die „Bolas de Berlim“, zu erfinden? „Die Schokolade aus Italien, die Früchten aus Brasilien und das traditionelle von Portugal“, schrieb er. Wie die Homepage verrät, sind die Köstlichkeiten im Sommer am Strand zu genießen.

Berlinerisch oder nicht. Das Gebäck schmeckt himmlisch. Wer bei den Portugiesen zum Kaffee eingeladen wird und „Bolas de Berlim“ mitbringt, wird mit einem rotem Teppich empfangen. Obwohl die Portugiesen Weltmeister im Süßgebäck sind, freuen sich diese Spezialitäten größter Beliebtheit, auch wenn sie mit der “Berliner-Verwandschaft“ wie der Name verspricht, kaum etwas gemein haben.

Link: Berlineta

Das Café “A Brasileira”

Wer europäische Kaffeehäuser liebt und Köstlichkeiten zum Lieblingsgetränk vergöttert und sich nicht an dem Lärm rund um dieses Cafès stört, wird hier hier eine schöne Zeit verbringen. Miguel, ein großer Mann stets mit Krawatte, geleitet die Gäste zum Tisch ist aber auch verantwórtlich fürs Kulturprogramm in dem berühmtesten Cafè Lissabons.

Die Tische draußen sind fast immer belegt. Aber drinnen sitzt man sowieso näher “am Geschehen”: Das Klappern der Untertassen, die non-verbale Kommunikation unter den Kellnern und das Treiben rund um die Statue des legendären Schriftstellers Fernando Pessoa (1988-1935). Der schüchterne junge Dichter suchte seinerzeit Ruhe und Anonymität des Cafés um dort einige seiner Gedichte zu schreiben. Ein Selfie mit ihm als Statue gehört zum Lissabon-Programm dazu. Wer es wie der Dichter selbst etwas ruhiger mag, sollte das Cafeé am späten Nachmittag oder frühen Abend besuchen. Zu dieser Uhrzeit ist es eher ein Ort der Einkehr.

Kulturtempel “Coliseu”

Kulturtempel "Coliseu" empfängt Superstar Gilberto Gil
Kulturtempel „Coliseu“ empfängt Superstar Gilberto Gil

Das Coliseu dos Recreios zwischen 1888 und 1890 nach Plänen der französischen Ingenieure Goulard und Bauer errichtet (Quelle:Wikipedia), liegt im Stadtbild ein wenig “versteckt“. Seine Funktion als Ort der Kultur im weitesten Sinne ist, auch in Zeiten überdimensionaler Allzweck-Hallen, unangefochten. Dort zu spielen ist eine Frage des Prestiges. So sind Größen der portugiesischen Kunst aber auch aus der weiten Welt dort zu Gast. Anfang November gastierte dort gleich 2 Mal der brasilianische Superstar Gilberto Gil, im Rahmen seiner umfangreichen Europatour, die in Portugal ihren Abschluss fand.

Teatro Dona Maria II

Ich war zum ersten Mal in einer Aufführung dieses Theaters. Anders als in Deutschland beginnen Theatervorführungen dort bereits am späten Nachmittag, um 17 Uhr. Also bin ich trotz des heißen Nachmittags ins prestigreiche Theater. Auch wenn damals die Inzidenzen sehr niedrig waren und Portugal damals schon eine gute Impfquote vorweisen konnte, mussten die Besucher*innen die ganze Zeit über FPP2-Maske tragen. Keine leichte Aufgabe bei einer von 3 stündigen Vorführung. Das Theater, dessen Namen an die frühere Königin Maria II, geboren 1819 in Rio de Janeiro und gestorben in Lissabon 1853 dazwischen von 1834 bis 1853 Königin von Portugal erinnert, hat von der Aura aus den glorreichen Zeiten nichts verloren. Auch wenn direkt vor der Tür die Zeichen einer Großstadt (Fernbahnhof, Fußgängerampel, Geschäfte) das Leben der Gegenwart bestimmen.

Dieses Haus, im Dienst der Kultur wurde im Jahr 1846 eröffnet und sticht im neoklassizistischen Stil noch heute aus dem Zentrum Lissabons hervor. Ein wahrer Augenschmaus! Dazu noch mit einer bemerkenswerten Geschichte. Morgens gibt es dort im Foyer im Garret-Saal (benannt nach dem großen Schriftsteller, Dichter und Dramatiker des 19 Jahrhunderts Almeida Garrett) Frühstück zum fairen Preis beim zuvorkommenden Service und nebenbei kann Mensch die pulsierende Stadt an sich vorbei ziehen lassen. Wer der portugiesischen Sprache mächtig ist sollte sich unbedingt die Stücke ansehen. Bei „Juventude Inquieta“ (Unruhige Jugend) war ich dabei: 3 Stunden ohne Pause! In Deutschland, undenkbar. Wer kein Portugiesisch kann, sollte zumindest einmal dem Bau des Theaters bestaunen.

Black Lissabon/Geführte Tour

Wer sich für den schwarzen Einfluss auf die Stadt Lissabon interessiert kann sich an einer zwei bis zweieinhalbstündigen Tour anmelden, die von Alcides Flor geführt wird. In portugiesischer oder englischer Sprache führt er die Gäste an Orte, die auf afrikanische Präsenz in der Stadt oder Spuren der Kolonialzeit hinweisen. Es ist bemerkenswert, wieviel davon es in Lissabon noch versteckt gibt. Alcides forscht permanent über die Geschichte der Stadt. Während der Tour wird seine Leidenschaft und Freude bei der Vermittlung einer teilweise vergessenen Geschichte, deutlich.

Tourguide Alicides auf dem Handelsplatz
Tourguide Alicides auf dem Handelsplatz

Botanischer Garten

A propos einkehren. Der Botanische Garten, wesentlich übersichtlicher als der in Berlin, ist ein wunderbarer Ort zum Erholen vom Stadttrubel. Der Weg dahin ist bereits mit einem langen Spaziergang über die Hügel verbunden. Es empfiehlt sich die Tram am Platz der Restarauradores zu nehmen.

Am Ende der extrem kurzen Fahrt mit der Tram, die hier eher einem Aufzug gleicht (zu Fuß wäre die Strecke eine Herausforderung) steigt man aus und ist am Mirante, einem Aussichtspunkt über die ganze Stadt und geht noch einmal steil bergauf bis zum Botanischen Garten. Eines der Highlights dort sind die Cactusbäume und Palmen. Mehrere Bänke laden zum Verweilen oder zum Lesen ein.

Castelo de São Jorge

Last but not least, kommen wir zu einem der überwältigenden Orte von Lissabon: Der Besuch der Burg, der die Stadt zu Füßen liegt und unendlich mehr bietet als nur den besten Blick über die Stadt und ihre überaus turbulente Geschichte.

An einem sehr heißen Tag im Oktober werde ich von Susana Repolho empfangen. Sie ist dort zuständig für Public Relations. Ich habe das Glück, von ihr, anderthalb Stunde lang durch den Burg geführt zu werden. Es sei allen Besucher*innen wärmstens empfohlen, sich den Ort im Rahmen einer Tour erklären zu lassen. Es ist zu viel Geschichte und Wissenswertes dort zu erfahren, als dass es genügte nur die Aussicht zu genießen. Aber dazu später mehr.

Susana ist eine Frohnatur, die alle Qualitäten mitbringt, um diesem Ort mediale Visibilität zu schaffen. Auch wenn sie schon länger in dieser Position arbeitet, ist ihre Begeisterung über das 6.000 qm große Areal, das schon als Königsburg und sogar als Gefängnis diente, ungebrochen und bleibt es, während sie über die unterschiedlichen Epochen oder den portugiesischen König Manuel erzählt, dessen Statue mitten im Garten vor dem Museumseingang hervorsticht.

Nach der Tour, hat der Gast noch die Möglichkeit eine Pause zu machen und selbst Mitgebrachtes zu verdrücken oder die Angeboten der Food Trucks vor Ort zu nutzen. In beiden Fällen gibt es Sitzmöglichkeiten mit Blick auf die Stadt. Auch der Besuch des Museums kann eine wunderbare Ergänzung sein. Absolutes Muss ist der Besuch des Museumsshops. Dort werden lokale Produkte wie Ansichtskarten, Modetaschen aus umweltfreundlichen Material und von lokalen Künstler*innen oder Kalender im bunten Design. Die Buchse Sardinien, als das klassische Souvernir, darf natürlich nicht fehlen.

Mehrere Touren mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten (auch für Kinder und Schulklassen) werden angeboten. Es empfiehlt sich die Kaufkarte vorab im Internet zu erwerben oder vorab zu reservieren.

Der Weg dorthin kann sowohl zu Fuß als auch mit Bus oder Taxi zurückgelegt werden. Zu Fuß ist es natürlich erkenntnisreicher und geeigneter zur freien Gestaltung des Zeitmanagements.

About Fatima Lacerda

Kultur, Fußball, Musik sind meine Leidenschaften. Reiseberichte sind ein Genuss!

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