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Das Hotel am Großen Waisenhaus in Potsdam: Geschichte, Genuß und Entspannung

Zugegeben, der Name klingt nicht gerade einladend, aber das hervorragend gelegene Hotel kann nicht „nur“ 250 Jahre bewegter Geschichte vorweisen, sondern ist, wenn man das gesamte Portfolio betrachtet, eine der besten Unterkünfte in Potsdam. Eine perfekte Mischung zwischen unprätentiöser Eleganz, gut geschultem Personal und einem bodenständigen und qualitativen kulinarischen Konzept.

Gebaut wurde das Hotel in der Lindenstraße im Jahr 1750 unter Friedrich II als „Quartier Beweibte Grenadiere“, was auf Hochdeutsch so viel heißt wie „verheiratete Soldaten“. Der Architekt, der Baumeister also, war Jan Bouman; ein Holländer, einer von vielen, die einen Teil Ihrer Werke in Potsdam platziert haben.

Hoteleingang in der Lindenstraße

Im Jahr 1820 erwarb die Stiftung „Großes Waisenhaus zu Potsdam“ das Gebäude, welches dann als Lazarett für die Zöglinge des Waisenhauses genutzt wurde. Der Schnitt der Flure lässt diese Nutzung auf einen Blick nachvollziehen.

Nach mehreren Jahrzehnten unterschiedlicher Nutzung eröffnete im Jahr 2011 die Stiftung das Hotel und gab der ohnehin geschichtlich bedeutsamen Gegend eine Aufwertung.

Barockes Treppenhaus im Gebäude des Landeswirtschaftsministeriums

In derselben Lindenstraße befindet sich ein Standort des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft Brandenburg. Das wunderschöne Gebäude mit dem Turm schräg gegenüber dem Hotel birgt ein architektonisches Juwel: ein barockes Treppenhaus, gebaut von Carl von Gontard zwischen 1771 und 1777.

Der Besuch des Treppenhauses ist kostenfrei und möglich in den Werktagen von 7 bis 17 Uhr. Der Pförtner, oft vertieft in der Lektüre der Bildzeitung, gibt gerne die Richtung vor, wie man die Treppe findet.

Den Tag beginnen

In Deutschland gilt die Prämisse „Ohne Frühstück gehe ich nicht aus dem Hause!“. Im Erdgeschoss des Hotels wartet auf die Gäste ein Frühstück, welches die Note „1+“ verdient. Die Vielseitigkeit und Reichhaltigkeit der Produkte und dazu das aufmerksame Auge der sympathischen Frauen, die das alles managen, ist erfreulich. Auf diesem Gebiet können die Berliner Cafe-Besitzer viel von dem wunderbaren Team des Potsdamer Hotels lernen. Aufgepasst: Ein Platz im Wintergarten ist sehr begehrt. Wer also den Genuß noch mehr steigern möchte, sollte früh aufstehen.

Müsligenießer werden staunen, ja gar Flugzeuge im Bauch bekommen, wenn sie die Vielseitigkeit in der Auswahl von Beilagen sehen. Diese reichen von saftigen Pflaumen über getrockneten Aprikosen, Rosinen, Cashewkerne bis hin zu einer beachtlichen Variation von trockenen Früchten.

Jeden Tag wird eine andere Sorte von Smothies von der Kellnerin an den Tisch gebracht, noch bevor man seinen Teller mit den Leckereien aus dem Buffet zurückbringen kann. Eier, gekocht und als Rührei, sowie kleine Würstchen gibt es auch für die, die in herzhafter Manier den Tag angehen wollen.

Auf die Topüberraschung machte mich eine Kollegin aufmerksam: Ein blaues Gefrierfach mitten im Frühstücksraum, eher schon im Wege zwischen Küche und Arbeitsplätzen, wo die Gläser zum Auffüllen mit Säften stehen, deutete auf „Florida Eis“ – trotz des Namens eine Eismanufaktur aus Berlin – und das beste verpackte Eis, das ich kenne. Claudia, meine Kollegin, erklärte mir die Philosophie des Unternehmens hinsichtlich des sozialen Engagements, aber auch was die Eiszutaten und die Produktqualität anbetrifft. Darüber hinaus (so später bei meinen eigenen Recherchen entdeckt) arbeitet die Manufaktur CO2-neutral, und sie bietet glutenfreies und veganes Eis an.

Eine solche Delikatesse, gleich nach dem Frühstück zum Beispiel beim Spaziergang die Straße entlang zu genießen, bevor der Tag beginnt, ist allein noch kein Grund, ein Zimmer in diesem Hotel zu buchen. Ein Highlight des Aufenthaltes ist es aber allemal.

Frühstück ist Ehrensache!

Junge Frauen und Männer arbeiten engagiert und anscheinend mit großer Freude, den Gästen das Frühstück zu servieren, damit diese bestens auf den bevorstehenden Tag vorbereitet sind. Ein Blick in die Küche ganz am Ende des Flures zu riskieren, ist auch kein Ding. Zurück kommt nicht etwa ein „Wat willste denn hier?“, sondern ein fragendes Lächeln, nach dem Motto ob man behilflich sein könne.

Zugegebenermaßen hätten die Häppchen, die Journalisten und Blogger zum Empfang bekamen, etwas vielseitiger und reichhaltiger sein können, vor allem aber fehlte Zeit, diese zu genießen. Aber das tat dem Aufenthalt keinen Abbruch. Das Empfangspersonal ist freundlich und ja, der Chef läuft ab und zu mal rüber. Die meiste Zeit ist er in einem Büro und lässt die Frauen machen.

Die Zimmer

Die Prädikate großräumig und gut geschnitten treffen es.

Das Badezimmer ist geradezu perfekt für Frauen, die viel Kosmetik im Gepäck haben. Der ärgerliche Augenblick, in einem Hotelbadezimmer anzukommen und feststellen zu müssen, dass der Architekt eine Arbeitsfläche zum Ablegen der Kosmetik in seinen Plänen vergessen hat, wird im Hotel am Großen Waisenhaus nicht passieren!

Der Fernsehbildschirm so platziert, dass er von jeder auch noch so kleinen Ecke des Zimmer gut zu sehen ist. Die Matratze ist ein Gedicht. Keine Rückschmerzen, keine Muskelverspannung am Morgen danach. Das Bett hat eine willkommene Breite und kann bei Bedarf zum Doppelbett umgemodelt werden, wenn es unerwartet in der Partnerschaft Streit gibt, was aber in DER romantischen Umgebung voller Geschichte und Kultur zum Entdecken sehr unwahrscheinlich sein dürfte.

Die Zimmer sind getauft mit – aus heutiger Sicht – außergewöhnlichen Namen und geben dem ganzen ein historisches Flair, nicht schlecht fürs Marketing. Denn die Konkurrenz schläft in Potsdam nicht. Nicht mehr! Die Potsdam Marketing und Service GmbH (PMSG) steckt hinter dem Vorhaben, die Stadt im richtigen Fokus und mit den richtigen Akteuren des Tourismussektors im richtigen Licht glänzen zu lassen. Und dies mit Erfolg. Das konnten wir bei unserer dreitägigen Pressereise feststellen.

Der Blick aus dem Fenster des Hotels am Großen Waisenhaus

Vor der Reservierung also bedarf es unbedingt einer ausführlichen Recherche auf der Webseite, bevor man sich für eins unter den insgesamt 34 Zimmern entscheidet, ohne es nachher bereuen zu müssen. Die Größten variieren zwischen 19 qm und 44 qm: „Quartier II für Beweibte“, „Quartier de Luxe“ (meine persönliche Empfehlung!) oder „Quartier Super de Luxe“. Ein wichtiger Tipp für die, die einen guten Blick über die Straße sichern wollen, ist, bei der Reservierung sicherzustellen, dass das Zimmer sich im 1. OG befindet. Die Kirschblütenzeit Ende April oder Anfang Mai ist dann als touristische Aufwertung zu betrachten.

Flexibilität

Da das Ende des Programms erst am späten Nachmittag war, bat ich früh am Vormittag darum, das Check-Out gegen 17 Uhr machen zu dürfen. Das ging ohne großes Theater. Dafür wollte die Rezeptionistin eine Gebühr von 10 Euro, womit ich sofort einverstanden war.

Als ich dann am Nachmittag mit der Zimmerkarte am Tresen stand, lächelte mir ein sehr freundlicher Herr im Anzug mit einer Fliege zu. „Nur abgeben?“, fragte er. „Mir wurde gesagt, ich soll 10 Euro bezahlen“ (für das spätere Check-Out). Elegant und clever sagte er: „Achso!“, übergab die Gelegenheit an die Rezeptionistin und verschwand ebenso elegant. Ich zahlte die 10 Euro und ließ mir die Quittung geben. „Eine gute Heimreise!“ sagte sie mir hinterher. „Ich habe es nicht weit“, erwiderte ich lächelnd und ging dieses traumhafte Kirschblütenmeer entlang in der Gewissheit, dass ich bei meinem nächsten Potsdamer Aufenthalt nicht darauf verzicheten werde, in diesem sehr geschichtsträchtigen Hotel zu wohnen.

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