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Geschichtspark ehemaliges Zellengefängnis Moabit

Im Sommer letzten Jahres war ich an der Rückseite des Hauptbahnhofes unterwegs, da fielen mir Mauern auf und ein Durchgang. Neugierig ging ich hindurch und entdeckte einen kleinen Park. Es handelt sich dabei um den Geschichtspark des ehemaligen Zellengefängnisses Moabit an der Invalidenstraße / Lehrter Straße.

Abgeschirmt von Hektik und Straßenlärm ist dieses zum Teil von den alten 5m hohen Gefängnismauern umspannte Areal eine kleine Oase der Ruhe und ein Gedenkort – uneinsehbar von außen. Der Eingang von der Invalidenstraße ist wie eine Schleuse, hindurch geht’s durch die alten Mauern, der Ausblick und Einblick zunächst durch eine Betonwand versperrt. Im Park führen breite Wege durch Rasenflächen und Bäume. Ein alter Walnußbaum, der schon zu Gefängniszeiten stand, eine Linde… Betonkreise auf der Rasenfläche deuten die alten Mauern an. In der Mitte ein Denkmal, ein Kubus mit offenen Seiten. Dieses „Panoptikum“ steht am Standort des ehemaligen zentralen Überwachungsraumes des Gefängnisgebäudes.

Gitter versperrten den Weg…

Viele Dinge gibt es drumherum zu entdecken, u.a. eine Kletterwand für Kinder und eine Zelle in ihrer ursprünglichen Größe. Betritt man diese, hört man das Gedicht „In Fesseln“ eines ehemaligen Gefangenen, das er dort in seiner Haftzeit schrieb. Hieraus wurde eine Zeile ringsherum in großen Buchstaben an die alte Gefägnismauer geschrieben, die mich sehr berührt hat: „Von allem Leid, das diesen Bau erfüllt, ist unter Mauerwek und Eisengittern ein Hauch lebendig, ein geheimes Zittern.“

Das Gefängnis wurde 1849 nach Londoner Vorbild als preußisches Mustergefängnis fertig gestellt. Hier wurden zum ersten Mal die Insassen in Einzelhaft gehalten, da Kriminalität als „ansteckend“ angesehen wurde und die Gefangenen so eher geheilt werden sollten. Von daher galt das Gefängnis mit seinen 520 Zellen als hochmodern. Leider wurden durch die massive Isoaltion auch viele Gefangenen verrückt, 1886 wurde sogar ein Nebengebäude zum Irrenhaus umgebaut. Von dem angeordneten Einzelhofgang in 10qm großen dreieckigen Teilstücken des Hofes, mit scheuklappenähnlichen Mützen und unter Schweigepflicht, kommt übrigens die Redensart „im Dreieck springen“.  Seit 1940 wurde das Gefängnis durch die Wehrmacht und bis 1955  durch die Alliierten als Haftanstalt genutzt, bevor es 1958 abgerissen wurde. Der ehemalige Friedhofsteil der Gefangenen wird heute als Kleingartenanlage genutzt, nur eine kleine verwilderte Ecke mit den Gräbern der ehemaligen Gefängniswärter besteht noch. Der Park wurde von 2003 – 2006 angelegt und erhielt 2007 den ersten Preis im Bundeswettbewerb des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten.

Ein Hauch lebendig, ein geheimes Zittern…
Der Kubus in der Mitte des Parks
Lebendig!

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War 4 Jahre lang "Berliner" - im Moment hat es mich ins Rheinland verschlagen. Aber mein Herz geht immer noch auf, wenn ich nach Berlin komme! :-)

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One comment

  1. Ich hatte noch nie was vom Zellengefängnis gehört, schöner Artikel – gute Bilder. Erstaunlich, da die JVA Moabit ganz Nahe liegt, muss Moabit ja ziemlich verkriminalisiert gewesen sein, – damals.

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