Buchvorstellung „Berliner Tiere“ von Marie Parakenings

Der „kleine Guide für Naturbanausen & Stadtkinder“ von Marie Parakenings führt amüsant und mit unzähligen Fun Facts in die Welt der Berliner Tiere ein. Erstmals 2019 erschienen, liegt das Buch aus dem Kadmos Verlag inzwischen in der 3. Auflage vor.

Tierischer Countdown

Dieser etwas andere Natur- und Berlinführer macht wirklich Spaß! In einem Countdown von 6 Millionen – etwa die Anzahl der Wanderratten – bis Null – der Verwandtschaftsgrad von Mönchsgras- und Stechmücke – erhalten die Leser*innen Einblicke in die Welt der Hauptstadttiere. Von denen haben sich etliche perfekt an das Leben in Berlin angepasst. Die Spatzen beispielsweise polstern ihre Nester mit zerrupften Zigarettenstummeln. Nicht nur, weil das schön kuschelig ist, sondern vor allem, weil das Nikotin Parasiten fern hält.

Stare hingegen imitieren gerne Geräusche und einige können wohl inzwischen sogar das Türsignal der S-Bahn nachahmen. Verrückt! Die kleinen Waldmäuse hingegen, die sich in vielen U-Bahnhöfen tummeln, haben ihren Verdauungstrakt auf eine Ernährung mit Döner, Pommes und Pizza angepasst. Und die Nebelkrähe? Die findet in Berlin so leicht Futter, dass sie sich oft langweilt. Dann fällt ihr allerhand Unsinn ein. 2014 haben Vandalen-Krähen am Hauptbahnhof beispielsweise 11.000 Euro Schaden angerichtet!

Berliner Tiere
Nebelkrähe im Treptower Park

Tatsächlich hat mich auch schon mal eine von hinten angegriffen. Nun weiß ich zumindest, dass ihr vermutlich einfach nur langweilig war. Immerhin nichts Persönliches!

Der Pinguin-Mörder vom Zoo

Eine tierische Kriminalgeschichte ereignete sich 2005 im Zoo. Dort leben neben unzähligen Spatzen auch Graureiher. Nicht, weil sie dort gezüchtet werden, sondern weil sie das Futterangebot so mögen. Im Streit um einen Fisch hat einer von ihnen einfach einen Pinguin mit seinem Schnabel erstochen. Zu Recht wird er dafür von der Autorin als „Arschloch“ betitelt. Im Pinguinbecken treibt übrigens immer noch ein Graureiher sein Unwesen – ob das der Mörder war? Aber auch sonst kann man die Vögel an vielen Ecken der Stadt antreffen. Haltet doch mal im Treptower Park oder im Schlosspark Charlottenburg Ausschau.

Berliner Tiere
Graureiher beim Lauern im Zoo Berlin.

Insekten in Berlin

Wer hätte gedacht, dass Berlin insektenfreundlicher ist als viele ländliche Regionen? Die Pflanzenvielfalt ist hier einfach größer und darum fühlen sich ganze 17.000 Arten hier wohl. Davon haben einige ziemlich ulkige Namen: Goldafter, Speckkäfer, Gemeiner Ohrwurm, Wadenstecher, Kräuterdieb und wie sie alle heißen. Ich persönlich bin ein großer Waldmistkäfer-Fan! Die haben so eine tolle metallicblaue Farbe und krabbeln gerne über die Wege im Grunewald oder im Spandauer Forst.

Berliner Tiere
Hübsche Kerlchen!

Toll ist, dass es auch Bienen in Berlin viel leichter haben als auf dem Land, wo es zu viele Monokulturen gibt und auch mehr Pestizide versprüht werden. Außerdem hat die Hauptstadt viele Imker*innen. Man bekommt auch wirklich an allen erdenklichen Orten welchen angeboten! Sogar auf Friedhöfen wird hier geimkert. Wer weiß, vielleicht waren ein paar Bienen  für den Sankt-Matthäus-Honig ja auf den Gräbern der Gebrüder Grimm oder von Rio Reiser? Bienen sind übrigens im Countdown der Autorin ganz weit unten auf der 3. Warum? So oft müsste eine von ihnen theoretisch die Erde umrunden, um ein Glas Honig zu füllen. Wow!

Berliner Honig gibts in Hülle und Fülle!

Berliner Tiere – Fazit

Noch mehr will ich hier aber nicht verraten, denn ich kann das Buch nur allen Berlinfans ans Herz legen. Ich habe die 160 Seiten in einem Rutsch weggelesen und mich prächtig amüsiert! Zu jedem Tier gibt es außerdem eine schöne Illustration von der Autorin selbst. Bestellen könnt ihr es direkt beim Kulturverlag Kadmos.

Lust auf mehr tolle Berlinbücher? Dann schaut auch in meine Buchvorstellung von „Klappe! Geschichte der Filmstadt Berlin“.

About Tina Hoffmann

Texterin, Journalistin und Bloggerin auf staycation.berlin – ich interessiere mich für Kultur, Nachhaltigkeit, DIY, Radfahren und Unternehmungen mit Kindern.

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2 comments

  1. Bestimmt eine spannende Lektüre! Es ist unglaublich interessant, was für eine Tierwelt sich doch in den scheinbar „menschen-beherrschten“ Großstädten umher treiben kann.

    Aber hier regt sich bei mir heftiger Wiederstand, zumal in so einem Buch:

    „Zu Recht wird er dafür von der Autorin als ‚Arschloch‘ betitelt.“

    Weder das „Arschloch“ der Buch-Autorin noch das „zu recht“ der Blog-Posterin – sind recht am Platz! Meine Güte, es ist die Natur. Wir sind ein Teil davon und nicht ihre Richter!

    So bleibt nach dem lesen des Beitrags ein unsympathisch schaler Beigeschmack, schade.

    • Liebe Sandra, beides ist mit einem Augenzwinkern zu lesen! Natürlich ist das Natur! Aber schon der Untertitel „Für Naturbanausen“ zeigt ja, dass das nicht bierernst ist. Schade, dass das offensichtlich nicht ausreichend rüberkam in meinem Beitrag. Viele Grüße, Tina

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