Home / Fundstücke / Ausflugstipp: Das "Kunstfälschermuseum" im Seehotel Großräschen

Ausflugstipp: Das "Kunstfälschermuseum" im Seehotel Großräschen

Eine Bahnstunde südlich von Berlin (RB 19) befindet sich eine einmalige Gemäldegalerie, die ich über Recherchen zu den Brüdern Posin aus Neukölln kennengelernt habe. Im Seehotel Großräschen sind alle großen Meister der Malerei auf übersichtlichen drei Etagen zu sehen, man muss also nicht extra nach Paris, Madrid oder St. Petersburg fahren, spart ´ne Menge Zeit und Geld und sieht das Gleiche.

Nun gut, es sind nicht die Originale, aber wer würde schon den Unterschied merken, wenn sich selbst Experten vom Meisterfälscher Beltracchi haben aufs Kreuz legen lassen ? Und im Gegensatz zu Beltracchi, der derzeit noch im Knast einsitzt, kopieren die Gebrüder Posin nur, sie geben die Bilder eben nicht als Originale aus (das darf man, wenn der Künstler ca. 80 Jahre unter der Erde ist).

Wo ist der Unterschied zur Fälschung ?

  • Sie müssen eindeutig als Kopien gekennzeichnet sein (Rückseite) und dürfen kein Signet haben
  • Die Bildgröße muss klar vom Original abweichen (damit es nicht doch noch „versehentlich“ als echt in den Umlauf kommt)

Das Leben ist aber – wie immer*) – so ungerecht zu den Ehrlichen und Fleißigen: Die Brüder Posin nehmen wohl für eine klassische Kopie so um die 2000  €, der echte Fälscher Beltracchi kann nunmehr nach dem beträchtlichen Medienrummel so um 50.000 € pro Bild akquirieren und hat sogar eine eigene Sendung im ZDF bekommen! Über die Posins hat nur mal der rbb einen kleinen Beitrag gebracht.

Immerhin hat er ihnen wohl zu regionaler Bekanntheit verholfen und im Manager des Seehotels Großräschen einen Fan gefunden, der  die Bilder zur allgemeinen Besichtigung (für 2 € Eintritt) freigibt. Und da hängen sie denn auch alle, die wir seinerzeit im Kunstunterricht besprechen mussten: Die Nachtwache, der Mann mit dem Goldhelm, das Mädchen mit dem Perlohrring, die Sonnenblumen und die Frau in Gold (ganz aktuell !). Last not least natürlich auch die Mona Lisa, stilecht hinter einer Schutzscheibe. Einige selbsterdachte Kunstwerke sind natürlich auch zu bewundern, vielleicht werden die Posins auch einmal richtig berühmt. Aber das Schicksal vieler großer Maler war ja eben, dass erst mit dem Abschluss des Œuvres (üblicherweise durch Tod des Künstlers) die Preise steigen. (Q.e.d. = s.o. *)

Ganz nebenbei kann man auch eines der großen Renaturierungs-Projekte Ostdeutschlands in der Übergangsphase besichtigen, denn hier wurde früher Braunkohle gewonnen – das Seehotel war z.B. ein Ledigenheim der Grubengesellschaft – und den See von Großräschen beim Volllaufen zusehen. Die Marina vor dem Seehotel steht jedenfalls schon, wenn auch noch auf dem Trockenen, und der Plan hinkt in guter alter Tradition um zwei Jahre nach, aber das ist man ja mittlerweile  von Großprojekten gewohnt.

 

About Wolfkamp

Uralter Urberliner. Taxifahrer, Eisenbieger, Schneeschipper, Student, Wagenwäscher, Bananenverkäufer, Bauleiter, Ausbilder, Dozent, Hilfsarbeiter, Operator, Systemanalytiker, Autor, Stadtführer, Senior-Experte, Berliner Schnauze, usw. usw. Hab´ich was vergessen ?

Check Also

Der Weihnachtsmarkt auf dem Gendarmenmarkt (Foto: anyaivanova / Shutterstock.com )

Berliner Weihnachtsmärkte 2016 – Klassiker und Insider

Alle Jahre wieder, so auch im Jahre 2016 sind wieder viele schöne Weihnachtsmärkte in der …

7 comments

  1. Also ich finde es gut und da ich bald wieder in Berlin bin, werde ich das auf jedenfall mitnehmen.

  2. Dort war ich auch schon, ist ein wirklich sehr schönes Museum!

    http://www.xn--schlsseldienst-berlin-24-ysc.de/

  3. Klingt doch spannend. Da möchte ich auch eines Tages hin. Vor allem weil man sich die schönsten Werke der Menschheit an eine Ort anschauen kann. Und ob Fälschung oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle.

    • Das sagt sich so leicht, für einen Aussteller sind das Unterschiede im 5-6stelligen Bereich. Und wenn dann noch ein staatliches Museum meine Steuergroschen verplempert, weil es einer Fälschung aufsitzt, hört der Spaß auf.

  4. Lieber Herr Wolfkamp, es ist KEIN staatliches Museum !

    • Ich weiß, ich weiß ! Das bezog sich auf den richtigen Fälscher Betracchi, der einige Galerien – auch staatliche – um viel Geld erleichtert hat. In Großräschen hängen – wie oben beschrieben – Kopien und keine Fälschungen. Insofern ist der Name FÄLSCHERMUSEUM irreführend. Trotzdem aber sehenswert …..

  5. Bernhard Wistuba

    Ich fand das Museum sehr schön, alle grossen Meister an einem Austellungsort, mit dem Empfinden, die Originalen zu bewundern. Auf jeden Fall die Zeit wert, einen Besuch abzustatten, wenn in Berlin!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*