Berlins berühmte Straßen – die Promis aus der Giesebrechtstraße

Die Giesebrechtstraße im Berliner Ortsteil Charlottenburg, die Anfang der 1920er Jahre in Zusammenhang mit der Bebauung des Kurfürstendamms entstand, ist nicht nur eine beliebte Wohnadresse, sie ist auch bekannt wegen der zahlreichen Promis, die hier wohnten oder noch heute hier ihr Domizil haben.

Giesebrechtstraße 3
Giesebrechtstraße 3

Bereits im Hobrecht-Plan von 1862 war eine „gehobene Wohnbebauung“ geplant, die aber nicht ausgeführt wurde. Erst mit den Plänen zum Bau des Kurfürstendammes ab 1882 entstanden auch für die Gegend westlich der Leibnizstraße detaillierte Bebauungspläne, die dann auch ab 1904 umgesetzt wurden. Ihren Namen erhielt die Straße nach dem Historiker Wilhelm von Giesebrecht (1814–1889), passend zur Mommsen-, Gervinus- und Rankestraße, die ebenfalls nach Historikern benannt wurden, sowie zu anderen Straßen in diesem Viertel, die Namen von Wissenschaftlern tragen.

Im Berliner Adressbuch von 1905 sind die Hausnummern 1–23 als Neubau oder Baustelle mit den dazugehörigen Eigentümern (Maurermeister, Zimmermeister und Architekten bzw. Bodengesellschaft Kurfürstendamm) ausgewiesen.

Giesebrechtstraße 5
Giesebrechtstraße 5

Seitdem entwickelte sich die Straße zu einem Wohnort für das gehobene Bürgertum, unter ihnen ein großer Anteil jüdischer Bewohner. Laut Adressbuch wohnten hier Militärs, Beamte, Professoren, Juristen, Rentiere, Architekten, Ärzte, Ingenieure, Kaufleute und auch mehrere Künstler.

Wolf Vostell
Wolf Vostell

So wohnte der bekannte Operettenkomponist Eduard Künneke mit seiner Tochter Evelyn Künneke, die bannt wurde als Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin, in der Nummer 5. Wolf Vostell, Maler, Bildhauer und Happeningkünstler wohnte in der Nummer 12. In der Hausnummer 13 wohnte die Geigerin Edith Lorand und der Regisseur Stefan Lukschy.

Paul von Hase
Paul von Hase

Paul von Hase, Stadtkommandant in Berlin von 1940 bis 1944 und Widerstandskämpfer wohnte in der Nummer 17 und gleich nebenan in der Nummer 18 lebten die Schauspielerin Grethe Weiser und der Schauspieler Hubert von Meyerinck, dem ganz in der Nähe ein Platz gewidmet wurde.

Meyerinckplatz
Meyerinckplatz

Die Liste ließe sich noch fortsetzen, denn die Straße ist bis heute ein gehobenes Wohngebiet geblieben, was nicht zuletzt an der Größe der Wohnungen liegt. So haben viele Ärzte, Psychotherapeuten und Rechtsanwälte hier ihre Praxis. Aber auch mehrere Galerien haben diese Wohngegend für lukrative Geschäfte für sich entdeckt.

Noch zwei kleine Geschichte am Rande: In der Nummer 11 befand sich ab den frühen 1930er Jahren der von Kitty Schmidt geführte Salon Kitty, ein Edelbordell, das ab 1939 von Walter Schellenberg vom Reichssicherheitshauptamt für Spionagezwecke benutzt wurde und von August 1967 bis Juli 1968 lebte in der Giesebrechtstraße 20 die berühmte Kommune 2 in einer 7 1⁄2-Zimmerwohnung.

Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

About KT-Berlin

Hallo! Mein Name ist Klaus und ich bin seit einigen Jahren im Ruhestand. Ich bin gern unterwegs, genieße die Natur oder erkunde auf Reisen Land und Leute. Der Schwerpunkt der Unternehmungen liegt in Berlin und Brandenburg. Ich will von Stadtspaziergängen und Radtouren durch den „Dschungel“ der Großstadt berichten und dabei Tipps geben und Hintergründe erklären. Berlin hat viele Persönlichkeiten, deren Spuren ich aufnehme, Geschichten die erzählt werden müssen und unzählige Ansichten, die es lohnt im Bild festzuhalten.

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