Buchbesprechung: „Uferblicke – Geschichten rund um den Wannsee“

Selten hat mich in letzter Zeit ein Buch so in seinen Bann gezogen wie das ungemein gut recherchierte „Sieben-Seen-Buch“ von Michael Stoffregen-Büller. Von der ersten bis zur letzten Seite taucht man ein in 200 Jahre Geschichten rund um den Kleinen und Großen Wannsee, Pohl-, Stölpchen- und Griebnitzsee, Glienicker Lake und Jungfernsee. Es geht um imposante Bauten und Villen an deren Ufer – ihre Entstehungsgeschichten, Nutzungs- und Besitzerwechsel im Laufe der Zeit. Es geht um Kunst und preußischen Adel, Prunk und Vergänglichkeit und wie sollte es auch anders sein – einschneidende Momente und Begebenheiten zur Zeiten des NS-Regimes und der Teilung Deutschlands.

Cover "Uferblicke"
Cover “Uferblicke”

Der Autor nimmt uns auf seinem Boot „Seehase“ mit auf eine Reise von See zu See, von Ufer zu Ufer. Dabei versteht er es sehr gut, uns seine Eindrücke der Gegenwart zu schildern und die Vergangenheit wieder lebendig werden zu lassen. Gestartet wird auf dem Kleinen Wannsee und der Leser erfährt viel über die Gründung und den Werdegang der Colonie Alsen, über die Siemens-Villa, Berliner Secession, den Eisernen Gustav und die George-Villa, erstanden vom Vater des berühmten Götz George.

Immer wieder wechseln sich im Verlauf des Buches Anekdoten und die Beschreibung architektonischer Besonderheiten der prunkvollen Seevillen mit Schicksalsschlägen und historischen Ereignissen ab. Schließlich hat die Bebauung an den Seen so einiges erlebt, die Trumann- oder Churchill-Villa und das Haus der Wannsee-Konferenz seien hier nur als Beispiele genannt. Aber auch schon die Regenten des Deutschen Kaiserreichs hielten sich gerne an den Seen auf und so ist ihnen einiges an prächtigen Schlössern und Residenzen inklusiver großartiger Parks und Gartenanlagen zu verdanken.

Doch nicht nur am, sondern auch auf dem Wasser galt es zu repräsentieren und so werden Lustjachten, Dampfschiffe und die „Royal Luise“ am „Golf von Potsdam“ mit ihren Besitzern und belebten Geschichten vorgestellt.

Ein ganzes Kapitel gilt der Pfaueninsel mit ihrer Bebauung und Geschichte und dem, was es „im Netz der Schlängelpfade“ auf der Insel so alles zu entdecken gab und wieder gibt. Und auch hier wird mal wieder deutlich, wie wertvoll es ist, dass einzelne Menschen eine Berufung empfinden, altes zu erhalten und wieder herzustellen, als mit der Planierraupe neue Tatsachen zu schaffen. Meinen Dank an die Michael Seilers und Klaus-Henning von Krosigks dieser Welt, die mühevoll und mit jeder Menge Aufwand verbunden die Arbeiten etwa eines Pete Joseph Lenné wieder auferstehen ließen.

Natürlich durchziehen auch immer wieder Themen wie Grundstück- und Gebäude-Beschlagnahmungen der Nazis (nicht nur Goebbels und Speer sicherten sich Filet-Stücke am Wasser), Luftbrücke und Deutsche Teilung die verschiedenen Kapitel. Schließlich durchlief die Grenze mitten durchs Wasser und diese galt es nicht nur für die westlichen Ruderer peinlich zu beachten. Auch heute noch ist die Wassersportszene am Großen Wannsee sehr aktiv, werden Regatten abgehalten und unzählige Seglerheime schmücken das Ufer der traditionellen Clubs.

Ich habe beim Lesen dieses Buches auf jeden Fall Lust bekommen, selber mal eine „Sieben-Seen-Rundfahrt“ zu machen und dabei zu schauen, wieviel sich tatsächlich von den vielen Details des Buches auf einer solchen Fahrt wieder entdecken lässt.

Das Buch ist erschienen im Dittrich Verlag, 263 Seiten inklusiver Fotos und historischer Abbildungen, 16,90 EUR.

Über den Autor: „MICHAEL STOFFREGEN-BÜLLER, Jahrgang 1939, war viele Jahre für die ARD tätig, als Reporter und Redakteur der Informationsmagazine MONITOR und WELTSPIEGEL in Köln, als Chefredakteur Fernsehen beim HR in Frankfurt und WDR-Landesstudioleiter in Münster. Er hat zahlreiche Filme und Bücher publiziert, unter anderem über die Anfänge der Aeronautik, Rundfunkgeschichte, die kulturelle Bedeutung des Pferdes und Geschichte der Havellandschaft zwischen Potsdam und Berlin. Er lebt in Münster und am Kleinen Wannsee.“

About sunnykat

War 4 Jahre lang "Berliner" - im Moment hat es mich ins Rheinland verschlagen. Aber mein Herz geht immer noch auf, wenn ich nach Berlin komme! :-)

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