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Berlins Infrastruktur – alles in Butter?

Die Attraktivität Berlins mag ja für Hoteliers, Starbucks und Ryanair gut sein, für einige Berliner wird es aber grenzwertig: Sofern sie noch in der Innenstadt wohnen können, werden sie nachts durch Rollkoffer oder Junggesellenabschiede geweckt, wenn sie aber ins Umland geflüchtet sind, haben sie lange Pendlerwege in überfüllten Zügen vor sich. Da tauchte doch neulich tatsächlich die Idee eines Zuzugverbots auf ……

Wer auch immer die Idee hatte, kannte das Grundgesetz nicht – außerdem haben wir 75 Jahre nach Ende des letzten Weltkriegs keine Wohnraumzwangsbewirtschaftung mehr. Auch wenn sich das manche zurückwünschen würden.

Aber man könnte ja Berlin etwas weniger attraktiv machen, vielleicht überlegt sich der eine oder andere seinen Umzug noch mal (außerdem wollen Touristen ja in den Kneipen nicht immer nur ihresgleichen treffen, sondern ab und zu auch mal Einheimische).  Denn in Berlin liegt Einiges im Argen, was eindeutig hausgemacht ist :

z.B. das Brückenproblem.

Hinten die alte, vorne die Behelfsbrücke

In Reiseführern über Berlin wird immer gerne betont, dass wir mehr Brücken als Venedig haben, aber das muss dem Stadtkämmerer entgangen sein. Im Südosten der Stadt ist in 40 Jahren Sozialismus nicht eine einzige neue Spreebrücke gebaut worden, und in 30 Jahren Nachwendezeit sind gerade mal 2 neue hinzugekommen – bei immer mehr und immer schwereren Autos (vor allem LKWs). Deshalb bröseln die anderen so vor sich hin. Neulich musste über Nacht die Allende-Brücke in Köpenick gesperrt werden – sicher auch veranlasst durch den Brückeneinsturz in Genua – und seitdem ist der Verkehr in Köpenick und Treptow eine Strapaze, die an Tantalus-Qualen erinnert (immer wenn Du denkst, es geht weiter, kommt der nächste Stau). Dabei hätte man es ahnen können, denn seit Jahren sind etliche Brücken durch provisorische Notbrücken verstärkt worden (Lange Brücke in Köpenick /Stubenrauchbrücke in Treptow / Altglienicker Brücke ebd) und die vielbefahrenen Elsenbrücke am Ostkreuz geht derzeit auch in die Knie.

Die Elsenbrücke (Treptower) = am Sonntagmorgen !

Auch für den Aufstieg vom FC-Union in die Bundesliga gab es kein Konzept, denn an der Spindlersfelder Brücke ist immer Dauerstau. Erst Recht bei einem Spiel an der alten Försterei. Wenn demnächst die Mini-Brücke am Bf. Wuhlheide ihren Geist aufgibt, bricht in mindestens 4 Berliner Bezirken die Anarchie aus, denn die TVO ist immer noch nicht fertig, weil die Bahn angeblich keine Planungskapazitäten mehr hat.

Brücke ohne Namen am Bf. Wuhlheide

Auch Eisenbahnbrücken – d.h. Unterführungen für normale Autofahrer – sind viele Jahre sträflich vernachlässigt worden und sind z.Z. Dauerbaustellen wie am Bf. Karlshorst (seit mind.  5 Jahren) und Schöneweide. Vorausschauende Planung ist heutzutage wohl nicht mehr möglich, weil Lokalpolitiker sich gerne mit sichtbaren Ergebnissen innerhalb ihrer Amtszeit schmücken wollen.

Und jetzt nochmal zurück zu Genua: Auch in Berlin haben wir eine tolle Spannbeton-Brücke: die Rudolf-Wissell-Brücke, die ähnlich marode ist. Seit Genua sind die Baufachleute da ziemlich nervös, aber wenn diese Brücke abgerissen und neu gebaut wird, muss eine der meistbefahrensten Austobahnen Deutschlands durch eine Laubengelände umgeleitet werden. Das ergibt dann den Super GAU für den Berliner Verkehr.

R.-Wissell-Brücke, Foto von : https://www.grassl-ing.de

Auf Touristen und Neuberliner kommen da aufregende Zeiten zu! Und für alle Nicht-Sesshaften : Bielefeld soll doch auch sehr schön sein und entgegen anderslautenden Gerüchten ist es wieder aufgetaucht und freut sich auf Neubürger.

About Wolfkamp

Uralter Urberliner. Taxifahrer, Eisenbieger, Schneeschipper, Student, Wagenwäscher, Bananenverkäufer, Bauleiter, Ausbilder, Dozent, Hilfsarbeiter, Operator, Systemanalytiker, Autor, Stadtführer, Senior-Experte, Berliner Schnauze, usw. usw. Hab´ich was vergessen ?

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2 comments

  1. Ja lieber Wolfram, von Kleinmachnow bis an den Müggelsee oder auch in die famose Hofküche Friedrichshagen fährt man tatsächlich 42 km. Warum, weil man nicht über die Müggelspree gelangt.
    Auch unten herum ist es mehr als schwierig.

    Mach weiter so, Deine Meinung und Dein Blog ist immer viel wert.

    ULLI

    Mein Blog s.u.

    • Ja vom Südwesten Berlins in den Südosten zu fahren war schon immer eine Zumutung. Während meiner Lehre bei der Bau-Fa. Holzmann musste ich von Nikolassee nach Rudow. Mit dem ÖPNV hieß das : 3 Buslinien fast komplett = 2 Std. Fahrzeit, und das ohne Spreeüberquerung !
      Früher war auch nicht alles besser …..

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