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Hamburg: Das Tor zur Welt und zu vielen Entdeckungen

Es ist Urlaubszeit und der Blog geht auf Reisen. Auch wenn die besuchte Stadt gerade mal zwei Stunden mit dem Zug von Berlin entfernt ist, können diese beiden Orte nicht unterschiedlicher sein. Ich rede von der Wahlheimat des Sängers Udo Lindenberg und der Heimatstadt des weltberühmten Filmregisseurs Fatih Akin, der bei der diesjährigen Berlinale mit dem Wettbewerbsbeitrag “Der goldene Handschuh“, in Hamburg gedreht, für viel Furore sorgte. Die Stadt mit den teuersten Yachten weltweit heißt Hamburg. Nur im Fußball läuft es nicht, wie es sollte. Der FC St. Pauli scheint die erste Liga abgeschrieben zu haben und der Sturz des HSV in die zweite Liga hat Stoff für ein mehrteiliges Drama beim ZDF. Am 16. gibt es den lokalen Derby im Stadion Millentor, zur Einstimmung.

Der DFB hätte es besser wissen müssen, als er die Entscheidung fürs Hotel der Mannschaft um Süle, Kimmich & Co für das Spiel gegen Holland traf. Es wurde das teuerste Hotel der Stadt gebucht, The Fontenay, bei dem die Übernachtung in der Präsidenten-Suite 7.000 Euro kostet. Diese Info bekam ich von Roland, dem Guide bei der Bus-Stadtrundfahrt Hop On Hop Off.

Der Besitzer dieses Hotels ist kein Unbekannter im Fußballsektor: Klaus-Michael Kühne war langjähriger und allemal sehr geduldiger Förderer des HSV. Nur anhand von etwas Recherche würde man wissen (müssen): Bei der Vorgeschichte kann Die Mannschaft, die in dem Hotel wohnt, nicht gegen Holland gewinnen.

Der Berliner, drangsaliert vom Dienstleistungssektor und gewohnt, von schlecht gelaunten Menschen umgeben zu sein (soll es geben!), wird Hamburg lieben! Die gelassene Savoir vivre der Hanseaten kommt einem wie eine Sommerbrise entgegen. Als Überraschung an diesen Tagen im August war die Sonne ganze drei Tage präsent mit jeweils vielen Sonnenstunden und Temperaturen um die 26 Grad. Solche Wetterverhältnisse im sonst regnerischen Hamburg können glatt zu Irritationen führen wenn man aus Berlin kommt. Bei meinem Aufenthalt im Juni 2017 waren es 32 Grad. Die Hamburger wussten an diesem Tag nicht, wie ihnen geschah, und ich wollte schnellstmöglich zurück nach Berlin. Es kann doch nicht angehen, dass es in Hamburg heißer ist als in Hauptstadt, dem bekanntesten heißen Pflaster der Republik!

Stadtführer Thomas Kaiser

Neue Horizonte

Tomas Kaiser (sic), Kulturwissenschaftler und schon über 20 Jahre als Tour Guide in Deutsch und Englisch in der Hansestadt tätig, brachte es auf den Punkt: »Die Welt liebt Berlin, aber die Deutschen lieben Hamburg!«

Der sympathische, waschechte Hamburger (siehe Photo oben) kennt seine Stadt, wie kaum ein anderer. In einer zweistündigen Tour mit dem Fahrrad eröffnete sich für mich ein ganz anderer Horizont. Unzählige Male war ich schon bei den Hanseaten zu Besuch, aber durch diese Tour, die gewiss das Prädikat überragend verdient, nahm ich eine Stadt wahr, die wächst, wächst und wächst. Nicht nur Berlin ist stetig im Umbruch. Reiche Bauunternehmer, weltberühmte Architekten machen sich unsterblich mit außergewöhnlichen Projekten in Hamburg, dieser eigensinnigen Stadt, deren Geschichte sich nicht an Kaisern und Königen orientiert, sondern an dem Handel mit der großen, weiten Welt. Der Eigenwille und der Hunger nach Freiheit ist Hamburg in die DNA geschrieben. Ein Beispiel: Entstanden aus einer Befestigungsanlage, war die Stadt im Mittelalter die Adresse für Handel in Europa.

Der Hafen aus der Perspektive der Hafenrundfahrt
Der Hafen aus einer anderen Perspektive

Die Unabhängigkeit als Freie Hansestadt steckt bis heute tief im Bewusstsein der Hamburger und zeigt sich auch in der politischen Arbeit des Senats. Wir erinnern uns an die Bewerbung für die Austragung der Olympischen Spiele 2024. In einem Referendum im November 2015 stimmten 51,6% der Hamburger gegen die Austragung der Spiele. Im Deutschen Reich wurde Hamburg 1871 zwar Mitglied, bleib aber zollrechtlich weiterhin unabhängig und war daher nicht im deutschen Zollgebiet. Bereits in den früheren Jahren hatte der Eigenwille Hamburgs Kontur angenommen.

Im Gegensatz zu den Berlinern, die eher eine Hass-Liebe zu ihrer Stadt pflegen, scheinen mir die Hanseaten eine ziemlich entspannte Beziehung zu ihrer Stadt zu haben. »Die Hamburger lieben ihre Stadt“, versicherte Tomas voller Stolz.

Fakt ist, dass im Straßenverkehr, in der U-Bahn und auf dem Bürgersteig, auch zu Stoßzeiten, Hamburg viel weniger stressig als Berlin ist mit Ausnahme des Hauptbahnhofs. Dort geht es Schlag auf Schlag, man versteht sein eigenes Wort nicht. Wer den sich dort befindenden EDEKA-Markt aus einem mondänen Anlass aufsuchen muss, dem gnade Gott.

Gastronomie

Im ersten Artikel zu den aufschlussreichen und herrlichen Tagen in Hamburg (mit anhaltendem Sonnenschein!!!!) werden wir nicht über die XXL-Sightseeing-Hotspots berichten. In diesem Artikel gehen wir in die Stadtteile (die Berliner sagen dazu Bezirk) und nehmen einige gastronomische Angebote unter die Lupe. Die, die meinen Texten treu sind, wissen, dass ich von der Berliner Gastronomie nicht viel halte. Das Beispiel der Catering-Firma Fuchs & Gans ist nur eines der leidigen Themen in dieser Angelegenheit.

Das Chilehaus
Das Chilehaus

Bona’me

Am Burchardplatz neben dem Chilehaus, einem Meisterwerk der Architektur, über das wir in einem separaten Artikel sprechen werden, gibt es ein edles Restaurant mit kurdisch-türkischer Küche. Großräumig und in unterschiedliche Bereiche unterteilt, lädt es alle, nicht nur Türken und Kurden, zum Genießen von süßen und herzhaften Spezialitäten ein, die direkt vor einem vorbereitet werden. Ein Riesen-Counter zeigt mehrere Köche, die nicht so laut wie in Neukölln die Bestellungen annehmen. Die Zutaten liegen frisch und aromatisch auf der Arbeitsfläche. Sonntags zur Mittagszeit ist es kaum möglich, einen freien Platz zu bekommen. Es empfiehlt sich, einen Tisch zu reservieren. Auch das Badezimmer, großräumig und mit blau-türkisen Kacheln an der Wand und riesigem Waschbecken, mutet exotisch an. Auch die laute Musik in bester Qualität im Bad rundete das Ambiente ab.

bona-me.de/hamburg

Kaffeemuseum

Jetzt einen Kaffee!

Bei dieser Adresse schlägt der Besucher zwei Fliegen mit einer Klappe. Sicherlich hinkt der Vergleich, wenn es um das Lieblingsgetränk der Deutschen geht, ohne das sie nicht aus dem Hause gehen und ohne dessen morgendlichen Genuss sie lieber nicht angesprochen werden. Hier können Sie im vollen Umfang den besten Kaffee der Stadt verkosten. Selbstverständlich alles Bio.

Kaffee- und Teesortiment der Rösterei Burg

Das Kaffeemuseum lädt ein zum Verweilen mit den Liebsten, ob man die Schuhsohle gerade bei einer langen Tour malträtiert hat oder gezielt zu Kaffee und Kuchen hingeht. Egal. Dieser Ort belebt alle Sinne. Die Tee- und Kaffeesorten stehen akkurat nebeneinander auf dem Regal, regen die Reise- und Aromalust an. Schließlich ist die Speicherstadt (seit 2015 Weltkulturerbe!) direkt nebenan. Die Schriften auf den Jutesäcken, in denen die Bohnen gähnend verweilen und auf die Röstung warten, verraten: Peru, Guatemala.

Kaffeebohnen aus der Ferne
Kaffeebohnen aus der Ferne

In der Speicherstadt wurde bereits 1896 Kaffee gelagert. Bei den angebotenen Museumsführungen kann zwischen »mit Kaffee und Kuchen«, »mit Verkostung« oder dem Gesamtpaket, das ich Euch wärmsten empfehlen möchte, »Verkostung, Kaffee und Kuchen« gewählt werden. Die Option der Live-Röstung gibt es selbstverständlich auch.

Die Sammlung der Familie Burg, die dieses Geschäft schon 1923 im gediegenen Stadtteil Eppendorf betrieben hatte, und das Kaffeemuseum sind eins. Der 60-kg-Röster, stammend aus den 30er Jahren von der Firma Van Gulpen aus Emmrich, der lange in Eppendorf diente, kam 2015 zum neuen Bestimmungsort, zur Speicherstadt, wie die Hochglanzbroschüre verrät. In diesen Behältern werden die Bohnen geröstet. Wer schon mal dabei war, vergisst diesen Augenblick nicht. Das Aroma geht durch den ganzen Raum.

kaffeemuseum-burg.de

HACHEZ: Schokoladige Weltreise und das süße Gold

Neulich habe ich im beschaulichen Stadtteil Charlottenburg beim Geschäft Dubenkropp (Pralinen & Schokolade) eine Botschaft wahrgenommen: »Egal was die Frage ist, Schokolade ist die Antwort«.

Im Chocoversum, einer Art Show Room des Herstellers Hachez mit Sitz in Bremen, kann man nicht »nur« die beste Schokolade kaufen oder für den Liebsten etwas Besonders mitbringen, sondern der Herstellung des süßen Goldes und dessen diversen Aromen auf den Grund gehen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Schokolade für die Haut: Workshop, bei dem die Besucher das eigene Pflegeprodukt aus Kakaobutter kreieren können. Es gibt nicht wenige Frauen neben Barbara Schöneberger, die davon träumen, in eine Badewanne voller Schokolade einzutauchen.

Eingangsbereich Choco Versum by HACHEZ
Eingangsbereich Choco Versum by HACHEZ

Die Kombination Bier & Schokolade ist das Format für die speziellen Gaumen. Der Bier-Sommelier Matthias Kopp ist beim Event dabei und erklärt zusammen mit den Schokoexperten von Hachez die Details zur Herstellung der beiden Erzeugnisse.

Die Schoko- und Marketingexperten von Hachez lassen sich wirklich was einfallen: Die Kombination Whisky & Schokolade gibt es auch und die ist abgefahren.

Pralinenkurs: Wer den Arbeitsprozess einer kreativen und personalisierten Geschenkidee nicht scheut, hat beim Kurs die Möglichkeit, unter Leitung von Profis handgerollte Trüffel herzustellen.

chocoversum.de

im Portugieschen Viertel
im Portugieschen Viertel

Mehr als nur Sardinien

Portugiesen und Hamburger haben etwas gemeinsam: Beide Völker lieben die Ferne und das gute Leben. Deshalb ist ein Gang in das portugiesische Viertel direkt am Hafen (U-Bhf Landungsbrücken) für Besucher ein Muss. Ausgelassene Stimmung, Tische auf den Bürgersteigen, freundliche Menschen, leckeres Essen. Nicht zu vergleichen mit der schwer auszuhaltenden, ausgeprägten, depressiven Stimmung, dem Essen aus der Mikrowelle und der desaströsen Bedienung des Cafes »Lisboa« in der Goethestraße in Berlin-Charlottenburg.

Das Restaurant »Porto« ist besonders empfehlenswert. Dort kehren auch Weltstars am Ende des Abends ein, nachdem sie in den prestigereichen Musikhäusern der Stadt gespielt haben zum Beispiel in der Elbphilharmonie.

porto.hamburg

Hamburg hat Berlin in vielem einiges voraus. Besonders wenn es um die Gaumenfreuden und kulinarischen Entdeckungen geht. Die Angebote sind vielseitig, gar nicht großspurig angepriesen, aber bedacht. Die Auswahl meiner gastronomischen Erlebnisse in der Hansestadt hatten alle dasselbe im Blick: dem Besucher ein unvergessliches Erlebnis zu bescheren. Die Verantwortlichen fürs Stadtmarketing (Hamburg Marketing GmbH) haben das immense Potential erkannt. Kein Sektor darf zu wenig beachtet werden und auch das Soziale nicht aus dem Blickfeld verschwinden.

Good to know:

Tomas Kaiser, für Führungen in Deutsch und Englisch in HH zu den Themen Architektur, Stadtentwicklung, Kultur und Geschichte, erreicht man unter info@tomaskaiser.de

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