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DFB-Pokalfinale (25.05.): Berlin ist die Hauptstadt des Fußballs

Wer sich mit der schönsten Nebensache der Welt auskennt, weiß: Die Bundesliga ist die eine Sache und das Finale um den DFB-Pokal eine ganz andere. Bei einem Turnier geht es Etappe für Etappe um das Mitnehmen von drei Punkten, um am Ende der Saison oben oder ganz oben zu stehen und „den Weg nach Europa“ zu sichern (je nach Platzierung direkte Qualifikation Champions League oder Europa League). Beim DFB-Pokal, vom Verband kreiert und durchgeführt, ist es eine Frage des Prestiges, das Finale im Olympiastadion zu spielen. Bis dahin ist es ein langer, teils holpriger und ersehenter Weg, mit einem einzigen Ziel: Berlin, Berlin, wir wollen nach Berlin!

Die Bundesligasaion Revue passieren lassen

Es lebe der Amateurfußball!

Der Reiz beim DFB-Pokal ist, dass Mannschaften aus der 1. und 2. Bundesliga gegeneinander antreten. Für die erste Hauptrunde sind jeweils 18 Vereine der beiden Bundesligen qualifiziert sowie die ersten vier Mannschaften der 3. Liga zum Ende der Vorsaison. Dazu kommen 24 Mannschaften aus den unteren Ligen, in der Regel die Verbandspokalsieger. Die Paarungen werden vor jeder Runde ausgelost. (Quelle: Wikipedia). So kann der FC Heidenheim (2. Liga) sich freuen, das Viertelfinale in der Allianz Arena in München als Gast gegen den Rekordmeister FC Bayern zu spielen. Die Kassen klingeln, der Rubel rollt, der Nachwuchs lässt sich gesondert motivieren. Kurzum: Eine Win-Win-Situation für alle.

Um Haaresbreite wäre dem Zweitligisten eine Sensation gelungen: den Rekormeister aus dem prestigereichen Tournier herauszukicken. Die Heidenheimer konnten stolz wie Spanier nach Hause zurückfahren, mit einem ordentlichen Endergebnis von 5 : 4 für die Bayern. Der Verein aus der Säbener Straße wurde auf den letzten Drücker (84′) gerettet, mal wieder von der Tormaschine Robert Lewandowski. Auch das Spiel Werder Bremen – FCB im Halbfinale am 24.04. ließ eine alte Rivalität aufleben in einer Partie mit kaum auszuhaltender Spannung und Dramatik! Der Bayernbonus hat mal wieder gegriffen: per Elfmenter, zu Unrecht gegeben, bei dem der Schiri sogar auf den Videobeweis verzichtete. So konnte der FCB sein Ticket nach Berlin einlösen. Endergebnis 2 : 3.

Das DFB-Pokalfinale im Olympiastadion
Das DFB-Pokalfinale im Olympiastadion

Ein Finale, das keiner sehen will

Wenn man die Wahl zwischen einem Endspiel zwischen FCB und Werder Bremen oder, sei’s drum, Frankfurt gegen Dortmund oder Fortuna Düsseldorf (der Underdog) gegen Holstein Kiel hat – Begegnungen die das Fußballherz zum Glühen bringen – kriegt man ein Endspiel dank Bayernbonus, das keiner sehen will.

Der FC Bayern hält (wie könnte es anders sein) auch hier den Rekord: 18 Pokalsiege, 22 Finalbeteiligungen. Das Mega-Event wird – mehr oder weniger gut – vorbereitet vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), der sich gerade in einer Umstrukturierungsphase befindet und im Herbst beim DFB-Kongress den neuen Präsidenten wählen wird. Reinhard Grindel (2015-2017) hat, hanseatisch ausgedrückt, dem Verband keinen Gefallen getan

Es ist unmöglich, über das Turnier zu berichten, ohne auf etliche misslungene Aktionen vom DFB zu sprechen zu kommen. 2017 wurde die blonde Diva Helene Fischer mit einem Konzert beauftragt. Ihre Tanzeinlage mit Musik aus der Konserve während der Halbzeit des Spiels zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt wurde von einem beispiellosen Pfeiffkonzert empörter Fans begleitet. Fannähe, im Übrigen, ist nicht gerade ein Merkmal, das den Verband auszeichnet. Auch bei der Akkreditierungsvergabe ausländischer JournalistInnen für das Endspiel ist noch viel Luft nach oben. Es ist so gut wie unmöglich, eine Akkreditierungszusage zu bekommen, und der dafür zuständige ist kaum im Büro. Wenn ja, dann kurz angebunden und gelegentlich auch sehr unhöflich. Das Akkreditierungsverfahren, sonderbarerweise „Ticketbestellung“ genannt, muss auf dem Verbandsportal Akkreditierungsplattform angestoßen werden. Wer sich dieses System ausgedacht hat, müsste zurück zur IT-Ausbildung. Abenteuerlich und Unfassbar! Wir reden hier vom Deutschen Fußball-Bund e.V.: Der größte nationale Sportfachverband der Welt mit 7.043.964 Mitgliedern.

Wir wollen nach Berlin!

Am letzten Maiwochenende ist es dann soweit. Fans mit ihren Schals in der Farbe des Lieblingsvereins laufen durch die Stadt, erkunden sie, grölen und feiern. Am Alexanderplatz die Bayern, die mit ihren Trachten beim Bierzelt in großen Gruppen und meist unter tropischen Temperaturen, ihr „Mia San Mia“ in Welt posaunen, während sie tief ins Glas schauen. Am Breitscheidplatz in der West-City ist der Treffpunkt des Vereins, der nicht aus München kommt. Zwischen 2015 und 2017 war dieser Ort unter schwarzgelber Vorherrschaft samt Maskottchen Emma. Diesmal wird es der RB Leipzig sein, ein Klub, der 2009 gegründet wurde und gar keine Tradition – in gar keinem Sinne – vorweisen kann. Wenn man auf die Preisträgerliste des Tourniers ab 1952 schaut, wird man die Vielfalt des deutschen Fußballs erkennen und daraus Vereinsgeschichten (überragende wie tragische) ablesen können.

  • 1954/55: Karlsruher FC
  • 1978/79 und 79/80: Fortuna Düsseldorf
  • 1989/90: 1. FC Kaiserslautern
  • 2001: FC Union (immerhin Finalist)

Der erste Sieger (1952/53) war Rot-Weiss-Essen. Das waren Zeiten!

Saisonrückblick 2018/19

Zum Saisonende und strategisch gut einen Tag vorm großen Finale im Olympia-Stadion, gibt es einen Leckerbissen für alle, die Fußball lieben und ausgiebig darüber sprechen, philosophieren, fluchen, lachen wollen.

„Saisonrückblick“ im Kino Zoopalast in der West-City. Und jawohl, der Name ist Programm. Die Idee ist von den Machern des Fußballmagazins „11 Freunde“. Das Blatt wurde gegründet in den 2000er Jahren in einer Garage in der Metropole Bielefeld von Philipp Köster, dessen Herz für den Zweitligisten Arminia Bielefeld nach wie vor schlägt, und Reinaldo Coddou H., Photograph, die sich die englische Zeitschrfit „When Saturday comes“ zum Vorbild nahmen. Der „Spiegel“ hat Recht, wenn er das Blatt zu „Deutschlands bestem Fan-Magazin“ kürt. Die FAZ bescheinigte „11 Freunde“, „hierzulande einzigartig“ zu sein. Ihr stechender und gnadenloser Sarkasmus hinsichtlich fehlender Entscheidungen rund um VAR und DEKRA-Schilder dürfte im Land einmalige Spitze sein.

Geboren aus dem Herz und Leid der Fanszene kann das Blatt die Fannähe im Jahr 2019 immer noch vorweisen. Wenn man bedenkt, wie sich der Fußball in fast 20 Jahren in sportlicher, politischer und finanzieller Bedeutung einem Paradigmenwechsel unterzog, ist das eine große Leistung vom Chefredakteur und seinem Team. Mindestens genauso wichtig, wie die Fannähe ist der Humor: alle kriegen ihr Fett weg. Die Portraitierung mit fast fetischistischer Liebe zum Detail von vergessenen Fußballidolen oder Fußballplätzen (diese können in Argentinien oder in der Ultraszene einer Manschaft aus Bulgarien sein) ist immer exzellent recherchiert und ein wahrer Augenschmaus in der hiesigen sportlichen Medienlandschaft. Die Statistik besagt: “11 Freunde” wird meist von Männern zwischen 20 und 35 Jahren gelesen. Seit 2010 hält der Verlag Gruner + Jahr 51% der Anteile. Matthias Hörstmann 33,3% und der Philipp Köster, 15,7%.

Aktuelles Heft

“11 Freunde” ist zusammen mit wenigen Medien, die einsame Spitze, wenn es darum geht, gegenüber dem DFB eine kritische Haltung zu äußern.

Saison 18/19 Revue passieren lassen

Zum Ende Mai im Kino Zoo Palast, DEM Prestigekino in Berlin, treffen sich die Fußballbegeistertern zur Expertenrunde, moderiert vom Chefredakteur Philipp Köster. Die Runde in Berlin ist der krönende Abschluss der Reihe, die in anderen Städten angefangen hat:

  • 19.05 Frankfurt
  • 20.05. Hamburg
  • 21.05. Bremen
  • 22.05. Köln
  • 24.05. Berlin

2018 war sogar die englische Metropole London erste Station der begehrten Reihe.

Auf die inzwischen legendäre Analyse in Form einer Videopräsentation darf man gespannt sein. Sicherlich wie auf eine gewisse Pressekonferenz samt Hervoheben des Artikels 1 GG durch Kalle Rummenigge, die Hölle der Kabineneinsamkeit von Domenico Tedesco von Schalke 04, die emotionale Abschiedsrede von Rafinha vom Bayern Müchen, zu Unrecht gegebene Elfmeter, wie vor kurzem gegen Bremen, sowie das leidige Thema Videobeweis, die Misere vom HSV und das Streitthema 50 plus 1 Regel.

Tickets für den Saisonrückblick 2019 gibt es hier:

https://shop.11freunde.de/tickets/11freunde-saisonruckblick-2019-berlin.html

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