Home / Architektur / Rettet die Kant-Garage !

Rettet die Kant-Garage !

In Charlottenburg gibt es in der Kantstraße 126 eine etwas unattraktive Tankstelle (ziemlich eng für SUV-Fahrer !), über der sich ein archtitektonisches Kleinod im Dornröschen-Schlaf befindet. Hier starte ich mal einen Internet-Versuch, dieses zu ändern, wobei ich sogar meine persönliche Kompetenz (habe ja schließlich auf dem Bau gelernt) mit einbringen würde.

Aber der Reihe nach :
Die Kant-Garage war in der langen Zeit der Spaltung die Treff- und Tummelplatz der Taxifahrer, und in dem Maße, wie es mit diesem Gewerbe bergab ging (Uber lässt grüßen), ging es auch mit der Kant-Garage in die gleiche Richtung. Erst ein Zeitungsartikel vor Kurzem hat mich daran erinnert, dass dieser Komplex doch irgendwie aus dem Rahmen fällt. Offizieller Status derzeit = unter Denkmalsschutz, was potentielle Interessenten natürlich gewaltig abschreckt. Denkmalsschutz verteuert eine Sanierung um ca. 100 %, die Zuschüsse sind mager, es bleibt also bei erheblichen Mehrkosten.

Warum unter Denkmalschutz ?

Diese Garage wurde 1930 im Stil der Neuen Sachlichkeit gebaut, war (angebl.) die erste Hochgarage des Landes und hat (wie üblich) wegen ihrer jüdischen Architekten und Bauherren (Hermann Zweigenthal + Louis Serlin) eine (für Deutschland) peinliche Geschichte hinter sich. Serlin bekommt nach einiger Zeit sein Eigentum zurück, verkauft es aber später : Berlin befindet sich im Kalten Krieg, der Luxus der 30er Jahre ist dahin. Luxus war in den 30ern ein Automobil auf alle Fälle – man hatte hier stets einen Chauffeur, weshalb die Garage sogar Toiletten für das Personal und Auto-Waschplätze mit warmem Wasser hatten. Auch sind die Ein- und Ausfahrt-Rampen reichlich bemessen, denn so ein Mercedes SSK war ja reichliche 5 m lang. Darüber haben sich nicht nur die Taxifirmen später gefreut, sondern auch Andere : Die Kant-Garagen waren desöfteren „Location“ für Krimis, selbst die Stasi und die RAF war hier mal Mieter !!

Bevor der nächste Investor dank seiner guten Beziehungen eine Abriss-Genehmigung bekommt, möchte ich hiermit zur Rettung dieses Industrie-Denkmals aufrufen. Und wer darüber grübelt, welche neue Funktion denkbar wäre, muss einfach mal Revue passieren lassen, was man in letzter Zeit aus Pumpwerken, Gasometern und Zechentürmen so alles gemacht hat. Hätte man sich früher auch nicht träumen lassen.

Anbei einige Fotos, in der hoffentlich die Einmaligkeit dieses Hauses rüberkommt, jetzt suche ich nur noch einen Mäzen mit ca. 10 Mio. Euro, um mein Konzept umzusetzen (verrat´ich aber nicht !). Vielleicht habt ihr ja auch ´ne interessante Idee, bin auf Zuschriften gespannt per Kommentar oder direkt (wolfkamp[at]inberlin[punkt]de, eckige Klammern ersetzen)

About Wolfkamp

Uralter Urberliner. Taxifahrer, Eisenbieger, Schneeschipper, Student, Wagenwäscher, Bananenverkäufer, Bauleiter, Ausbilder, Dozent, Hilfsarbeiter, Operator, Systemanalytiker, Autor, Stadtführer, Senior-Experte, Berliner Schnauze, usw. usw. Hab´ich was vergessen ?

Check Also

Verliebtes Pärchen - Oberbaumbrücke

Dating / Partnerbörsen in Berlin

Ist es in der Großstadt schwieriger, den richtigen Partner zu finden? Verglichen mit anderen deutschen …

5 comments

  1. Hallo Wolfkamp,

    die Kant-Garage war 1930 die sechste Hochgarage, die in Berlin gebaut wurde (das fängt 1907 an und endet eben mit dem Kant-Garagen-Palast) und die vorletzte, die im Deutschen Reich fertiggestellt wurde. Sie war dementsprechend nicht das erste und ist heute auch nicht das letzte Beispiel dieser Bauaufgabe in Deutschland. Die Geschichte der Grossgaragen beginnt sogar bereits 1899.

    Die Familie Zweigenthal war zu diesem Zeitpunkt auch schon sehr lange zum Katholizismus konvertiert und bei Serlin ist bis heute ungeklärt welcher Religionsgemeinschaft er angehörte. Für die im Geiste armen Nationalsozialisten spielte das aber keine Rolle, die waren ja lediglich daran interessiert ohne Arbeit zu Eigentum zu kommen (das was damals geltendes „Recht“ war, erfüllt heute natürlich den Tatbestand Raub-Mord).

    Aber grämen Sie sich nicht, das ist der allerneuste Stand der Forschung, das kann man bisher nirgendwo nachlesen.

    Schöner blog. Tolle Fotos. Und auch ein sehr persönlicher und interessanter Textbeitrag. Es freut mich, dass Ihnen die Kant-Garage (trotz der Verwahrlosung) so gut gefällt.

    Mit freundlichen Grüßen

    rene hartmann

  2. Guten Abend, Herr Hartmann, hallo rene,
    danke für die Korrekturen, ich habe denn auch immer das Wörtchen „angeblich“ eingesetzt.
    Aber zur Rettung dieses Baus hat sich bisher noch Keiner bei mir gemeldet, obwohl es (genau !) heute ein Forum darüber gegeben haben soll. Leider konnte ich da nicht hin, außerdem ist mein Vorschlag auch zu revolutionär als dass ich ihm eine Chance einräume. Mal sehen, was die Herren Denkmalpfleger eruiert haben.
    Näheres über Andreas Barz vom Studentendorf Berlin.
    Schön , dass mein Beitrag auch noch nach 2 Monaten gelesen und geschätzt wird, das macht Mut.
    Also : Weitersagen !

    Der Wolfkamp

  3. Spontan würde ich sagen das eignet sich prima um ein paar nette Lofts daraus zu machen.

  4. Bitte abreißen, möglichst schnell! Ich bin geschichtsinteressierter Architekturliebhaber, aber trotz Denkmalstatus sehe ich hier beim besten Willen nichts mehr, was erhaltenswert wäre. Das Gebäude ist -wie auch auf den Fotos erkennbar- heruntergekommen und verwahrlost. Außerdem von der Straßenseite sehr unansehnlich. Erhaltung kann man hier mit Geldverschwendung gleichsetzen. Bitte endlich Platz schaffen für neuen Wohnraum! Die Hängepartie um die Bebauung auch der angrenzenden Grundstücke muss endlich ein Ende haben.

    • Lieber Ansgar,
      klaro, dass ist Deine Meinung und die muss ich respektieren. Aber wenn Du Dich vom äußerlichen Eindruck lenken lässt empfehle ich, doch mal einen Gang durchs Innere zu machen. Das ist mit viel Überlegungen gestaltet – und die Fassade würde man ja wohl wieder hinbekommen.
      Die zwei getrennten Rampen durch alle Geschosse würde ich zu einer Geschichts-Geisterbahn mit erlebbaren (holografischen ?) Stationen durch 2000 jahre Deutsche Geschichte machen. Sowas hat noch Keiner !
      Und das Thema „Denkmalsschutz“ wäre mal was für einen eigenen Blog, demnächst wird ja wohl auch der Klingenbeil´sche Sozialpalast geschützt ………….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*