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ITB Berlin – Ein Hoch auf Mexiko in Berlin – Arriba !

Eine Pressekonferenz am gestrigen Dienstag, um 10 Uhr morgens mit 500 Journalisten, sollte die Leckerbissen der diesjährigen ITB anpreisen. Das diesjährige Partnerland ist Mexiko. Die Stadt Berlin selbst schaut dabei gut aus. Auch ohne Flughafen. Die zuletzt von der Agentur Visit Berlin veröffentlichten Besucherdaten können sich sehen lassen. Jetzt ist es offiziell: „Mit rund 27 Millionen Übernachtungen und mehr als 11 Millionen Gästen im Jahr 2013 hält das Rekordhoch der Destination Berlin weiterhin an. Damit positioniert sich Berlin neben London und Paris unter den Top Drei der gefragtesten Reiseziele Europas…“. Diese Daten gab ebenso der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bei seiner – wie oft – inhaltsleeren Rede im Raumschiff, alias ICC und wie Messe-Berlin-Chef Christian Göke sichtlich bewegt, ankündigte „… zum letzten Mal in dem der für lange Zeit als größtes Kongresszentrum in Europa gegolten hat.“

ITB Berlin 2014 Eröffnungs-Pressekonferenz Dr. Christian Göke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin
ITB Berlin 2014
Eröffnungs-Pressekonferenz
Dr. Christian Göke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin

Feierliche Eröffnung im ICC

Mit einer Verspätung von 15 Minuten war soweit, die feierliche Eröffnung mit Präsenz hochrangiger Vertreter von internationalen Tourismusorganisationen, zum Beispiel Dr. Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft e.V.

Bei dieser Ausgabe, anstatt Bundeskanzlerin Angela Merkel, war der  Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel, der Vertreter der Bundesregierung bei der Eröffnungsfeier. Der Sozialdemokrat steht momentan unter keinem guten Licht in der Öffentlichkeit. In der Affäre Edathy, habe er zu schnell an seine Parteifreunde Steinmeier und Oppermann wichtige Informationen weitergegeben. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer nennt das „Geschwätzigkeit“ und trägt nicht gerade zu einem guten Koalitionsklima bei.

Nun aber wurde Gabriel vom Messechef persönlich auf die Bühne gebeten, mit den einleitenden Worten: „Auf Ihrer Homepage unter dem Stichwort Hobbies steht Reisen…“ und somit war die Wahl auf Gabriel – wenigstens rhetorisch, gerechtfertigt. Auf der Bühne bestätigt Gabriel seine Liebe für Reisen und rollt eine politisch-korrekte gleichwohl zu lange Rede aus. Gabriel unterrichtet das Publikum: Man lernt andere Kulturen kennen, andere Menschen, man regeneriert von der anstrengenden Arbeit, so der ehemalige Lehrer weiter. Dann aber die Überleitung zur Rhetorik des Profipolitikers: „Die Löhne müssen gerecht sein, dass man davon leben kann“ . Vermutlich deshalb kommt der flächendeckende Mindestlohn erst in ein paar Jahren. Um ein politisches Zeichen zu setzen, wie wichtig der Tourismussektor für die Wirtschaft ist, versprach der Minister, blickend auf Messechef Göke, jedes Jahr zur feierlichen Eröffnung zu kommen. Gut zu wissen, dass bei den nächsten feierlichen Eröffnungen, ich was zu lesen mitbringen soll. Sowohl bei Sigmar Gabriel und insbesondere bei Klaus Wowereit ist der Applaus bei der Ankündigung ihrer Namen extrem dünn ausgefallen ist – quasi nicht wahrnehmbar, sodass ein Fremdschämen aufkommen musste. Der hauchdünne Applaus kam vermutlich von ausländischen Gästen, die dem zur Zeit turbulenten deutschen politischen Alltag buchstäblich fern sind. „In Berlin leben 180 Nationalitäten friedlich miteinander“, stolzierte der Bürgermeister. Vom Flughafendesaster kein Wort, kein Witz, eben kein Thema mehr – dafür aber lobende Worte für den wirtschaftlichen Aufschwung von Mexiko. Als Belohnung wurden Wowereit und auch Gabriel persönlich von der mexikanischen Tourismusministerin Claudia Ruíz Massieu Salinas eingeladen, im Jahr 2014 Mexiko zu besuchen. Das kann heiter werden!

Partnerland Mexiko

Schon in den Vorjahren hat sich das Land im Mittelamerika seinen Ehrgeiz nicht hinterm Berg gehalten und sich ganz imposant mit einem großzügigen und bunten Pavillon vorgestellt.

ITB Berlin 2014
Eröffnungs-Pressekonferenz
Claudia Ruíz Massieu Salinas, Secretaria de Turismo Mexico

Der sowohl bei der Pressekonferenz am Dienstag morgen als auch der anlässlich der feierlichen Eröffnung gezeigten Film, zeigen ein Mexiko, was mir völlig fremd ist. Lauter weiße, gutbetuchte Touristen besuchen Mexiko, legen sich an einsamen Stränden, sind unter sich und alles ist wie im Paradies. Mexiko Stadt wird entfremdet, Wolkenkratzer werden abgebildet mit einer urbanen Ästhetik das durchaus von New York oder Chicago hätte sein können: Keine Spur von Lärm, Stau und überhaupt nur dekonstruierte Bilder kommen zum Vorschein, hinter einem sehr störenden graphischen Rahmen. Die in diesen Filmen porträtierten Menschen sprechen alle fließend Englisch mit einem starken amerikanischen Akzent und wiederholen bis zur Erschöpfung: „Ich kann nicht aufhören an diesen Ort (X) zu denken. Ich muss dahin!“. Als wäre dies nicht genug, wurde jeden Spot (von unterschiedlichen Regionen) mit dem Slogan: „Live it to believe it!“ untermauert.

Das Kulinarische

Wenn es ums mexikanisches Essen geht, denkt man an Leckerlies wie Tortillas, Paella, Nachos, Enchiladas, größtenteils an Finger Food. Was am Abend im ICC angeboten wurde waren „SeaSalads“ mit Krabben, Brotpudding, lose Tortillas, Kartoffelsalat und als Nachtisch Milchreis und Schokoladenkuchen mit Himbeeren als Dekoration samt Schokoladensauce, platziert in einer kleinen Schüssel nebenan. Zur späten Stunde wurde von einem jungen Kellner Tequila überreicht. Ein Gast, durchaus Mexiko erprobt, beschwerte sich über die Qualität des hochprozentigen Getränks und fragte dem Kellner, ob dies die „Sierra“ aus dem Discounter Lidl wäre. Der junge Mann wusste daraus keine Antwort. Noch später ging der selbe Gast zum Tresen und holte „richtige Tequila“, wie sich nach dem Genuss aus eigenen Angaben feststellen ließ. Das war auch schon alles in Sache „Mexikanische Stimmung“. Keine Live-Band, keine brauchbare Musik zum Tanzen. Lediglich gab es auf der Leinwand immer die selben Bilder, die mit Mexiko rein gar nichts zu tun haben und die uns alle am Tisch irritierte, und das ist noch sehr hanseatisch untertrieben ausgedrückt. Bei diesen Promobildern fehlt eklatant, die kulturelle Vielfalt der unterschiedlichen Völkerstämme.

Zu hoffen ist, das im Pavillon des lateinamerikanischen Landes nun doch mehr kulturelle Authentizität zu erfahren ist. Wir folgen dem Slogan „Live it to believe it!“ und werden Euch darüber berichten, ob wo Mexiko steht, auch Mexiko drin ist. Mit dem anfänglichen Arriba auf Mexiko muss noch ein wenig gewartet werden.

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