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Buchbesprechung: Berlin um 1950 – Fotografien von Ernst Hahn

Ob Einheimische oder Touristen, viele fragen sich, warum sieht Berlin so aus, wie es aussieht. Straßen mit einem großen Mix von Alt- und Neubauten. Insbesondere die Mitte Berlins hat sich über die Jahrzehnte stark verändert. Wie sahen die Berliner Straßen und Plätze aber damals aus? Wobei der Begriff „damals“ auch wieder relativ ist, jedoch wird meistens die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg betrachtet. Diese menschliche Tragödie hat starke Spuren bei den Menschen und in den Städten von Europa hinterlassen. Ein Zentrum der Zerstörung davon war Berlin.

Berlin um 1950 - Fotografien von Ernst Hahn
Berlin um 1950 – Fotografien von Ernst Hahn

1950 ein junger Deutscher, geboren in Potsdam-Babelsberg, war zu Besuch in Berlin. Die Jahre zuvor war er in der Schweiz, wo ihm bei der tückischen Krankheit: Tuberkulose geholfen wurde, anschließend studierte er Fotografie. Sein Name war Ernst Hahn. Auf seinen Streifzügen nahm er die damalige Realität auf. Eine Realität die für alle Beteiligten schwer zu greifen war, auch fünf Jahre nach dem Krieg. Die Aufräumarbeiten waren noch lange nicht zu Ende, die Innenstadt hat viele Lücken bekommen. Aber es gab schon Hoffnungsschimmer, gerade im Westen der Stadt, gab es Neubauten und Geschäfte wurden wieder eröffnet. Gleichzeitig war schon ein Gegensatz zwischen den Systemen der Siegermächte zu spüren, Amerikaner auf der Westseite und die Russen auf der Ostseite. Politische Losungen waren überall anzutreffen, sogar das Brandenburger Tor musste dafür herhalten.

Die Bilder hinterlassen teilweise ein zwiespältigen Eindruck im Hinblick auf das Wahrgenommene durch die Augen des Betrachters. Es ist schwer zu begreifen, was damals passiert ist und in welch einer trostlosen Umgebung die Menschen leben mussten. Bewundernswert ist daher der Mut der damaligen Bevölkerung, sich damit zu arrangieren wenn auch in Form der Verdrängung. Ein Lachen ist auf den Bildern kaum auszumachen, wenn überhaupt zu sehen bei einigen Kinderbildern, für die manche Trümmerflächen Abenteuerspielplätze waren. Ernst Hahn fotografiert bekannte Orte und Plätze wie die Friedrichstraße, Unter den Linden, Potsdamer Platz oder der abgeholzte Tiergarten. Aber auch beschädigte Gebäude wie das Wertheim-Kaufhaus am Leipziger Platz oder das Stadtschloss in Mitte werden auch Mittelpunkt seiner Aufnahmen. Der eigentliche Schwerpunkt sind jedoch die Menschen, die mehr oder weniger mit der Umgebung agieren, entweder pragmatisch vor Trümmerlandschaften oder am Kurfürstendamm in langsamer Anbahnung an lang vergessenen Luxus wie Modeläden, Kinos oder Cafe´s.

In den einzelnen Kapiteln wird der Betrachter mit Einleitungen von Hermann Ebling begleitet, dies findet in einem sachlichen und unaufgeregten Ton statt. Das allgemeine Vorwort zum Buch kommt von Fr. Annemarie Jaeggi. Zu empfehlen ist das Buch für alle Berlin Interessierten und Leser welche auf eine, wenn auch nicht einfach zu verstehende, Zeitreise gehen möchten. Erhältlich in jedem guten Buchhandel oder direkt beim Verlag edition Friedenauer Brücke.

  • Titel: Berlin um 1950 – Fotografien von Ernst Hahn, 216 Seiten
  • erschienen im Verlag: edition Friedenauer Brücke; Auflage: 1. (22. Februar 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3981124293 bzw. 3981124294 (10stellig)

 

About waldnase

Komme aus der Provinz und seit 1999 Berliner! Mich interessiert hauptsächlich Geschichtliches und Kreatives aus der spannendsten Metropole Deutschlands.

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