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Das Wassermusik Festival geht in die Endrunde

Dieses Wochenende verspricht schwungvolle Stunden auf der Terrasse des Hauses der Kulturen der Welt samt atemberaubendem Blick auf die Spree .  Die Vorband – jawohl um 19 Uhr pünktlich beginnend – ist das chilenische Multitalent Ramiroquijano. Im Gepäck hat er sein bereits drittes Album „Der junge Mann und das Meer“. Hauptact ist die peruanische Band Cumbia All Stars, erstmalig auf Tour im alten Europa. Der Rhythmus Cumbia wurde ursprünglich von den Sklaven nach Kolumbien gebracht und vermischte sich im Laufe der Zeit mit indianischen und sehr melancholischen spanischen Elementen. Er ist in vielen Ländern Lateinamerikas – auch wenn mit leichten stillistischen Färbungen – kulturell fest verankert und erlebt dort seit Anfang der neuziger Jahre ein Revival.

Die Show dieser grossen Cumbia-Formation ist viel mehr als die Führung  einer „…delirierende E-Gitarren und eines schleppende Grooves…“, wie das Programmheft  konstatiert. Wie so oft ist wohl das gemeinsame Musizieren lateinamerikanischer Musiker eine Extra-Showeinlage in Form eines feierns und sich feiern lassen. Die ins Unermessliche getätigen Wiederholungen der Textrefrains gehören zum Ritual nun mal dazu. Hier ein Video der Band als kleiner Vorgeschmack auf das, was euch erwartet.

Cumbia All Stars
Cumbia All Stars, copyright Guillermo Vilcherrez

Das Fazit der diesjährigen Ausgabe kann sich hören und sehen lassen: Eine Big Band aus Japan, eine kambodschianische Sängerin begleitet von Musikern aus Los Angeles, die peruanische Band Nova Lima. Meine Favoriten sind die Mexikaner: Zum einen Sängerin  Julieta Venegas, die gleich am ersten Abend auftrat, der in die Geschichte des noch jungen Festivals eingehen wird. Ein Donnerstag Abend als würde es kein morgen geben. Alle Spanischsprechenden und Liebhaber lateinamerikanischer Kulturen oder die wahrlichen Weltmusikfans fanden sich zusammen vor der Bühne wieder: Diejenigen, die mit der Absicht gekommen waren, ihre in der Volkshochschule akquirierten Salsakenntnisse endlich der Welt präsentieren zu können, diejenigen, die Mexiko als Erinnerung an eine große Liebe ansahen, die, die sich ohne Vorkenntnisse der musikalischen Arbeit der Sängerin einfach überraschen lassen wollten und nicht zuletzt die, die brennend neugierig waren, die talentierte Sängerin endlich live zu erleben. Ihr Schlagzeuger mit der unvergesslichen BlackPower-Mähne in einer optimierten Variante von James Brown, war – neben dem musikalischen und körperlichen Einsatz am Drummset – ein vergnüglicher Augenschmaus.

Aber auch die Band Troker, die die Terrasse regelrecht rockte mit stilistischen Mischungen von Rockabilly, Skat und nicht zuletzt die langen Saxophon- und Trompeten- Soli und die Gruppendynamik in bester Frank Zappa-Manier: Auf den ersten Blick chaotisch, beim zweiten stellt man eine Virtuosität dank preussischer Disziplin fest. Im übrigen der Bandleader, genannt “El Tiburón” Santillanes  überraschte auch mit geradezu akzenfreien Deutsch: „Wir sind Troker, aus Mexiko“, sagte er selbstbewußt oder „Wir freuen uns, in Berlin zu sein“. Geschäftstüchtig kündigte er zum Schluß der Performance die Facebookpräsenz und die Webseite an. Der Preis der musikalischen Überraschung des diesjährigen Wassermusik Festivals geht zweifelsohne an diese wunderbaren Jungs von Guadalajara.

Das Wassermusik Festival ist bereits zu einem Localmatador im berliner Sommer avanciert. Man darf gespannt auf die programmatische Fokusierung in 2014 sein. Schließlich findet in Brasilien die Fußballweltmeisterschaft statt und die Küstenlänge samt kultureller Vielfalt in dem Land ist auch nicht knapp.

Aber noch folgen wir dem Ruf des Pazifik. Ab in das vom Architekten Hugh Stubbins gebautes Haus! Das Konzept, aus diesem Gebäude einen Ort der Begegnungen und des Dialogs aller Völker zu machen, wird in diesem Sommer in wunderbarer Weise, erneut untermauert.

 

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