Geheimnisvolles Berlin – Skurrile Geschichten, versteckte Orte und ungelöste Rätsel der Hauptstadt – Teil 2

Berlin steckt voller Geschichten, die im Schatten der großen Sehenswürdigkeiten oft übersehen werden. Zwischen Seen, Villenkolonien und alten Industriearealen finden sich Orte, die selbst langjährige Berliner überraschen. Zwei dieser geheimnisvollen Schauplätze – ein farbiges Mosaik aus Trümmern am Tegeler See und ein wandernder Löwe am Wannsee – zeigen, wie vielschichtig die Hauptstadt wirklich ist.

Mosaikbrücke Tegel
Mosaikbrücke Tegel

Der geheimnisvolle Betonbogen am Tegeler See

Am Ende der Greenwichpromenade, nahe dem Kanonenplatz, erhebt sich ein neun Meter hoher Stahlbetonbogen über den Borsigdamm. Viele Spaziergänger nehmen ihn kaum bewusst wahr – doch seine Geschichte ist außergewöhnlich.

Was macht den Bogen so besonders?

Geschaffen wurde der Schmuckbogen vom Bildhauer Gerhard Schultze-Seehof, der einzigartige Mosaike verwendete: Die farbigen Wassersport- und Fischmotive bestehen aus Trümmerschutt – Keramik- und Fliesenreste aus den zerstörten Häusern Tegels nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Darstellungen zeigen den Jahreszeitenzyklus und stehen für Sport, Freizeit und Erholung am Tegeler See.

Tegel war durch die Rüstungsproduktion der Borsigwerke stark bombardiert worden. Eine Lorenbahn brachte den Schutt ans Ufer, wo er für den Wiederaufbau genutzt wurde.

Entstehung des Borsigdamms

Die ersten Pläne stammen aus den 1920er Jahren, doch erst 1954 wurde der Damm fertiggestellt – breiter und höher als ursprünglich geplant. Der Bogen wurde Teil der neuen Ufergrünanlage und ist heute ein stilles Denkmal für Zerstörung, Wiederaufbau und künstlerische Kreativität.

So geht es zum Stahlbetonbogen

Flensburger Löwe
Flensburger Löwe

Der Flensburger Löwe am Wannsee – ein Denkmal auf Reisen

Am Westufer des Großen Wannsees steht ein bronzener Löwe, der auf den ersten Blick wie ein klassisches Villenviertel-Dekor wirkt. Doch seine Herkunft führt weit über Berlin hinaus – bis nach Dänemark.

Die bewegte Geschichte des Löwen

Der Löwe erinnert an den preußischen Sieg im Deutsch-Dänischen Krieg 1864, insbesondere an die Schlacht bei den Düppeler Schanzen.

Nach dem Krieg fiel fast das gesamte Herzogtum Schleswig an Preußen und Flensburg wurde wieder deutsch.

1867 ließ Generalfeldmarschall Friedrich Graf von Wrangel die Statue nach Berlin bringen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich der Journalist Henrik V. Ringsted für die Rückführung ein. Dwight D. Eisenhower genehmigte den Transport, und am 20. Oktober 1945 nahm König Christian X. das Denkmal in Kopenhagen in Empfang.

Warum steht am Wannsee trotzdem ein Löwe?

Die heutige Statue ist eine Kopie, die der Bankier Wilhelm Conrad 1873 anfertigen ließ.

Ursprünglich schmückte sie den Bergpark der von Conrad gegründeten „Colonie Alsen“, einem prachtvollen Villenviertel am Wannsee. 1938 wurde der Löwe an seinen heutigen Standort versetzt.

Von der einst glanzvollen Villenkolonie sind heute nur wenige Gebäude erhalten – der Löwe jedoch bewahrt ihre Erinnerung.

Warum sind diese Orte für Berliner*innen und Berlin-Besucher so spannend?

Sie zeigen unbekannte Kapitel der Stadtgeschichte, die nicht in jedem Reiseführer stehen. Sie verbinden Kunst, Kriegsgeschichte und Stadtentwicklung auf ungewöhnliche Weise. Sie eignen sich perfekt für individuelle Stadtspaziergänge abseits der bekannten Routen. Sie erzählen von Verlust, Wiederaufbau und Identität – Themen, die Berlin bis heute prägen. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

So geht es zum Flensburger Löwen

Weitere Geheimnisse sind hier zu finden / Teil 1

About KT-Berlin

Hallo! Mein Name ist Klaus und ich bin seit einigen Jahren im Ruhestand. Ich bin gern unterwegs, genieße die Natur oder erkunde auf Reisen Land und Leute. Der Schwerpunkt der Unternehmungen liegt in Berlin und Brandenburg. Ich will von Stadtspaziergängen und Radtouren durch den „Dschungel“ der Großstadt berichten und dabei Tipps geben und Hintergründe erklären. Berlin hat viele Persönlichkeiten, deren Spuren ich aufnehme, Geschichten die erzählt werden müssen und unzählige Ansichten, die es lohnt im Bild festzuhalten.

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