Mawil Werkschau: von Super Lumpi bis Lucky Luke

In der Comicszene ist der Berliner Mawil längst eine feste Größe. Seine Figur Supa-Hasi ist Kult, er setzte Lucky Luke aufs Fahrrad und gewann mehrere Preise. Seinem 30-jährigen Schaffen widmet die Galerie Neurotitan jetzt eine Werkschau.

Direkt zwischen den schicken Hackeschen Höfen und den pompösen Rosenhöfen, behauptet sich mit Haus Schwarzenberg die letzte alternative Oase in Mitte. Zwischen den Gemäuern mit bröckelndem Putz flattern bunte Wimpelketten und Besucher schießen Selfies vor Wandmalereien in leuchtenden Farben. Geradeaus geht es durch ein mit Stickern zugekleistertes Treppenhaus zum Buchshop und zur Galerie Neurotitan – eine Plattform vor allem für Kunst- und Kulturschaffende jenseits des kommerziellen Mainstreams. 

Die Werkschau – lässig und authentisch

Der Ausstellungsraum hat wenig von dem, was man sich wohl gemeinhin unter einer Galerie vorstellt und das ist auch gut so. Der leicht heruntergekommene Charme mit den Farbspritzern am Boden passt perfekt zur Aufmachung der Werkschau Mawils: Aus Klebeband entstand ein rosa Zeitstrahl, viele der alten Originale wurden schlicht mit Tesa an die Wand geklebt oder direkt rangehämmert. Wie das von Mawil entworfene Plattencover der Berliner Ska-Band „The Special Guests” zum Beispiel. Und für eine Peepshow braucht es tatsächlich nicht mehr als ein kleines Loch in einem Karton.

Mawil Werkschau Berlin
Peepshow im Karton

In einem Interview bei radioeins gesteht der Comiczeichner, der eigentlich Markus Witzel heißt, dass er gerade noch so vor der Eröffnung fertig wurde. Vor Ort kann ich mir das gut vorstellen und er ist mir direkt sehr sympathisch. Da nimmt sich jemand offensichtlich selbst nicht so furchtbar wichtig. Und wenn der Zeitstrahl nicht mehr gerade hinpasst, dann macht er eben einen Knick.

Mawil Werkschau Berlin
Mawil – Zeitstrahl mit Knick

Super Lumpi, Kinderland und Power-Prinzessinnen-Patrouille

Mawil fing schon als Schüler an zu zeichnen und verteilte seine selbst kopierten Heftchen an Freunde und Verwandte. Ab 1996 entstand dann mit dem Jugendlichen „Super Lumpi” eine erste autobiografisch inspirierte Figur. Aus seinem Leben gegriffen sind aber auch Comics wie „Die Band” oder „Wir können ja Freunde bleiben”. Im Graphic Novel „Kinderland” von 2013 erzählt er von seiner Kindheit in Ost-Berlin kurz vor der Wende – das Buch wurde nicht nur international ein Erfolg, es brachte ihm auch den Max-und-Moritz-Preis ein.

Mawil Werschau Berlin
Mawil Kinderland

Von 2006 bis 2019 erschien im „Tagesspiegel” seine Comic-Kolumne, einem größeren Publikum außerhalb der eingefleischten Fanszene dürfte er aber spätestens seit „Lucky Luke sattelt um” ein Begriff sein. In dem Band, den man vor Ort wie auch alle seine anderen Bücher anschauen kann, setzte Mawil den Cowboy einfach aufs Fahrrad. Der arme Jolly Jumper! In diesem Jahr hat sich der Vater von zwei kleinen Kindern übrigens auf das Kinderbuch-Genre verlegt. Die Power-Prinzessinnen-Patrouille ist natürlich alles andere als prinzessinnenlike. Und der Bauarbeiter Boris? Das könnt ihr in der Ausstellung herausfinden …

Mawil Werkschau Berlin
Lucky Luke sattelt um

Mawil Werkschau – wann und wo?

Die Mawil Werkschau findet noch bis zum 28. November in der Galerie Neurotitan in der Rosenthaler Straße 39 statt. Geöffnet ist Mo-Sa 12-18 Uhr. 

About Tina Hoffmann

Texterin, Journalistin und Bloggerin auf staycation.berlin – ich interessiere mich für Kultur, Nachhaltigkeit, DIY, Radfahren und Unternehmungen mit Kindern.

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