DFB-Pokal und Euromeisterschaft in Berlin: Sommermärchen 2.0 ?

Das Endspiel des DFB-Pokals ist gar nicht solange her. Neben der Krönung für die fast unbesiegbare Mannschaft der Leverkusener und deren Abschluss der Saison mit einem Double (Bundesliga & DFB Pokal), sah das Publikum im Olympiastadion an jenem 25.05. ein atemberaubendes und ja, angsteinflößendes Spektakel, geboten von den Fans von Kaiserslautern.

Der Underdog ließ einen gigantischen roten Teufel in den Himmel Berlins steigen, der die Gegner das Fürchten lehren sollte. Ohne jeden Zweifel waren die Kaiserlauterfans der Sieger der Herzen. Mit so viel Leidenschaft, ununterbrochenen Sprechchören boten sie reichlich Unterhaltung, was in diesem Turnier in den letzten 2 Jahren schmerzlich gefehlt hatte.

Wir erinnern uns, in den letzten zwei Jahren stand der RB Leipzig im Finale. Die Red Bulls aus Sachsen verkörpern wie keine andere Mannschaft, den Kommerz im Fußball. Gaaaanz anders die Fans von Kaiserslautern. Es war eine Finale zwischen dem Rekordmeister der Saison und dem Underdog der zweiten Liga; genau diese Konstellation macht die Einzigartigkeit dieses Turniers aus, die von der ganzen Welt bejubelt und im TV und in den Netzwerken verfolgt wird.

Um ihre Show noch elektrisierend zu machen, haben die selbstbewussten Lautern viel Pyrotechnik ins Stadion hineinschleusen können, obwohl es vom Verband strikt verboten ist. Die Eingangskontrolle hat einfach versagt. Da haben wir es wieder: Berlin prallt damit, Großevents zu veranstalten, versagt aber in der Logistik und wie hier, in der Durchführung.

Anlass für Augenzwinkern sowohl bei Fans als auch bei Journalist*innen war der Appell des Stadionsprechers, der lautete: „Bitte unterlassen Sie die Pyrotechnik. Denken Sie an die vielen Kinder mit ihren Familien im Stadion„. Nach der Feier des selbstbewussten Underdogs aus dem Süden der Republik durfte die Strafe, die vom DFB gegen den Verein verhängt wird, nicht gering ausgefallen sein aber unter dem Himmel Berlins und angesichts der unvergesslichen Feier in unterschiedlichen Nuancen für die zwei Mannschaften spielt die Höhe der Strafe noch keine Rolle.

DFB Pokalfinale 2024
DFB Pokalfinale 2024

In einem Eintrag habe ich eine akkurate Beschreibung dieses elektrisierenden Turniers gefunden:
„Der DFB-Pokal (bis 1943 Tschammer-Pokal) ist ein seit 1935 ausgetragener Fußball-Pokalwettbewerb für deutsche Vereinsmannschaften. Er wird jährlich vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) veranstaltet und ist nach der deutschen Meisterschaft der zweitwichtigste Titel im nationalen Vereinsfußball. Der Sieger des DFB-Pokals wird im K.-o.-System ermittelt.

Für die erste Hauptrunde sind jeweils 18 Vereine der Bundesliga und 2. Bundesliga qualifiziert sowie die ersten vier Mannschaften der 3. Liga zum Ende der Vorsaison. Dazu kommen 24 Mannschaften aus den unteren Ligen, in der Regel die Verbandspokalsieger. Die Paarungen werden vor jeder Runde öffentlich ausgelost. Mannschaften, die unterhalb der 2. Bundesliga spielen, erhalten für Partien gegen höherklassige Gegner Heimrecht.! (Quelle: Wikipedia)

DFB Pokalfinale 2024
DFB Pokalfinale 2024

Seit 1985 wird das Das Endspiel des DFB-Pokals im Berliner Olympiastadion ausgetragen. Das ist für Fußballverrückte, wie Weihnachten.

Eine Woche vorm Endspiel werden Journalist*inenn und Akteure beider Verein ins Berliner Rathaus eingeladen. Bei dem Termin am 13. Mai betonte die zuständige Senatorin Sprenger den Wirtschaftsfaktor für die Stadt Berlin und teilte der anwesenden Prominenz mit, Berlin bleibe weiterhin als Austragsort des Finals erhalten.

Es ist in der Tat, ein Tourismusmagnet für die Stadt am letzten Wochenende Mai. Die Auslastung der Übernachtungen kann sich sehen lassen. Um so unverständlicher die miserable Performance der Berliner S-Bahn. Ganze 30 Minuten haben die Fans am Samstag gegen 17 Uhr gebraucht, um im Schneckentempo ins Olympiastadion zu gelangen. Wer denkt, schlimmer geht nimmer bei der S-Bahn, wurde auf der Rückfahrt gegen 1 Uhr Nachts, eines besseren belehrt. Berlin kann nicht Großveranstaltungen! Gang gleich wie toll diese sind und worauf sich Berliner*innen freuen. Es geht immer schief.

DFB Pokalfinale 2024
DFB Pokalfinale 2024

Dramaturgie eines Versagens

Zunächst brauchte der schon überfüllte Zug mehr als 20 Minuten, bis er endlich losfuhr. Wer auf der Tafel nach Information gesucht hatte, tat dies vergeblich.

Während der Strecke entpuppte sich die S-Bahn als ein Zug des Grusels. Von jetzt auf sofort wurde gehalten zwischen den Stationen, bei voller Dunkelheit draußen. Die Passagiere fingen an, nervös nach einem Fenster zu suchen, um überhaupt Sauerstoff zu bekommen. Ganze 3 Male hielt der Zug zwischen dem S-Bhf Olympia Stadion Charlottenburg. Dort war dann aber Schluss. „Alle aussteigen!“ wurde gerufen.

Auf dem Gleis stand keine Mitarbeiter, der Information geben konnte. Anstatt dessen mehrere Bundespolizist*nnen in Gruppen. Die alten Menschen, die um diese Zeit unterwegs waren, mussten die Strapazen der Treppen auf sich nehmen, um anschließend feststellen zu müssen, dass die Züge doch von einem anderen Gleis abfahren.

Plötzlich kam doch ein Zug, der weiterfahren sollte und zwar direkt vom gegenüber liegenden Gleis. Der eine Bundespolizist, der gerade einem alten Herrn eine falsche Auskunft erteilt hatte, konnte ihn gerade noch am Rande der Treppe wieder auffangen. Bei solchem Chaos im Zusammenhang mit einem Turnier, welches sei den ’80 Jahren in Berlin stattfindet, stellt sich die Frage, wie wird es aussehen, wenn die ganze Welt bei uns zu Gast ist, ganze 4 Wochen während der Europameisterschaft.

Die Stadt Berlin ist Gastgeber bei 8 Spielen. Um die Fanzone herum hat die Stadt keine Mühe gescheut, aus dem Asphalt eine riesigen Wiese zu machen. Dazu hatte Kulturprojekte Berlin GmbH zu einer Pressekonferenz eingeladen. Allerdings unter hitziger Sonne und ohne kalte Getränke und nur bei trockenen Brezel. Das ist kein guter Still. Schließlich möchte man ja ein guter Gastgeber sein. Dazu gehört auch die Presse und die Multiplikator*innen entsprechend zu begrüßen. In Ländern wie Italien oder Brasilien wären die Multiplikator*innen wortlos wieder gegangen.

Sommermärchen 2.0?

Nach den Freundschafts- und Vorbereitungsspiel jeweils gegen die Ukraine und (das für die EM qualifiziert) Griechenland ist die Vorfreude etwas getrübt. Dabei waren alle voller Erwartung auf eine neue Auflage des Sommermärchens aus dem WM-Jahr 2006. Der Performance gegen Griechenland nach zu urteilen, ist noch viel zu reparieren in Julian Nagelsmanns Werkstatt.

Den Patzer von Manuel Neuer hat mal wieder die Debatte entfacht, ob er noch die Nummer 1 im Tor bleiben soll. Ter Stegen, der Torwart von FC Barcelona sollte Chef im Tor sein, meinen viele in den Netzwerken. Cheftrainer Nagelsmann machte klar, er lasse sich auf diese Diskussion nicht ein. Ob es technisch richtig ist, wird es sich herausstellen. Von Betriebsklima her, jetzt ein Wechsel im Tor vorzunehmen wäre nicht zielführend. Unverständlich bleibt, die Nicht-Nominierung einer der besten Verteidiger der Welt, Mats Hummels. In der Schlussphase der Champions League-Spiegel wurde er oft zum “Man Of The Match“ gekürt. Es bleibt der hartnäckige Eindruck, der Bundestrainer möchte keine starke Persönlichkeiten in der Belegschaft haben. Auch Leon Goretzka, vom FC Bayern, wird das Heimturnier im Fernsehen verfolgen müssen. Für einen Leistungssportler gibt es nicht Schlimmeres.

Sommer mit Fußball XXL

Fußballverrückte haben in diesem Sommer gut lachen. Die sonst so leidige Sommerpause der Bundesliga wird nicht schmerzen. Nach dem Ende der Bundesliga-Saison 2023/24 kam gleich am dem darauffolgenden Wochenende das DFB-Pokal-Spiel im Olympiastadion (25.03.) Die Woche drauf, dann das Champions League-Finale im Wembley-Stadion in London (01.06.), im Mutterland des Fußballs. Dann ging es gleich los mit der Nominierung der Nationalelf und mit den Freundschaftsspielen.

Ab 09. Juni wird Deutschland Gastgeber der Europameisterschaft sein. Also eine beinahe lückenlose Reihe von Top-Events im Fußball fast gänzlich ohne Pausen. Und überhaupt für Sportsfreunde geht es nach der EM weiter mit den Olympischen Spielen von Paris. Der Sommer verspricht unvergessliche sportliche Ereignisse.

Unnötig zu betonen, dass auch die 8 Spiele, die die Stadt Berlin austrägt, zu einem reibungslosen Ablauf und einem gut funktionierenden Sicherheitsapparat verpflichten. Dieser scheint gut zu funktionieren.

Ab dem 07. Juni gibt es wieder Kontrolle an den Grenzen zu Deutschland. Die Sicherheitsvorkehrungen in den Flughäfen sich erhöht worden. Auf der Seite des Bundesministerium des Inneren heißt es: „Ab heute kann die Bundespolizei die vorübergehenden Kontrollen an allen deutschen Grenzen vornehmen, die Bundesinnenministerin Nancy Faeser aufgrund der hohen Sicherheitsvorkehrungen für die Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland angeordnet hat. Diese Kontrollen erfolgen auch an den Grenzen zu Dänemark, Frankreich und den Benelux-Staaten, an denen bisher keine Grenzkontrollen stattfanden. Außerdem können Reisende aus dem Schengen-Raum auch im Flugverkehr und in Häfen kontrolliert werden. Diese Kontrollen finden lageabhängig und flexibel statt.“ (Link)

Fußball X Politik

Was wird nun aus der „One Love“-Binde?
Um diese Frage substanziiert zu erörtern, lohnt ein Rückblick auf die WM im diktatorischen Staat Katar. Damals gab es tagelange Diskussionen, wie die Nationalelf ihren Protest gegenüber dem Schurkenstaat zum Ausdruck bringen sollte. Nach dem Drängen von einigen Spielern, darunter der sehr politisch bewusste Leon Goretzka, präsentierte sich die Mannschaft beim ersten Gruppenfoto mit der Hand vor dem Mund, als Zeichen von mangelnder Freiheit. Wie wir wissen, war die Performance der damals von Joachim Löw trainierten Mannschaft, alles andere als zufriedenstellend. Damals schied die Nationalelf im Spiel gegen Costa Rica aus.

Die internationale Presse sprach damals von einem „Albtraumabend“. Nach dem Ausscheiden kam neben taktischen Erörterungen auch die Debatte über politische Statements im Fußball mit voller Wucht zurück.

In einem Kommentarartikel im März 2023 auf Focus Online, schrieb der Journalist Ulrich Reitz darüber, dass endlich der seit Januar 2023 amtierende Manager der Nationalelf, Rudi Völler, die „One Love“-Binde beerdigt hätte, und fügte noch hinzu, der Menschenverstand habe gesiegt.

Um so verwunderlicher die neulich getätigten die Aussage von Innenministerin Nancy Faeser (SPD), als es in einem Talkshow über die Sicherheitsmaßnahmen während der EM ging: „Ich werde wieder meine Binde tragen!“. Das widersprüchliche Erscheinungsbild der Hauptakteure des Turniers lässt die Vermutung aufkommen, dass es keine konkreten Absprachen zwischen der Ministerin und dem Verband gegeben hatte. Auch der DFB-Präsident, Bernd Neundorf, dürfte über die Aussage der Ministerin nicht erfreut sein.

Auf der Bundespressekonferenz fragte ich den Pressesprecher der Ministerin, Herrn Kall, wie es zu diesem widersprüchlichen Erscheinungsbild zwischen so wichtigen Akteuren kommt. Er behauptete, von der Äußerung nichts gewusst zu haben und legte sinngemäß dar, dass Deutschland eine ganz andere Nummer wäre als Katars; sicherte aber zu, zu recherchieren und ggf. sich dazu zu äußern.

Mit oder ohne One-Love-Binde, der Sommer wird die Kulisse für ein Fußballfest in ganz Deutschland. Möge in Zeiten von Krieg und Zerstörung, der Fußball seinen gesellschaftliche Relevanz für ein gemeinsames, so sicher wie ausgelassenes Fest mit verschiedener Kulturen sein, die zu Gast hierzulande sein werden, bei Freunden. Und weil wir wissen, dass der Fußballgott launisch wie unvorhersehbar ist, wird es vielleicht doch noch ein Sommermärchen. Auch für die Nummer 8 vom gerade frischgekürten Champions League-Sieger Real Madrid, Toni Kross, wird dieses Turnier das letzte einer überragenden Karriere werden.

Wetten, dass die Gegenmannschaften ihr Hab & Gut dafür opfern würden, wenn Toni Kroos strikt verbieten werden würde, die Standsituation aus der Ecke mit mathematischer Genauigkeit auszuführen? Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Gegenmannschaften diese Situationen auf großen Leinwand durchspielen, wie damals 2006 Jens Lehmann. Als es zum Elfmeter gegen Argentinien kam, bekam er vom Torwarttrainer einen Zettel. Dort stand vermutlich die Charakteristika der jeweiligen Spieler beim Elfmeterschießen.

About Fatima Lacerda

Kultur, Fußball, Musik sind meine Leidenschaften. Reiseberichte sind ein Genuss!

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