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Sechs Winterspaziergänge in Berlin: Ruhe auf verschneiten Friedhöfen

Verschneite Wiesen, Felder und Wälder, davon können Stadtmenschen in Berlin nur träumen. Wenn hier Schnee fällt, wird dieser in den Straßen bald geräumt und die Gehwege werden gestreut. Alles Weiß ist schnell grau und matschig. Die wenigen innerstädtischen Rodelhänge sind schnell scharenweise von Schlittenfahrern bevölkert. Wer im Winter in Berlin unberührten Schnee und Ruhe sucht, findet beides auf den städtischen Friedhöfen.

Friedhof Georgen-Parochial in Berlin Prenzlauer Berg (Foto: (c) Christian Soult + Mymoria)
Friedhof Georgen-Parochial in Berlin Prenzlauer Berg (Foto: (c) Christian Soult + Mymoria)

Nur die wichtigsten Wege werden hier geräumt. Ansonsten liegt eine große Schneedecke über den Freiflächen und Gräbern. Hier kann auch der Großstädter durch knirschenden Schnee stapfen und die Stille genießen. Da die Grabpflege im Winter ruht, kommen weniger Besucher auf die Friedhöfe. Die Gräber sind mit Tannengrün abgedeckt und müssen erst im Frühjahr wieder gepflegt werden.

Berlin hat 224 Friedhöfe, wovon vier gar nicht in Berlin, sondern in Brandenburg liegen. Allerdings sind nur 182 Berliner Friedhöfe geöffnet. Mymoria, das erste Digitale Bestattungshaus, hat die schönsten Friedhöfe in Berlin zusammengestellt, auf denen sich Winterspaziergänge besonders lohnen:

Friedhof Georgen-Parochial I (Prenzlauer Berg)
Geeignet für: Die kurze Erholung in der Mittagspause

Direkt an der stark befahrenen Greifswalder Straße liegt diese Ruheoase mitten im Prenzlauer Berg. Die Mauern und die großen alten Bäume verschlucken fast alle Geräusche der Stadt. Angelegt wurde der Friedhof vor über 200 Jahren auf einem ehemaligen Weinberg. Viele historische Grabstätten, Wandgräber und Mausoleen zeugen von vergangenen Zeiten. Eine ganz besondere Atmosphäre bietet der ungenutzte verwilderte Teil in Richtung Heinrich-Roller-Straße. Überwucherte Gräber und schiefe Grabsteine strahlen unter Schnee noch mehr Ruhe und Frieden aus.

Greifswalder Straße 229–234
10405 Berlin (Pankow) Prenzlauer Berg
Tram M4 bis Am Friedrichshain
Im Winter täglich geöffnet von 8.00 bis 17.00 Uhr

Friedhöfe an der Bergmannstraße (Kreuzberg)
Geeignet für: Eine längere Entspannung nach dem Wochenendeinkauf oder den Sonntagsspaziergang vor dem Kaffee mit Kuchen im Bergmannkiez

Gleich vier Friedhöfe nebeneinander säumen die eine Hälfte der Kreuzberger Bergmannstraße. Viele Berliner kennen nur den lauten Teil dieser Straße mit ihren vielen Geschäften, Cafés und Restaurants. Es lohnt sich, an der Marheineke Markthalle vorbei zu gehen. Schon nach wenigen Metern beginnt das große Friedhofsgelände, das sich bis hin zum Südstern erstreckt. Die Größe und die Übergänge zwischen den Friedhöfen sind ideal für alle die etwas länger durch den Schnee stapfen möchten. Viele historische Erbgrabstätten, imposante Mausoleen und Flächen, auf denen nur noch wenige Bestattungen stattfinden bringen wirken wie verschlafen unter dem Weiß. Wer nach dem Winterspaziergang auch seinen Kaffee in Ruhe genießen möchte, findet in einer ehemaligen Leichenhalle auf dem Gelände das Café Strauss.

Bergmannstraße ab Nr. 39
10961 Berlin (Friedrichshain-Kreuzberg) Kreuzberg
U7 bis Gneisenaustraße oder Südstern
Im Winter täglich geöffnet von 8.00 bis 17.00 Uhr

Waldfriedhof Zehlendorf (Steglitz-Zehlendorf)
Geignet für: Urbane Waldliebhaber, die eine größere Promidichte als in Mitte nicht abschreckt

Das fast 4000 Quadratmeter große Gelände hat seinen Namen zu Recht. Der Friedhof wurde in einem Kiefernwald mit Berücksichtigung der gegebenen Landschaft und Vegetation angelegt. Grabflächen und Wald verschmelzen förmlich miteinander, gerade im Winter eine beeindruckende Landschaft. Lange Spaziergänge durch knirschenden Schnee werden immer wieder durch bekannte Namen auf den Grabsteinen unterbrochen. Der Waldfriedhof Zehlendorf wird auch als Promi-Friedhof bezeichnet, weil hier viele bekannte Berliner Persönlichkeiten begraben sind und zum Teil Ehrengräber der Stadt haben. Darunter befinden sich zum Beispiel Hildegard Knef, Willy Brandt, Ernst Reuter und Günter Pfitzmann.

Potsdamer Chaussee 75
14129 Berlin
und
Wasgensteig 30
14129 Berlin
Geöffnet ab 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit

Südwestkirchhof Stahnsdorf (Stahnsdorf, Potsdam-Mittelmark, Brandenburg)
Geeignet für: Den Tagesausflug an den Rand von Berlin, mit Thermoskanne und geschmierten Broten im Gepäck

Etwas außerhalb von Berlin liegt der Friedhof, der eher an einen Park erinnert. Zwischen den Gräbern ist viel Platz. Im Winter bieten die großen Flächen viel Platz für den fallenden Schnee. Den Augen der Großstädter bietet sich eine herrliche weiße Weite. Auch hier kann man auf manch abgelegenem Grabstein den Namen eines Prominenten finden. Im Jahr 2016 wurde hier zum Beispiel der Schauspieler Manfred Krug unter einem Baum bestattet.

Bahnhofstraße 2, 14532 Stahnsdorf
Bus-Haltestelle Stahnsdorf Bahnhofsstraße (Tarifbereich Berlin C und Potsdam C)
Im Winter täglich geöffnet von 8.00 bis 17.00 Uhr

Alter St.-Matthäus-Kirchhof (Schöneberg)
Geeignet für: Eine Pause nach dem Samstagseinkauf auf dem türkischen Markt nebenan und alle, denen der nahe gelegene Park am Gleisdreieck zu voll ist

Hinter einem imposanten Tor versteckt sich quasi dieses Kleinod der Ruhe unweit der lauten Yorckstraße zwischen zwei S-Bahn-Strecken. Eingerahmt wird der historische Friedhof von der Monumentenstraße und der Großgörschenstraße. Bekannt ist dieser Teil Schönebergs auch unter dem Namen Rote Insel. Durch seine Hanglage bietet der Friedhof Spaziergängern für Berlin ungewöhnliche Perspektiven. Märchenhaft wirkt der Ort nicht nur durch die vielen alten Bäume, hier liegt auch das Ehrengrab der Brüder Grimm. Und auch der moderne Geschichtenerzähler Rio Reiser hat hier seine Ruhestätte. Für Wärme und Stärkung nach einem Winterspaziergang sorgt das Café Finovo im ehemaligen Verwalterhaus direkt am Eingang.

Großgörschenstraße 12-14
10829 Berlin
Im Februar täglich geöffnet von 8.00 bis 17.00 Uhr

Friedhof Sophien II (Mitte)
Geeignet für: Gestresste Gründer und Mitarbeiter von Start-ups, die zwischen dem Meeting und dem nächsten Call ihren Großraumbüros entfliehen wollen

Mitten in Mitte wird dieser Friedhof von der Bergstraße, der Ackerstraße, der Bernauer Straße und der Invalidenstraße umringt. Trotzdem findet man viel Ruhe auf dem Areal. Alte große Bäume säumen die winterliche Allee des Hauptwegs und bedecken den ganzen Friedhof. Zwischendrin stehen monumentale Mausoleen mit massiven Säulen und hohen Engelsstatuen.
Der abgeräumte Teil des Friedhofs befand sich zu Zeiten der DDR auf dem Mauerstreifen und ist heute Bestandteil der Gedenkstätte Berliner Mauer.

Bergstraße 29
10115 Berlin
Im Februar täglich geöffnet von 8.00 bis 17.00 Uhr

 

Über Mymoria
Mymoria bietet Hinterbliebenen unter www.mymoria.de erstmals die Möglichkeit, online eine vollumfängliche Bestattung zu beauftragen, und das bei voller Kostentransparenz. In gewohnter Umgebung und im geschützten Raum können sie sich intuitiv alle für die gewünschte Bestattung benötigten Dienstleistungen und Produkte zusammenstellen. Damit möchte Mymoria die Bestattungsindustrie digitalisieren. Das Unternehmen wurde 2015 in Berlin gegründet. Mit den drei Gründern Björn Krämer, Peter Kautz und Heiko Reintsch besteht das Team aktuell aus rund 15 Mitarbeitern – Tendenz steigend.

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One comment

  1. Hallo,
    schöner Artikel über das idyllische Berlin, das man ja kaum mehr kennt. Wenn ich an Berlin denke, dann fallen mir sofort überfüllte Straßen und Gewusel ein. Die Bilder sind wirklich schön und es ist toll, dass es noch solche ruhigen Plätze in Berlin gibt.

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