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Berlin: Mieten steigen rasant

Lange Zeit galt Berlin als Stadt mit günstigen Mieten. Es bereitete keine großen Probleme, eine bezahlbare Wohnung in der bevorzugten Gegend zu ergattern. Diese Zeiten sind vorbei. Die Mietpreise in der Hauptstadt haben in den letzten Jahren ungeahnte Dimensionen angenommen – insbesondere in den heiß begehrten Innenstadtbezirken.

Monatlich etwa ein Fünftel des Einkommens für die Miete auszugeben ist für Großstadtbewohner an sich nichts Besonderes. In Berlin konnte man jedoch lange deutlich billiger wohnen. Besonders in den 90er-Jahren war es noch möglich, erfreuliche Schnäppchen zu machen. Aus diesem Grund zog es auch viele Auswärtige in die Großstadt. Die Berliner zogen sowieso eifrig und gerne um, sofern sich ihre Lebensumstände änderten. Gegenwärtig müssen sich „Normalverdiener“ einer aufreibenden Wohnungssuche mit langen Schlangen bei Besichtigungen stellen und benötigen viel Glück, um überhaupt ein halbwegs zufriedenstellendes Mietdomizil zu ergattern. Grund für den allgemeinen Wohnungsmangel in der Stadt ist nicht nur der jährlich steigende Bevölkerungszuwachs von etwa 40.000 Menschen, sondern auch der aus Angebot und Nachfrage folgende Anstieg der Mieten.

Gebäude neben dem Hochhaus Weberwiese
begehrte Wohnlage – wohnen an der Weberwiese in Friedrichshain

Bundesweit höchster Anstieg der Kaltmieten

Nach einer gemeinsamen Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) und der Privatbank Berenberg, über die die Berliner Zeitung berichtet, hat Berlin aktuell den bundesweit höchsten Anstieg der Kaltmieten zu verzeichnen, wenn es um neu abgeschlossene Mietverträge geht. Im mittleren Wohnwert, über den Ausstattung und Lage entscheiden, liegt die Steigerung bei 57 Prozent, im guten Wohnwert sogar bei 67 Prozent. Alle übrigen deutschen Städte liegen darunter, teilweise sanken die Mieten sogar. Der Wohnungsleerstand liegt in Berlin heute bei 1,5 Prozent, sodass bereits von einer Wohnungsnot gesprochen wird. Dabei wurden 2015 gerade noch ganze 15.000 Wohnungen neu gebaut. Die Mehrheit der Neubauten stellt jedoch hochpreisige Angebote wie Luxuswohnungen und Lofts dar.

Eingeführte Mietpreisbremse wirkungslos

2015 führte die Hauptstadt aus gutem Grund die Mietpreisbremse ein, die praktisch jedoch keine großen Folgen hatte. Insbesondere im niedrigen Preisbereich fehlen immer mehr Wohnungen. Besonders Ein- und Zweizimmerwohnungen sind aufgrund der vielen Alleinlebenden begehrter denn je. Unter 7 Euro pro Quadratmeter ist jedoch in Berlin kaum noch eine Mietwohnung zu haben. Früher war Kreuzberg der Bezirk der Studenten und gering verdienenden Arbeiter – doch ein Blick in die Stellenbörse zeigt, dass auch hier sich die Zeiten geändert haben.

Bei Neuvermietungen haben hier nur noch Besserverdienende eine Chance. Die aktuelle Durchschnittsmiete der Wohnungsangebote liegt in Neukölln genauso wie in Zehlendorf und Charlottenburg bei 11 Euro, in Mitte geht es immer häufiger auf bis zu 15 Euro hoch. Einzig in den Randbezirken wie Spandau oder Marzahn können Neumieter, die weniger bezahlen wollen oder können, noch Wohnungen finden. So bleibt zu hoffen, dass die Politik in Sachen Mietpreisbremse bald noch einmal beherzter in den überhitzten Markt eingreift.

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5 comments

  1. War das nicht klar das die Bremse nicht funktioniert?
    Wer Geld verdienen will findet auch einen Weg das zutun. Die Leute lassen sich doch nicht ihren Gewinn nehmen.

  2. Markus Teichner

    Es ist wirklich schade das es so kommt. Aber was will man als „kleiner Mann“ dagegen tun? Bald lebt der Mittelstand auf der Strasse 🙁

  3. Das ist wirklich sehr Schlimm dabei stehen viele Wohnungen meist von Spekulanten leer

  4. Es ist erschreckend wie in großen Städte sich die Miete entwickeln. Es ist schade das die Mietbremse so wenig Wirkung zeigt. Geringverdiener haben da leicht das Nachsehen bei den hohen Mieten.

  5. Wirklich traurig, wenn man sich seine Wohnung auf Grund der steigenden Mieten nicht mehr leisten kann

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