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Ausstellungstipp: MYTHOS GERMANIA

Um den Bahnhof Gesundbrunnen herum befinden sich einige Eingänge zur Berliner Unterwelt, weshalb der Verein gleichen Namens dort auch ein Büro hat. In selbigem kann man dann auch – neben Führungen durch die verschiedenen Unterwelten – eine Eintrittskarte für die Ausstellung über den von den Nazis geplanten Umbau der Reichshauptstadt erwerben. Der Eingang zur Ausstellung ist dann allerdings etwas versteckt über eine Treppe zum U-Bahnhof zu erreichen, also auch der Umsteigebahnhof Gesundbrunnen (sollte ja mal in Nordkreuz umbenannt werden) ist eine Katakombe, der Sinn dieses Ausstellungsraums erschließt sich nicht auf Anhieb.

Hier geht´s zur Ausstellung
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Mythos Germania

Was möglicherweise nicht alle wissen: Adolf Hitler hatte als verhinderter Künstler mit Berlin große Pläne. Für ein 1000jähriges Reich muss eine Reichshauptstadt auch repräsentativ umgebaut werden – und natürlich auch einen neuen Namen erhalten, eben Germania. Albert Speer erhielt dafür alle notwendigen Vollmachten und begann schon mal kräftig mit Abrissen und Testbauten*. Und natürlich kann man nicht sagen, dass glücklicherweise durch den Beginn des 2. Weltkriegs weitere Umbauten unterblieben sind. (* Der bekannteste Unbekannte ist der Schwerbelastungskörper an der Kolonnenbrücke, denn die „Berliner Traufkante“ sollte ja wohl reichlich überschritten werden. Hier in der General-Pape-Str. kann man sich auch ein Bild über den Größenwahn machen, aber dieses Monument ist nur ab & zu geöffnet.)

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Schwerbelastungskörper Kolonnenbrücke

Mehr Hintergründe vermittelt die Ausstellung im Bahnhof, die einen etwas reißerischen Untertitel hat = Vision und Verbrechen. Wenn größenwahnsinnige Planung ein Verbrechen ist, dann müsste die Autobahnplanung des Senats aus den 60er Jahren auch darunter fallen, und der Flughafen Tempelhof, der damals ohne Baugenehmigung erstellt wurde, ist ein nunmehr allseits geschätztes Denkmal.

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Ausstellungsdetail ©Philipp Dase

Last not least : Auch der große Stern mit Siegessäule als zentraler Fixpunkt für Aufmärsche aller Art ist ein Ergebnis der GERMANIA-Planung, wobei Albert Speer mit Sicherheit unter Parade etwas Anderes verstand als die Love-Parade

About Wolfkamp

Uralter Urberliner. Taxifahrer, Eisenbieger, Schneeschipper, Student, Wagenwäscher, Bananenverkäufer, Bauleiter, Ausbilder, Dozent, Hilfsarbeiter, Operator, Systemanalytiker, Autor, Stadtführer, Senior-Experte, Berliner Schnauze, usw. usw. Hab´ich was vergessen ?

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2 comments

  1. Ich war noch nie in Berliner Unterwelt, es sieht sehr gut aus, habe auch einige andere Bilder schon gesehen, das ist echt eine Überlegung Wert beim nächsten Berlin Urlaub dort mal rein zu gehen.

  2. Also ich war auch schon in den Berliner Unterwelten. Kann es echt jedem nur empfehlen, sich diese mal anzuschauen. Man fühlt sich wie in einer Zeitreise und kann echt eine Menge an Wissen über die Geschichte Berlins mitnehmen. Fast schon ein bisschen gruselig, wenn man sich vorstellt, dass sich die Berliner während des 2. Weltkrieges dort in den Bunkern verstecken mussten.
    Der Guide der Führung war auch mega authentisch und konnte die Stimmung super rüber bringen!!

    Von mir eine klare Empfehlung für den Besuch der Berliner Unterwelten!! 🙂

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