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Besuch im Schwimmbad Olympiastadion

Vor ein paar Wochen, also als noch richtig Sommer war, überredete mich eine Kollegin zum einem Freibadbesuch. Vorneweg muss ich eins gestehen: Freibäder gehören sonst nicht zu meinem natürlichen Lebensumfeld. Vermutlich Schuld daran sind Ereignisse in Kindheit und Jugend, größere (und böse!) Jungs, stets die falsche Marke des Badeanzugs oder Bikinis und andere Faktoren. Da das alles räumlich und zeitlich gefühlte drei Universen weit weg liegt, sagte ich ja zu einem Nachmittag im Sommerbad Olympiastadion.

Schwimmbad Olympiastadion
Schwimmbad Olympiastadion

Den nächsten Tag haben wir die Hitze (erinnert sich noch wer an Temperaturen über 30° Celsius?) im Büro mit Ventilatoren und dem Gedanken an das erfrischende Bad überstanden und sind zum Nachmittag mit den Fahrrädern gen Olympiastadion gestartet. Einen Tipp für mich als Radenthusiasten habe ich vom Webauftritt der Berliner Bäderbetriebe gleich mitgenommen: die Anfahrt mit dem Rad wird dort mittels des Routenplaners komoot.de angeboten. Ein schönes Tool zum Planen von Wander, Rad und Mountainbike-Touren.

Für allzu viele Fahrräder hat man am Olympiastadion aber kein Platz (dafür massig Autos, aber gut, zum Hertha Spiel oder Konzert würde ich auch nicht mit dem Rad kommen wollen), so dass wildes Parken angesagt war. Leider war die Webseite zum Bad nicht so aussagekräftig zum Thema Schließfächer. Es stellte sich heraus, dass für die großen Spinte in der Umkleide ein Vorhängeschloss haben sollte. Hatten wir natürlich nicht bei, konnte man auch nicht mieten, nur kaufen, aber die waren auch schon alle weg. Wird schon so gehen. Also am Kassenhäuschen bezahlt und dann vorbei an ganz viel umzäunter Spontanvegetation. Das vermittelte den Eindruck, als ob da seit min. 20 Jahren nix mehr passiert ist, eben nur ein Zaun drum, damit die Besucher nicht vom Weg abkommen.

Später las ich, dass es auch vermutlich so war, mit den 20 Jahren: Der Olympiapark wurde für die Olympischen Spiel 1936 umgestaltet. Berlin sollte bereits 1916 die Olympischen Spiele ausrichten, welche aufgrund des Ersten Weltkrieges abgesagt wurden. Die Planungen und bereits fertigstellten Bauten wurden für die neuen Spiele modifiziert, um allen Ansprüchen gerecht zu werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Schwimmstadion, ganz im Gegenteil zum Rest des Olympiaparks, nur wenig zerstört und war sogar im Sommer nach Kriegsende für ein paar Wochen für die Bevölkerung geöffnet. Das wurde aber sofort unterbunden, als die Briten das gesamte Gelände übernahmen und dort ihre Truppen ausbildeten und stationierten. Erst 1994 übergaben die Briten die letzten Anlagen an den Berliner Senat, der bis heute Eigentümer ist. Mehr zur spannenden Geschichte Des Olympiaparks ist auf den Seiten des Olympiastadions zu finden (Link).

Aber wir waren nicht auf historischer Exkursion, sondern auf Mission zur Abkühlung: Also schnell die Damenumkleiden gesucht und gefunden, die innere Notiz gemacht, nächstes Mal ein Vorhängeschloss in die Tasche zu packen und ab nach draußen. Aber Moment, hinter den Duschen, nur noch wenige Meter vom Becken entfernt, war da ein Wasserbecken mit max. -5°C kalten Wasser, dass erst durchquert werden wollte. Erfrischung ja, aber gleich so?! Nun ja, nachdem unsere Füße und Waden abgekühlt waren, waren wir endlich am Ziel. Zuerst suchten wir uns ein Schließfach für die Wertsachen, so dass wenigstens die sicher waren, und stellten die Taschen einfach auf eine der umliegenden Bänke.

Schwimmbad Olympiastadion
Schwimmbad Olympiastadion

Das Bad an sich besteht aus drei Becken: das Sprungbecken mit Höhen von 1, 3, 5, 7,5 und 10 m. Danach kommt das Schwimmbecken mit angenehmen 50 m Länge und 8 Bahnen. im hinteren Bereich ist dann noch das zweigeteilte Babybecken zu finden. Umrahmt werden die ersten beiden von den recht steilen Zuschauertribünen. Diese waren wohl noch vor ein paar Jahren den Badegästen zugänglich, sind aber derzeit vermutlich aufgrund ihrer sichtbaren Baufälligkeit gesperrt. Dem Schwimmvergnügen tat das aber keinen Abbruch. Wie in den Hallenbädern gibt es neben den einzeln abgetrennten Bahnen auch einen freien Bereich, in dem nebeneinander geschwommen werden kann. Nicht aber kreuz und quer, dafür sorgen die zahlreich vertretenen Bademeister (und -innen).

Seit meinen letzten Erfahrungen in Freibädern hat sich nicht viel daran geändert. Das Testosteron ist fast schon greifbar, wenn sich Jung’s gegenseitig unter Wasser drücken, oder das Mädchen ihrer Wahl erst am Beckenrand umarmen um es dann unter großem Protest ins Wasser zu schubsen. Es gibt auch noch immer die älteren Damen, die gern in Gruppen und im heimlichen Wettbewerb untereinander, wer die prachtvollsten Badehaube hat, langsam durchs Becken gleiten und dabei gemütlich plauschen. Aus meiner Erinnerungen hat ich die Sportschwimmer verdrängt, die mir als langsame Schwimmerin ein schlechtes Gewissen machen. Aber wenn ich doppelt so lang für die Strecke brauche, verbrenne ich auch doppelt so lang Kalorien dabei! So, nehmt das… 😉

Eine Stunde vor Schluss war dann der obligatorische (mir natürlich völlig unbekannte) Aufruf an alle Kinder dran: wer eine große Tüte mit Müll voll gesammelt hat, bekommt eine Freikarte inkl. Verzehrgutschein.  Bei den Preisen hatte ich auch kurz überlegt, aber vermutlich wäre ich trotz meiner Größe nicht mehr als Kind durchgegangen. Auf den Liegeflächen im hinteren Bereich gab es da sicher einiges einzusammeln. Ein bisschen Angst hatte aber schon, ob nicht doch mein etwas in die Jahre gekommener Rucksack in der Mülltüte eines über ambitionierten Sammlers landen könnte.

Dennoch möchte ich ein positives Fazit ziehen. Das Bad hält was es verspricht: angenehme Abkühlung in historischer Kulisse. Das bunte Treiben konnten wir genießen, und zwar gänzlich ohne Gefahren, wie man sie aus anderen Bädern Berlins hört. Das Personal war deutlich präsent und Sätze wie „Nicht vom Beckenrand springen!“ erhöhten meine subjektive Sicherheit. Erfreulicherweise wurden sie meist nicht gebrüllt, sondern erfüllten auch in normaler Lautstärke ihren Zweck. Und unsere Fahrräder standen auch noch da! Am besten ist mir allerdings der Weg nach Hause in Erinnerung geblieben: es war großartig, mit nassen Haaren (unter dem Helm!) und dem Gegenwind als leichter Brise die 15km nach Hause zu radeln. Danach war nicht mehr viel der Erfrischung übrig, aber meine internen Speicher dieses wunderbaren Sommertages in Berlin – Gefühlsmäßig alle wieder voll aufgeladen.

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