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Berlinale Filmtipps

Die Berlinale wird jedes Jahr umfangreicher. Noch mehr Preiskategorien, mehr Sektionen, dann auch Subsektionen, dann mehrere Branchentreffs. Selbst eingefleischte Berlinalegänger müssen sich jedes Jahr neu orientieren. Um Euch dies ein wenig leichter zu machen, nachfolgend meine Filmtipps und eine Galaempfehlung.

Die Reihe „Retrospektive“ wird um die Rubrik „Berlinale Classics“ erweitert:  Überall dort, wo Berlinale Classics steht, geht es um restaurierte Werke „brillant im Bild und Ton“, so die Pressemitteilung des Festivals. In diesem Jahr kommen die Klassikerfans richtig auf ihre Kosten, sogar mit einer 3D Version des Meisters Hitchkock:

Cabaret von Bob Fosse, USA 1972, Sa. 9.2. 11:00 Uhr im Kino International, präsentiert von Harold Nebenzal. Kaum ein Film porträtierte so schonungslos das verrauchte Berlin der 30er Jahre.
Dial M for Murder (Bei Anruf Mord) von Alfred Hitchcock, USA 1954, Di. 12.2. 18:00 Uhr /Sa. 16.2. 22:00 Uhr im Haus der Berliner Festspiele, europäische Erstaufführung der digitalen 3-D-Projektion
On the Waterfront (Die Faust im Nacken) von Elia Kazan, USA 1954, Mi. 13.2. 19:00 Uhr im Cinestar Event Cinema, Welterstaufführung der restaurierten Fassung von 2013 (4K)
Der Student von Prag von Hanns Heinz Ewers, Deutschland 1913, eine Koproduktion des Filmmuseums München, Orchester Jakobsplatz München und ZDF in Zusammenarbeit mit Arte. In Kooperation mit der Deutschen Kinemathek, den Internationalen Filmfestspielen Berlin und der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin. Fr. 15.2. 20:00 Uhr in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Welterstaufführung der digital rekonstruierten Fassung
Tōkyō Monogatari (Reise nach Tokio) von Yasujirō Ozu, Japan 1953, Do. 14.2. 15:00 Uhr im CinemaxX 6 am Potsdamer Platz, internationale Erstaufführung der digital restaurierten Fassung.

Eine der spannensten Reihen des Festivals bleibt das „Panorama“. Vor mehr als zwei Jahrzenten von Manfred von Salzgeber, einer Schüsselfigur in der Verbreitung des Gaykinos in Berlin, ins Lebens gerufen. Mittlerweile ist er selbstverständlich, manchmal sogar überflüssig, der Diskurs um die Thematik Gay, Lesben und Transgender. Fast überflüssig deshalb, weil im Vergleich zu anderen europäischen Städten Berlin per se die Gay City Europas ist. Ein geouteter Regierender Bürgermeister, ein ebenso geouteter Außenminister und viele andere Entscheidungsträger. Auch das macht den Unterschied zu anderen Länden aus. Dort leben Lesben und Schwule größtenteils in der Anonymität und fürchten Repressalien. Das in Moskau gerade verabschiedete Gesetz zur weiteren Einschränkung der Homosexuellenrechte ist ein trauriges Beispiel. 2013 wird nicht in die Geschichte als eines der besten Jahre dieser Sektion eingehen, aber ein paar Filmjuwelen lassen sich doch finden.

Ein Hinweis: Die folgenden Beschreibungen verschiedener Filme werden knapp ausfallen, da es für die Filme bis zur Premiere eine Nachrichtensperre gibt. Dafür liegen aber überall in der Stadt Programmhefte aus, mit ausführlicheren Beschreibungen.

Für die passionierten des lateinamerikanischen Kinos:
La Piscina, eine kubanisch-venezuelanische Produktion. Der Regiesseur Carlos Machado Quintela wußte gekonnt, die Landschaft Kubas als Methapher um die Geschichte 4 Pubertierenden zu erzählen. Premiere: Kino International 10.02., Kino International 13.02., Cubix 9 15.02.
Workers, eine mexikanisch-deutsche Produktion. Der Regiesseur José Luis Valle widmet sich dem Alltag auf den ersten Blick auffälliger Menschen und beleuchtet dabei haarscharf die gesellschaftlichen Strukturen, aber nicht ohne eine große Portion Humor und eine regelrechte Überraschung am Ende. „Workers“ ist mein Favorit von allen Panorama Filmen. Premiere: Kino International 11.02., Cinemax 7 12.02. um 12:30 Uhr, Cubix 7 & 8 13.02. um 20:15

Für die Nerds und Liebhaber neuer Technologien:
TPB AFK: The Pirate Bay Away from Keyboard, eine englisch-schwedische Produktion zeigt, wie die Vorreiter von der Musikbörse Napster gegen die Großen der Musikindustrie vorgegangen sind. Der Unterschied zwischen der Piratenbewegung im Heimatland in Schweden und das, was sich in Deutschland gebildet hat, kann sehr erkenntnisreich sein.

Zum Thema Kriesengebiete:
Inch’Allah ist eine französich-kanadische Produktion, die den Alltag zwischen Palestinensern und Israelis an der Grenze des Westjordanlandes zeigt. Die Thematik wurde sicherlich schon oft verfilmt. Bei diesem Film, auch wenn nicht kitschfrei, schafft die Kameraführung die genau richtige Athmosphäre einer Dokumentation. Cine Star 3 13.02. um 20:15 Uhr, Cubix 7 & 8 14.02. um 22:30 Uhr, Colosseum 16.02. um 22:30 Uhr

Fans deutscher Filme:
Roland Klick – The heart is a hungry hunter ist eine deutsche Produktion über die Filmlegende Roland Klick, der zwar große Erfolge feiern konnte, aber irgendwo auf dem Weg stecken geblieben ist. „Supermarkt“, „White Star“ , „Deadlock“und „Kinder vom Bahnhof Zoo“ sind eine wenige Werke. Die Regisseurin schafft es, das Enfant Terrible des deutschen Films wieder zum Leben zu erwecken, aber das ist noch nicht das Beste: Den anschließenden Hunger ALLER seiner Filme zu sehen, kommt der Absicht der Regisseurin ziemlich entgegen. Ein Muss !  09.02. Cinestar 7 um 17 Uhr., 10.02. Cinestar 7 um 22:30 Uhr/11.02. Cubix 7 um 17:30 Uhr, 12.02. Colosseum um 15:30 Uhr.

Noch ein Tipp: Die Regisseure und DarstellerInnen sind meist nur in den ersten 2 Vorführungen dabei. Bei den darauffolgenden ist es immer eine Glücksache. Oft hängt es damit zusammen, ob die Filmemacher von Außerhalb kommen (und das kann auch Hannover und München bedeuten) oder in Berlin zu Hause sind.

Hollywood-Like:
Você nunca disse eu te amo/Reaching the moon:  Dieses – mehr oder weniger – brasilianische Werk zeigt das Beste von der Hollywoodkinematographie ohne den lästigen kitschen Beigeschmack. Nebenbei ist es ein Zeitdokument über die gesellschaftliche Ordnung in Rio de Janeiro der 50er Jahre. Hervorzuheben ist hier die großartige Performance der brasiliansichen Schauspielerin Gloria Pires, die aufgrund von Dreharbeiten bei der aktuellen 19 Uhr-Telenovela im Gegensatz zur vorherigen Ankündigung, nicht in Berlin sein wird. Miranda Otto und Regiesseur Bruno Barreto werden erwartet. Premiere: Friedrichstadt-Palast am 11. Februar um 21 Uhr.

Gala-Empfehlung:
Die Verleihung der Berlinale Camera geht an den Regiesseur Rosa von Praunheim, der vor kurzem einen runden Geburtstag (70) feierte.  Dazu gab es nicht nur eine Werkschau sowohl in Rio de Janeiro als auch in Sao Paulo. Zum Hoferfestival vergangenen Herbst hatte der – selbsternannte – Workoholic eben 70 Filme im Gepäck. Die Verleihung findet im Kino International am 13. Februar um 22:30 Uhr statt. Danach wird der Dokumentarfilm Rosakinder gezeigt.
Die Reihe „Panorama“ oder der ganze Diskurs um Homosexualität hätte heute in Deutschland nicht die Natürlichkeit, wenn es nicht bahnbrechende Filme gegeben hätte wie „Nicht der Homosexuell ist pervers sondern die Situation in der er lebt“ und  „Stadt der verlorenen Seelen“. Der berühmteste Bewohner von Schöneberg erhält die Berlinale Kamera für seine Verdienste um den deutschen Film und das war längst überfällig. Hier lohnt es sich ganz besonders dabei zu sein.

Ein Berlinale Terminkaler kann hilfreich sein, ist aber kein Muss.
Aufgepasst: Die Karten an der Vorverkaufstelle in den Arkaden werden erst  3 Tage vor der eigentlichen Premiere verkauft.

Die Euphorie über das größte Kulturevent der Republik ist schon in den Straßen Berlins zu spüren. Spätestens wenn der regierender Bürgermeister heute das Festival im Berlinale Palast feierlich eröffnet, dann gibt es kein Halt mehr: Ganz Berlin steckt im Berlinalefieber.

Copyright aller Fotos: www.berlinale.de

 

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aus dem Film "Workers"
aus dem Film „Workers“
Roland Klick
Roland Klick

 

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3 comments

  1. Ich hoffe, dass interessante Filme der Berlinale es auch bis nach Freudenstadt schaffen. Bis dahin freue ich mich mit Fatima Lacerda und allen anderen Berlinale-Begeisterten über Ihr Dabeisein am Puls der Filmwelt.

  2. Roland Klick – ein Dokumentarfilm der Extraklasse!
    Dieser Film zeigt einige sehr interessante Details über den Filmemacher und war ein absolutes Muss für mich, nachdem ich einige seiner Filme gesehen hatte 🙂

    *Daumen hoch*

    Lg
    Anke

    • Liebe Anke,

      dein Kommentar kommt spät (vergliechen mit wann ich den Film bei der Berlinale 2013 gewesen habe) aber er trifft den Kern, nämlich, dass
      Filmedrehen, ein Akt der Liebe ist. Diese Liebe und Entschlosenheit geht durch die Wüste, entkommt der Milizien, kämpft mit dahinschmelzenden Budget. Wenn aber am Ende ein Meisterwerk der Weltkinematographie (möchte ich sagen), entsteht, dann hat sich alles gelohnt.

      Danke fürs Feedback!

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