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Die Vorfreude auf die diesjährige Berlinale – Ausgabe 2013

Während in der Metropole Rio de Janeiro die Vorbereitungen für den Karneval auf vollen Touren laufen – geschickt hervorgehoben von den dortigen Medien – bereitet sich die deutsche Hauptstadt auf das Mega-Event Berlinale vor. Es wird zu früh dunkel und nasskalt ist es auch. Wie lange ist es denn her, dass wir die Sonne mal kurz erblicken konnten? Macht nichts! Die Berlinale ist da. Das Plakatmotiv ist auch schon bekannt und wird bald die ganze Stadt beschlagnahmen: Ein Polarbär.

Berlinale 2013
Berlinale 2013

Zugegebenermaßen waren früher den Machern der Artwork Agentur Boros schon bessere Motive eingefallen: Das Plakat von 2011, mit dem grossen B im Designstil der 20er Jahren. Gleichwohl stimme ich Festivaldirektor Dieter Kosslick zu, wenn er zum Plakat 2013 sagt: „Der Berliner Bär hat keine Zeit für Winterschlaf“. Für die lokalen Journalisten ist die Berlinalezeit schon voll im Gange. Seit Mitte Januar laufen die Pressevorführungen. Filme aller Sektionen – mit Ausnahme vom streng geheim gehaltenen Wettbewerbsbeiträge – werden vorab schon gezeigt. Das ist schwer von Nöten, denn ist es schier unmöglich alle Artikel gleichzeitig anzufertigen oder druckfertig zu haben, sobald das Festival, gewöhnlich vom Regierenden Bürgermeister, eröffnet wird. Es bleibt spannend, ob am Abend des 07. Februar, Klaus Wowereit sein Dienstzimmer im roten Rathaus noch haben wird. Der Applaus während seiner – immer gleichlautenden – Berlinale-Eröffnungsreden
war immer stets ein gutes Thermometer für die zeitweilige Popularität. Zu Anfang seiner Amtsperiode gab es langen, enthusiastischen Beifall. Inzwischen sind die handverlesenen Gäste nur noch der Höflichkeit verpflichtet. Die Abendschau sendete am 16.01. das Ergebnis der letzten Umfrage: Lediglich 24% der BerlinerInnen sind mit seiner Regierung zufrieden. Ob Jan Stöß insgeheim sich schon einen Smoking zugelegt hat?

Die Vor-Berlinalezeit

Bei der Pressevorführungen findet man fast immer die gleichen Gesichter der vergangenen Jahre. The same procedure as every year: Die Pressematerialien liegen auf dem runden schwarzen Stehtisch. Kaffee gibt es reichlich. Im Plastikbecher. Diejeningen, die Wasser und Tee anstatt dem magenreizenden Bohnengetränk bevorzugen, gehen allerdings leer aus. Neben dem Filmtitel, gibt es immer die Hinweise der Pressebetreuerin, dass man sich auf die Anwesenheitsliste bitte eintragen möchte und beim Verlassen des Kinos seinen Müll bitte wieder mitnehmen möchte. Letzteres wirkt auf mich irritierend. Ich komme mir vor, wie zurück in der Schulbank aber dieser Hinweis ist wahrlich nicht ohne Grund.

Das Kino als Raum gehört zu meinen Lieblingsorte im bester fassbinderischen Art: „Kino machte den Kopf frei.“ Dort, so stelle ich mir vor, kann ich mich einer ganz anderen Welt widmen: Einer Geschichte, einem Ort, einem mir besonders lieb gewonnenen Dialog. Es gibt allerdings Kinogänger, die sobald es im Saal dunkel wird, anfangen zu essen.
Wie in einer bizarren Symphonie, macht sich der Sound von Bäckereitütchen, von Frischhaltefolien bemerkbar und der Geruch von Banane, Clementinen, Kaffee, Schinkenbrot gleich hinterher. Einige cremen sich die Hände ein. Meine Fähigkeit mit diesem Geruchswirrwarr umzugehen ist wahrlich begrenzt und hängt von der jeweiligen Größe des Kinos ab und somit die Umzugsmöglichkeiten. Beim engen Kino 2 im CinemaXX kann diese Art von Ablenkung verheerend sein.

Berlin wäre nicht Berlin, wenn die Hektik nicht schon vor dem offiziellen Festivalbeginn die JournalistInnen schon fest im Griff hätte. Ab dem 07. ist es dann Ausnahmezustand angesagt. Journalisten aus aller Welt kommen ins Paradies der Filmwelt und können einer Menge Abwechslung sicher sein: Meetings, Galas, Parties bis zum Morgengrauen, sehen und gesehen werden und eine unendliche Zahl von Filmen und die zahlreichen Möglichkeiten darüber zu sprechen, zu streiten, zu reflektieren. Insbesondere Regisseure aus dem Ausland zeigen sich begeistert von der Neugierde, der Hartnäckigkeit aber auch von der Herzlichkeit des Berlinalepublikum.

Wem die Berlinale noch nicht umfangreich genug war, kann jetzt sich auf eine neue Sektionreihe fokussieren: NATIVE – A Journey into Indigenous Cinema, der Geschichte indigener Völker gewidment. Die Beiträge komme aus Australien, Neuseeland und USA. Lateinamerika ist leider nicht vertreten. Berlinalesüchtige wissen: Während des wichtigen Filmfestivals der Republik, geraten Bedürfnisse wie Essen und Schlafen und lästige Notwendigkeiten wie Abwaschen und Aufräumen völlig in Vergessenheit. Mann ist für Freunde und Familie erst einmal…Weg ! Fassbinder hatte also doch Recht: Kino macht den Kopf frei.

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2 comments

  1. Cristiane David

    Gratuliere fuer den Artikel.
    Deine Freundin, Cris

  2. Toller Artikel, macht Lust, sich anstecken zu lassen. Doch ich hocke im verschneiten Schwarzwald mit arschglatten Gehwegen und muß aufpassen nicht auf meinen Allerwertesten zu fallen. Mit diesem würde ich da schon lieber im Berlinalekino hocken; mittendrin im Rascheln, Cremen, Kauen etc. Naja, wenn`s denn ein guter Film ist, werden die Geräusche in den Hintergrund treten…

    Anne

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