Wer mit offenen Augen durch die Berliner Bezirke spaziert, der wird hinter prachtvollen Boulevards, historischen Monumenten und alltäglichen Straßennamen Geschichten entdecken, die selbst vielen Berlinern nicht bekannt sind.

Eine Stadt voller Mythen und geheimnisvoller Orte
Berlin ist eine Stadt voller Mythen, kurioser Anekdoten und geheimnisvoller Orte. Warum steht an der Skulptur der Königin Sophie Charlotte ein falsches Miniaturschloss und wo wurde weltweit der erste Computer gebaut?
Zwei von vielen Rätseln, die zeigen, wie überraschend Berlin sein kann. Nicht nur das Brandenburger Tor birgt ein Geheimnis mit dem versteckten Raum unter der Quadriga, auch am Charlottenburger Tor am Landwehrkanal zur Grenze nach Tiergarten versteckt sich ein Detail, dass nicht allen bekannt ist.
Das Charlottenburger Tor ist ein neobarockes Schmuckbauwerk, das 1907/1908 errichtet wurde heute als Baudenkmal die Grenze zwischen den Berliner Ortsteilen Charlottenburg und Tiergarten bildet.

Sophie Charlotte präsentiert ein falsches Schloss
Wer auf der Straße des 17. Juni Richtung Ernst-Reuter-Platz durch das Tor schreitet, der wird die prächtigen Standbilder von König Friedrich I. und seiner Gemahlin Königin Sophie Charlotte am Tor wahrnehmen.
Neben Sophie Charlotte steht eine Miniatur des Schlosses Charlottenburg, dass sie offenbar präsentiert. So weit, so gut. Nur wer sich in der Geschichte auskennt, wird den Fehler entdecken. Das Miniaturschloss an der Skulptur hat einen kuppelartigen Turm, doch der wurde dem Schloss erst 1709 aufgesetzt.
Sophie Charlotte, die am 30 Oktober 1668 in Iburg geboren wurde und am 1. Februar 1705 in Hannover verstarb, lebte nicht mehr, als das Schloss um den Turm erweitert wurde.
Sophie Charlotte hatte nur wenige Jahre im Schloss Charlottenburg verbringen können, nachdem sie bereits mit 36 Jahren recht früh verstarb. Ihr Gemahl ließ die angrenzende Siedlung und das Schloss ihr zu Ehren in „Charlottenburg“ umtaufen. Und er sorgte dafür, dass das Schloss zügig weiter ausgebaut wurde. So entstanden nach dem Tod von Sophie Charlotte die markante Kuppel des Schlosses, die Orangerie und eine Kapelle.

Der erste Computer stand in Kreuzberg
Zwischen Spätis, Graffiti und Kopfsteinpflaster liegt ein Ort, der die Welt verändert hat – ohne dass es jemand bemerkte. In der Methfesselstraße 7 baute Konrad Zuse 1941 in Weiterentwicklung den Z3, den ersten funktionsfähigen Computer der Welt.
Die Entwicklung fand nicht im Labor statt und auch auf keinem Hightech-Campus – sondern in Kreuzberg in einem Berliner Hinterhof.

Konrad Zuse war zu „faul“ zum Rechnen
Nach seinem Studium an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg arbeitete Konrad Zuse bei den Hentschel-Flugzeugwerken in Berlin. Da er zu „faul“ zum Rechnen war, begann er zuhause erst mit der Z1 eine Maschine zu basteln, die ihm diese Arbeit abnahm. Nicht nur die Zahlen wollte er binär darstellen, sondern die gesamte Maschine sollte auf diesem Prinzip (Aussagenlogik) arbeiten, vollautomatisch und programmierbar.

Heute erinnert eine Gedenktafel an den Mann, der die Zukunft erfand, bevor sie jemand verstand. Ein Ort, an dem Berlin zeigt, wie viel Genialität in seinen Hinterhöfen steckt.
Ein Nachbau der Z1 steht heute im Deutschen Technikmuseum in Berlin. Das Original war im Wohnzimmer seiner Eltern aufgebaut und wurde samt den Plänen im Bombenkrieg zerstört.
📍 Kreuzberg. Eine Gedenktafel in der Methfesselstraße (unweit der Bergmannstraße/Ecke Mehringdamm) erinnert an den genialen Ingenieur Text und Foto: Klaus Tolkmitt
Hier geht es zum Charlottenburger Tor
Hier geht es zur Gedenktafel von Konrad Zuse
Text und Fotos: Klaus Tolkmitt
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