Direkt vor dem Bahnhof Berlin Friedrichstraße, an der Ecke Georgenstraße, steht eine eindrucksvolle Bronzeskulptur, die zu den wichtigsten Erinnerungsorten zur NS‑Geschichte in Berlin zählt. Die lebensgroße Kindergruppe symbolisiert das Schicksal jüdischer Kinder in den 1930er‑Jahren und gehört zu den meistbesuchten Denkmälern im Berliner Stadtraum.

Symbolik des Denkmals: Rettung und Vernichtung
Die sieben dargestellten Kinder stehen für zwei gegensätzliche Lebenswege während der nationalsozialistischen Verfolgung:
Fünf Kinder repräsentieren die rund 1,5 Millionen jüdischen Kinder, die durch Deportationen und systematische Vernichtung ermordet wurden.
Zwei Kinder blicken in die entgegengesetzte Richtung und stehen für die etwa 10.000 geretteten Kinder, die über die sogenannten Kindertransporte nach England fliehen konnten.
Diese bewusste Gegenüberstellung macht das Denkmal zu einem eindringlichen Ort der Erinnerung und Mahnung.
Frank Meisler: Ein Künstler mit eigener Kindertransport‑Biografie
Die Skulptur wurde am 30. November 2008 eingeweiht – fast genau 70 Jahre nach dem ersten Kindertransport aus Berlin. Geschaffen wurde sie vom Künstler Frank Meisler, der selbst 1939 als Kind nach England gerettet wurde.
Der Schriftzug „Züge in das Leben – Züge in den Tod“ am Schienenstrang fasst die historische Tragweite in einem einzigen Satz zusammen.

Historischer Hintergrund: Kindertransporte 1938/39
Zwischen 1933 und 1945 verloren etwa zwei Millionen Kinder ihr Leben durch die nationalsozialistische Gewaltpolitik.
Der Londoner Börsenmakler Nicholas Winton organisierte 1938/39 gemeinsam mit britischen Hilfsorganisationen die ersten Rettungsaktionen für jüdische Kinder. Die Kindertransporte gelten heute als eine der bedeutendsten humanitären Initiativen vor Beginn des Zweiten Weltkriegs.
Der erste Transport mit 196 Kindern aus Berlin erreichte am 2. Dezember 1938 den Hafen von Harwich. Von dort wurden die Kinder von freiwilligen Helfern in Empfang genommen und zu Pflegefamilien gebracht.
Text und Foto: Klaus Tolkmitt
Wissenschaftliche Quellen (Auswahl)
Primär wissenschaftliche Literatur aus der Forschung zum Kindertransport: Craig‑Norton, Jennifer (2020): Archives and the Kindertransport: New Discoveries and Their Impact on Research. Jewish Historical Studies 51.
Hammel, Andrea (2020): Child Refugees Forever? The History of the Kindertransport to Britain 1938/39. Diskurs 2/2020.
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