Interview: MIA und das Jahr 2020

MIA, die bekannte Berliner Popband, hat endlich am 19.09.2020 wieder ein Konzert (Open Air) in Berlin. Es sind außergewöhnliche Zeiten, für jeden. In diesem Kontext haben wir mit MIA ein Interview geführt. Nachdenkliche aber auch gute Unterhaltung gewünscht.

MIA (Foto: ©anna.k.o., 2019)
MIA (Foto: ©anna.k.o., 2019)

Frage (inBerlin.de): Wie würdet Ihr das Jahr 2020 aus Eurer Sicht beschreiben.
Antwort (MIA): Wir sind mit großen Erwartungen und voller Pläne in dieses Jahr gestartet und haben uns wahnsinnig darauf gefreut, unser neues Album „Limbo” endlich mit der Welt zu teilen. Mit der Arbeit an diesem Album haben wir die letzten zwei Jahre verbracht, der Weg dahin war anstrengend, aufregend, aber auch sehr erfüllend und entsprechend glücklich sind wir mit dem Ergebnis. Dann schlitterte die COVID 19 – Vollbremsung dazwischen. Es gab kurz den Gedanken, die Veröffentlichung zu verschieben, aber das kam für uns nicht infrage.

Im Grunde sind wir seit März damit beschäftigt, die Steine aus dem Weg zu räumen, die uns die Pandemie vor die Nase gestellt hat. Wie auch alle anderen Menschen, die mit Veranstaltungen ihren Lebensunterhalt bestreiten, hat uns das Ganze vollkommen unvorbereitet erwischt. Es ist höchste Zeit, dass die existenziellen Folgen und Schwierigkeiten, die durch die notwendigen Einschränkungen im Veranstaltungsbetrieb entstanden sind, endlich in den öffentlichen Fokus rücken. Kunst und Kultur sind nicht selbstverständlich. Es sind systemrelevante Bausteine unseres Zusammenlebens, die uns vor Vereinsamung, Verrohung und Ignoranz bewahren. Dafür muss es ein Bewusstsein geben, denn nur so lassen sich die Hilfen und Unterstützungen einfordern, die dieser Sektor zum Überleben braucht.

inBerlin: Wie seid Ihr in den letzten 6 Monaten musikalisch unterwegs gewesen.
MIA: Im März haben wir zur Album-Veröffentlichung ein spontanes Streaming-Record-Release-Konzert aus unserem Proberaum veranstaltet. Ansonsten können wir uns glücklich schätzen, seitdem wenigstens für eine Handvoll Konzerte auf der Bühne gewesen zu sein. Wir versuchen, den Kontakt zu unseren Fans über die Möglichkeiten der Sozialen Netzwerke aufrecht zu erhalten. Im August haben wir die “Immer wenn ich dich seh” EP mit drei neuen Versionen dieses Songs veröffentlicht.

inBerlin: Hätte das aktuelle Album „Limbo“ anders ausgesehen, wenn es ein halbes Jahr später – also jetzt – veröffentlicht worden wäre?
MIA: Vermutlich.

inBerlin: Auf dem Album gibt es auch das Stück „Mauerpark“, wie hat sich dieser seit August 2001 verändert?
MIA: Die Jahreszahl in diesem Song bezieht sich aber eher auf die Veränderungen in der eigenen Biografie. Wir haben das Gefühl, dass die Geschehnisse des 11. September 2001 eine Zäsur markieren, die die meisten Menschen, die damals in ihren Zwanzigern waren, geprägt hat.

inBerlin: Was wird der neue Berliner Szenebezirk, endlich Wedding?
MIA: Gerne!

inBerlin: Wohin wird sich Berlin entwickeln und was sind Eure Wünsche dafür?
MIA:
Wir hoffen, dass Berlin die eigene Geschichte im Blick behält, ohne Neuem im Wege zu stehen und wünschen uns eine Stadt, die unabhängig von Herkunft, Religion, Hautfarbe, Sexualität und Geldbeutel ein Lebensmittelpunkt für alle Menschen ist, die es hierher zieht.

inBerlin: 22 Jahre seid Ihr zusammen und sechs Alben publiziert, wie hält man es so lange zusammen aus?
MIA: Wir versuchen, unsere Unterschiede auszuhalten und verbringen viel Zeit damit, respektvoll miteinander zu streiten. Wenn man begreift, dass man mit diesen Erfahrungen nie fertig ist, hält man es wahrscheinlich eine Weile miteinander aus.

inBerlin: Was steht 2021 auf Eurem Programm?
MIA: Live, live und nochmals live – zumindest wäre dies der Wunsch.  Und wenn nicht, machen wir halt neue Musik…

Vielen Dank für das Interview und Alles Gute für die Zukunft.

About waldnase

Komme aus der Provinz und seit 1999 Berliner! Mich interessiert hauptsächlich Geschichtliches und Kreatives aus der spannendsten Metropole Deutschlands.

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