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Kulinarischer Höhepunkt in Berlin: Homemade Pasta Week (19. – 25. November)

Es ist mal wieder an der Zeit, die italienische Gastronomie in Berlin und damit eine gehörige Dosis italienischer Lebensart zu genießen. Bei dem Event, das zum Welttag der italienischen Kultur weltweit veranstaltet wird, haben die Organisatoren zusammen mit dem Bundesministerium des Auswärtigen, dem Italienischen Kulturinstitut, dem Berlino Magazine und Berlin Italien Communication sich was besonders einfallen lassen.

Diesmal geht es nicht um Pizza, nicht um Süßigkeiten, die himmlisch schmecken. Nein. Diesmal geht es um etwas ganz grundsätzliches in der italienischen Kultur: um Pasta. Während dieser wenigen Tage wird man in sage und schreibe 29 Restaurants in Berlin das Angebot einer Portion frischer Pasta samt eines Glases Weißwein für 10,00 Euro bekommen können. Ein Journalist fragte, ob es auch mit Bier als Getränk ging (schließlich sind wir hier in Deustchland!).Diplomatisch und gleichwohl schmunzelnd lässt Sara sinngemäß verlauten, dass in Italien keiner auf die Idee kommen würde, Bier zu Pasta zu nehmen.

Die Berlin Homemade Pasta Week (19-25.11.2018) – klicken zum vergrößern

Das Stichwort heißt True Italien, also weg von superbilligen Pseudorestaurants italienischer Küche mit einer Überdosis Sahne und viel zu viel Brot als Beilage, eben zum Sattwerden. Bei True Italien geht es um den Genuss, aber auch um die Qualität, nur mit der, kann man längerfristig, eine Kundenbindung erzielen.

Die Restaurants liegen, bis auf Prenzlauer Berg und Mitte, in den westlichen Bezirken. Diesmal ist – bedauerlicherweise – das Restaurant „Malafemena“ in Schöneberg nicht dabei. Der Blog hatte schon mal über die Spezialität berichtet, die dort übers ganze Jahr angeboten wird, nämlich die waschechte frittierte Pizza, wie man sie in Neapel kennt und liebt.

Am Dienstagabend, den 13.11. waren Blogger und Journalisten in die Zionskirchstraße in Mitte eingeladen. Dort haben seit Oktober 2017 das Paar Diletta aus der Region Apulien und Giuseppe aus Rom sich einen Lebenstraum erfüllt mit der Eröffnung eines Bistros, dessen Aushängeschild Frische Pasta ist. Diese Italiener sind ja Lebenskünstler. Verbinden Geschmack, Erinnerungen an die Familiengeschichte und die Pflege der Tradition miteinander. Das ist ihre Motivation und Inspiration.

Das erzählt Giuseppe in dem Video, das ich im Eingangsbereich von „Gina Bistrot“ aufnahm. Damit ist die Großmutter seiner Frau gemeint, nicht etwa die italienische Schauspielerin Gina Lollobrigida (* 1927). Anders das Restaurant am Adenauerplatz (dieser Blog hatte 2017 berichtet). Dort ist die Schauspielerin Monica Bellucci die Inspiration für die Namensgabe.

Ein wunderbarer Abend

Berlin Italian Communication (BIC) hat sich auf die Fahne geschrieben, das Italienische in Berlin hervorzuheben und sichtbar zu machen, vor allem aber erlebbar, und das geht am besten über den Magen. Bei BIC fungiert Sara Trovatelli als Bindeglied zwischen der italienischen Botschaft und den italienische Produzenten, die sich in dem begehrten Hauptstadtmarkt einen Platz an der Sonne wünschen und die Endverbraucher an sich binden möchten. Dafür werden Multiplikatoren gebraucht, und die waren auch am Dienstagabend dort. Mit viel Bedacht suchen sich Sara und die Akteure den jeweiligen Schwerpunkt eines Events aus. Geachtet wird sehr auf die Zutaten, die Zubereitung und natürlich auf die unterschiedlichsten Regionen, die die kulinarische Vielseitigkeit Italiens ausmachen. Das Ambiente ist natürlich auch ein wichtiger Aspekt.

Für den Dienstag, dem 13.11, durften sich Blogger und Journalisten für einen Frische-Pasta-Workshop anmelden und ganze 25 taten es. Anschließend sollte das Abendessen serviert werden mit den diversen Pastasorten, die vorher vorbereitet wurden.

Fusilli,Tagliatelle und Gnocchi waren die Sorten, die Giuseppe aussuchte. Nebeneinander saß man auf einer Bank im Innenraum des mittlerweile geschlossenen Lokals und folgte brav den Anleitungen von Giuseppe, der alternierend Englisch und ein wenig Deutsch sprach. Ich finde es ein wenig schade, daß die Protagonisten des Events nicht Italienisch redeten. Viele Journalisten sind erprobte Italienurlauber und verstehen die Sprache. Nun gut.

In einem günstigen Augenblick schnappte ich mir Giuseppe am vorderen Eingangsbereich des Lokals. Ich wollte ein Foto neben dem Schild, dieses aber lag am Tresen angelehnt, eben nicht gut positioniert für ein Foto. Der Chefkoch schlug vor, sich vor die Vitrine zu stellen, dort wo lecker aussehende Kekse lagen. Auf die Frage, was für ihn den Mehrwert ausmache, frische Pasta anzubieten, sprach der Gastgeber über Familientradition seiner Mutter und Großmutter. Vorher im lockeren Gespräch erzählte er, wie es sonntags bei seiner Familie zuging. „Alle haben zusammen Pasta gemacht. Die ganze Familie. Was kann man besser zusammen machen, als frische Pasta gemeinsam kochen?“ Es geht aber auch um die Zutaten, um Passione, um Liebe. Was sonst?

Nach seiner Auffassung soll dieses Ritual ein Ritual des Zusammenkommens sein, und dies wolle er fortführen. Die Frage, ob der Löwenanteil des Publikums aus Italien sei, verneinte er. Die Berliner kämen auch dorthin.

Ich habe mir Tagliatelle als Pasta zum Selbermachen ausgesucht, die ich selbst durch die Gittermaschine pressen durfte, nachdem ich Mehl, Salz und ein Ei zuerst in eine Teigmasse mit der Gabel mischen, dann ordentlich kneten sollte, dann in eine Teigkugel formen, um diese später festzudrücken, damit diese Kugel durch die Pastamaschine „Chitarra“ (Gitarre) geht. Dort haben wir bei mehreren Vorgängen die ursprüngliche Kugel in ein flaches Teilstück gepresst. Dann nochmal in die Maschine. Dann in der Mitte teilen, aber nicht bevor die Ecke mit einem besonderen – sehr scharfen – Werkzeug herausgenommen wurde. Maltagliati („krumgeschnitten“) heißen diese Teilstücke, die zum Beispiel in einer Suppe exzellente Verwendung finden können, so Giuseppe. Dann noch eine Prise Mehl zart aufgestrichen über den Teig (Ecken nicht vergessen), das Rädchen an der Maschine auf Nummer 6 gestellt (damit wird der Teig besonders fein), und den Teig auf die Arbeitsfläche gelegt zum ruhen. Finito!

Eine Frage, die ich unbedingt loswerden wollte: Ist es wirklich so, dass Gnocchi in der richtigen Konsistenz die schwierigste aller Pastasorten sind? „Nein“, sagte der Virtuose in Sachen Pastamanufaktur. Der Unterschied ist, dass Gnocchi etwas länger ruhen müssen, bevor sie ins heiße Wasser kommen.

Pasta und Sauce in Vielfalt

Für die gemachte Pasta durften die Gäste bei Tagliatelle eine unter drei verschiedenen Saucen aussuchen. Tagliatelle mit Fleischragout, Trüffelsoße mit Waldpilzen oder Basilikumpesto. Ich habe mich für Trüffel entschieden. Fusilli: Diese Pastasorte wird mit „Ferreto“ (Spindel) gemacht. Da gab es „nur“ eine Sauce: Aus Burrata* und Cima di Rapa (Stängelkohl). Zwei der Delikatessen werden auch bei „Gina Bistrot“ während der Homemade-Pasta-Tage angeboten. Es sind hausgemachte Fusilli mit Stängelkohl und Burrata oder hausgemachte Gnocchi mit einem Ragout aus Salciccia (italienische Wurst) und Pecorinokäse. Im Übrigen kommt die Burrata direkt aus Italien. Wie Giuseppe mit Stolz verlauten ließ, werden sie direkt aus Italien importiert und nicht ins Tiefkühlfach gelegt, wie so üblich in Deutschland, sondern in spätestens zwei Tage finden sie die Gaumen, die sie in kulinarische Extase versetzen werden. Was auch aus Italien kommt, ist der Pecorinokäse.

Unter den vielen Restaurants, die an diesem Event der Superlative teilnehmen, sind für die Gaumen sehr attraktive Angebote, zu Beispiel auch bei „Bruderherz“ in Charlottenburg. Für die Vegetarier ist die Auswahl von „Amazza che Pizza“, hausgemachte Raviolli gefüllt mit Ricottakäse in einer Tomatensoße mit Auberginen und Basilikum. Aber „Gina Bistrot“ in Mitte sammelt Pluspunkte bei der Vielseitigkeit der Saucen und natürlich für die Leidenschaft, mit der dort frische Pasta gemacht wird. In der Zionskirchstraße kann man auch Catering für Feierlichkeiten bestellen oder aber, was ja noch viel besser ist, direkt dort vor Ort feiern. In den Raum, in dem wir zu Gast waren, passen 25 Leute. Ein schönes Lokal, um im Sommer draußen zu sitzen oder zum Mittagstisch mit den Kollegen, oder aber, um wie Gott in Frankreich eine eigene Feier stattfinden zu lassen.

*Burrata ist ein italienischer Frischkäse vom Typ Filata. Burrata ist eine Sonderform der Mozzarella, wird aber überwiegend aus Kuhmilch hergestellt und hat etwa 44 % Fett i. Tr. Sie hat die Form eines kleinen Säckchens, in dessen Innerem sich eine Masse aus Sahne und Mozzarellasträngen befindet (Quelle: Wikipedia).

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