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Es lebe die italienische Esskultur in Berlin: True Italian Pizza Week (12.-18.04.2018)

Es bedarf keines Titels, um die Woche der True Italian Pizza Week in Berlin (und auch sonst wo) zu wiederholen, aber ein Titel der UNESCO-Weltkulturerbe ist eine willkommene Auszeichnung und hilft nicht nur dem eigenen schlechten Gewissen beim genüsslichen Ritual, sondern auch dem Marketing dieses Event. Und wenn das Italienische Kulturinstitut im jeweiligen Land mit von der Partie ist, dann steht dem kulinarischen Genuss der Pizza nichts mehr im Wege.

Vom 12. bis zum 18. April ist es mal wieder soweit. Für läppische 10 Euro können BerlinerInnen ein speziell entworfenes Menü (bestehend aus jeweils zwei Sorten) probieren. Ganze 29 Pizzerien beteiligen sich an dem inzwischen sehr beliebten Event.

Malafemmena (“Die bösen Frauen”) in Schöneberg.

Genannt wird das Restaurant nach dem Ohrwurm und Evergreen aus dem Jahr 1951, weltberühmt in der Stimme von Giacomo Rondinella. Ein zusätzliches Qualitätssiegel für das Restaurant mit dem wenig politisch korrekten Namen ist die besondere Ehre, als einzige Pizzeria in Berlin in den Verein der echten neapolitanischen Pizzerien (Associazione Verace Pizza Napoletana) aufgenommen worden zu sein, erläutert die Pressemitteilung, die wir von den Organisatoren ausgehändigt bekommen haben.

Vom Deutschlandradio, von der Agentur DPA und von etlichen Foodblogs (sogar aus Schweden!) waren VertreterInnen an einem herrlichen Frühlingsabend zusammen, um die insgesamt drei Pizzasorten zu probieren. Vorher gab es noch Vorspeise in Form von Finger Food. Eigentlich waren zwei Pizzasorten in der Pressemitteilung vorab angekündigt worden, aber Spontaneität kann das Geschäft beleben und in Italien (Neapel allemal) ist der Kunde wirklich König. Überraschungen inklusive.

Wer aber denkt, bei dem Restaurantnamen “Die böse Frau” muss mit einem muffigen oder gar unhöflichen Besitzer in der Dienstleistungswüste Berlin gerechnet werden, wird angenehm überrascht.

Emmanuele Cirillo, geboren 1982 in Neapel, ist stolz wie ein Spanier. Während der genannten Pressekonferenz, welche sich tatsächlich viel mehr als lockerer Talk herausstellte, erzählt der 36-Jährige, wie wichtig der Pizzateig sei, wie lange und warum er ruhen müsse und verrät, dass alle Pizzazutaten seines Restaurants aus Neapel kommen; eine bestimme Tomatensorte sogar aus der Nähe des Vesuvs am Golf von Neapel (Der Vesuv ist ein aktiver Vulkan auf dem europäischen Festland. Er liegt am Golf von Neapel in der italienischen Region Kampanien/Quellennachweis: Wikipedia)

Die logistische Herausforderung, die Zutaten aus Neapel nach Berlin zu bringen, kann man sich vorstellen. Besser ist es aber, die leckersten Tomaten auf Erden (in den Farben gelb und rot), nachdem sie zwei bis drei Wochen unter der Sonne Italiens auf der Plantage gehangen haben, auf der Zunge zergehen zu lassen. Auf meine Frage, ob diese paradiesischen Delikatessen in Berlin unter besonderen Temperaturen aufbewahrt werden müssen, erwidert er ganz pragmatisch: „Die kommen im Vakuum verpackt und müssen nicht einmal in den Kühlschrank“.

Spaß, Fußball und Toleranz

Der Boss in der Küche ist ein waschechter Neapolitaner. Problematisch wird es dann, wenn es um Fußball geht. Einige der Kellner sind glühende Juventus-Turin-Fans. „Ich darf wegen Fußballs meine Mitarbeiter nicht schlecht behandeln“, sagt er, als koste es ihn einige Überwindung aber die Korrektheit siege. Kein Wunder beim fußballverrückten Land Italien. „Gestern Abend haben wir das Spiel zusammen gesehen“, sagt er vergnügt und meinte das Spiel von Juventus x Real Madrid  im dem Turnier der Königsklasse, Champions League.

Die typische Pizza aus dem südlichen Neapel hat einen extrem dünnen Boden und luftige Ränder, genannt “alveolato”. Gebacken wird sie zwischen 50 und 80 Sekunden bei 54 Grad im typischen Neapel-Ofen. Irritierend war nurs, dass die Ränder (und die Rückseit) oft sehr schwarz gebacken und leider nicht essbar waren. Eine super nette Kollegin vom Deutschlandradio, Dena Kelishadi, und ich haben spekuliert, woher das kommen könnte (von der Machart vielleicht?) und haben uns fest vorgenommen, Emmanuele nach dem Grund für die schwarzen Ränder zu fragen. Dazu hat aber die Zeit zu fortgeschrittener Stunde nicht mehr gereicht. Es wurde spät, draußen regnete es nach dem sehr warmen Tag und Aufbruchstimmung machte sich breit, sodass sich die Runde schnell aufgelöst hat. Emmanuele musste seine Gäste verabschieden und nahm sich dazu sehr viel Zeit. Wann hat man schon auf einmal so viele Multiplikatoren im Hause?

Konkret, konkret, konkret

Weil in Deutschland eine besondere Liebe zu Eckdaten herrscht, habe ich Emmanuele Löcher in den Bauch gefragt und dabei sind viele Eckdaten ins Licht gerückt: Zwischen 24 und 48 Stunden muss der Teig im Kühlschrank ruhen. Er soll 250 Gramm schwer sein und ganz wenig Hefe enthalten. Dies dient der guten Verdauung und dem allgemeinen Wohlbefinden. „Wir wollen unseren Kunden nicht die Nacht rauben“, versicherte er.

Warum Berlino?

Wann er sich entschieden hatte, Pizzabäcker zu werden, wollte ich wissen und, ja, die unerlässliche Frage, warum überhaupt Berlin??? Bei aller Liebe, aber warum um Himmels Willen soll man von Neapel nach Berlin, diese Stadt in der es 7 Monate im Jahr kalt ist, dazu ohne Großflughafen, mit stetig steigenden Mieten und lauten Fahrradrowdies kommen? “Ich hatte eine Produktionsfirma und arbeitete damit fürs Fernsehen. Ich habe alles verkauft und bin nach Berlin gekommen.” O-Ton Emmanuele. Andere Details ließ er aus bis auf: “Ich hatte eine gute Freundin in Berlin“, in der Schwebe. Ich wollte wissen, ob es sich dabei um eine Freundin, also Causa Amore, handelte, denn was passt für einen Artikel über Kulinarisches besser als eine Liebesgeschichte, dachte ich mir. “Nein, nein“, antwortete er, dann aber auf Deutsch, “EINE Freundin”, korrigierte er.  Nachbohren wäre nicht geschickt, sagte mir  mein journalistisches Gespür. Fest steht: Es ist sein ganz persönliches Ritual. Der kommunikative und expansive Mann kommt immer wieder zu dem großen Tisch, um seinen Gästen auf den Zahn zu fühlen, und zum Ende des Abends hin fragte er, zwar volksnah allerdings viel zu leise bei der Geräuchskulisse, “Welchen Belag soll die letzte (die dritte) Pizza haben? Gemüse?”. Ich antworte: “Si!”, was auf Italienisch etwas wie “Ja” heißt, werde aber von einer Nachbarin links neben Klaus von der Agentur DPA, der wiederum zu meiner Linken sitzt, überstimmt. Es hat keine Aussicht auf Erfolg, wenn man im Rennen um die Aufmerksamkeit des Pizzabäckers von zwei anderen noch involvierten Personen überstimmt wird.

Frittierte Pizza wie bei Luisa Kocht, Pizzeria in Prenzlauer Berg

Positive Bilanz

Die Statistik von Malafemmena kann sich sehen lassen. Nach gerade mal drei Jahren in Berlin und anderthalb Jahre Restauranteröffnung, schaffte Emmanuele bei seinem Restaurant in Schöneberg eine stolze Auslastung: 70% der Besucher seien Italiener. 40% seien aus Neapel, erzählt Emmanuele temperamentvoll. Leute aus Leipzig und Cottbus wären schon gekommen, um die besonderen Pizzen aus dem Süden Italiens zu probieren. Emmanuele sagt von sich, er möchte die Kultur Neapels in Berlin bekannt machen. Ein Botschafter der guten und authentischen neapolitanische Küche. Mit der bösen Frau, “Malafemmena” also schaffte er einen Ort, der einladend für Gespräche und Begegnungen nicht italienischer sein könnte.

Die Tische sind mit dem notwendigen Abstand voneinander platziert, was mir als Restaurantgast sehr wichtig ist. Die Backecke ist offen und den Bäckern kann man aus nah und fern bei der Arbeit zuschauen. Fragen ist erlaubt und keiner guckt doof nach dem Motto: “Wat will der denn?”.

Vormerken! Freunde einladen!

Also, Geniesser des guten Geschmacks, der italienischen Lebensart, ab dem 12. April ist es soweit. Der Frühling ist ja auch schon da. Die Bedingungen könnten nicht besser sein. Die Pizza Week ist eine hervorragende Gelegenheit in die Restaurants zu gehen, extra dafür gemachten Pizzen zu probieren und, je nach Wohnbezirk, das Ambiente, das Essen und viel Zeit mit den Liebsten zu genießen.

Bei den Bewertungen in diversen Portale habe ich während der Recherche für diesen Artikel festgestellt, dass manche Meckerer vom Dienst, tatsächlich sich über den herrschenden Lärmpegel bei italienischen Restaurants beschweren. Ja, richtig gehört! Beschweren! Manch einer schaufelt lieber das Essen in andachtsvoller Stille in sich hinein, weil Gespräche sowieso anstrengend und lästig sind!

Bei True Italian Pizza Week wird das sicherlich nicht vorkommen, und wenn, dann als Ausnahmeerscheinung. Querulanten können ruhig und ungestört zu Hause bleiben und sich bei einer tiefgefrorenen Pizza das Zweite Programm zu Gemüte führen.

Unsere besonderen Empfehlungen:

  • Ristorante Francucci – Kurfürstendamm 90, 10709 Berlin.
    InBerlin hat für Euch recherchiert und nachgeschaut und ist fündig geworden: Während der True Italian Pizza Week gibt es folgende Sorten:
    Pizza mit Auberginen und Büffelmozarella und Basilikum
    oder
    Pizza Marinara mit Tomatensauce, scharfer Salami aus Kalabrien (Hot Hot Hot !)
    Homepage
  • Cafe Aroma – Hochkirchstraße 8, 10829 Berlin
    Dort wird schon gleich am Eingang am Tresen laut italienisch gesprochen. Die Besitzerin, bereits eine Legende im Bezirk, geht rum und spricht mit allen über Gott und die Welt oder aber auch “nur” übers Essen.
    Pizza mit Mozarella, Taleggio Käse (ein norditalienischer Weichkäse mit geschützter Herkunftsbezeichnung, er hat 48 Prozent Fett in der Trockenmasse) und Radieschen
    oder
    Pizza mit tomaten Sauce, Mozarella, italienische Wurst und Chicorre
    Homepage
  • Malafemmena – Hauptstraße 85 (Neben der Aral-Tankstelle), 12159 Berlin
    Pizza mit Tomatensauce, Mozzarella, Auberginen, gesalzenem Ricotta-Käse und Basilikum oder Pizza Margherita
    Die Webseite von Mallafemmena ist noch nicht freigeschaltet.

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Geräucherte Mozarella, Auberginen und Cherry Tomaten

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