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Wohnungsnot in Berlin: Der Kampf um eine bezahlbare Bleibe

Im Osten nichts Neues – dass es auch in Berlin immer schwieriger wird, eine günstige Wohnung zu finden, ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Wer in hippen Szenevierteln wie Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Prenzlauer Berg wohnen will, der dreht sich beim Anblick der langen Menschenschlangen bei Wohnungsbesichtigungen direkt auf dem Absatz um oder nimmt Massenbesichtigungen in Kauf und zahlt dafür einen hohen Preis. An der Französischen Straße zum Beispiel zahlt man durchschnittlich bereits knapp 1000 Euro für eine Zwei-Zimmerwohnung mit 70 Quadratmetern. Herrschen in Berlin also bald Münchener Verhältnisse?

Berlin - Karl-Marx-Allee
begehrte Wohngegend – Berlin-Friedrichshain – Karl-Marx-Allee

Wer sich derzeit in der Hauptstadt auf Wohnungssuche begibt, erlebt teils Kurioses. Obwohl sich die Mieten in manchen Kiezen seit 2009 fast verdoppelt haben, ist schon wenige Stunden nach einen Wohnungsinserat der Ansturm immens. Denn freie Wohnungen sind rar – jährlich kommen Zehntausende nach Berlin, um hier zu arbeiten und zu wohnen. Damit Zuzügler nicht gezwungen sind, unter dem Brandenburger Tor zu kampieren, müssten bis 2020 jährlich über 20.000 neue Wohnungen gebaut werden. Die meisten Neubauten, die in Berlin entstehen, gehören jedoch zum hochpreisigen Segment, wie Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins betont. Wer aktuell einen Schlafplatz braucht und bereit ist, Kompromisse zu machen, der findet in der Hauptstadt aber nach wie vor eine günstige Bleibe.

Auf Randbezirke ausweichen

Bei allem Grund, die aktuelle Lage als bedenklich zu betrachten: Im Vergleich zu anderen Metropolen sind die Immobilienpreise in der Hauptstadt immer noch sensationell günstig. Besonders niedrige Mieten zahlten Berliner 2016 in:

  • Falkenhagener Feld
  • Wilhelmstadt
  • Kaulsdorf
  • Hellersdorf
  • Marzahn
  • Neu-Hohenschönhausen
  • Falkenberg
  • Wartenberg
  • Malchow

Natürlich träumen wohl die Wenigsten davon, in einer Plattenbausiedlung oder Vierteln mit sozialen Brennpunkten zu leben. Orientiert man sich jedoch an deren Rand, der an beliebtere Bezirke angrenzt, ist der Weg zur Arbeit oder Universität meist schon gar nicht mehr so weit, die Umgebung schön und die Wohnung ein echtes Schnäppchen. Wo genau die Mieten besonders niedrig oder hoch sind, zeigt dieser Berliner U-Bahn-Mieten-Fahrplan von Immobilienscout24:
Miet-Map Berlin

Renovierungsbedürftige Wohnungen

Eine weitere Alternative ist, speziell nach renovierungsbedürftigen Wohnungen Ausschau zu halten – hier lassen sich kulante Vermieter oft auf einen guten Deal ein, wenn der Mieter in spe sich verpflichtet, Schönheitsreparaturen und Arbeiten wie das Tapezieren, Abschleifen des Dielenbodens oder den Austausch beziehungsweise Einbau der Küche und Sanitäranlagen selbst zu übernehmen. Saniert der Eigentümer hingegen selbst, geht das bei einem Badezimmer beispielsweise mit einer Mieterhöhung einher.

Wer handwerkliches Geschick hat oder jemanden kennt, der vom Fach ist, der kann also einiges sparen und die Wohnung nach seinen Wünschen gestalten. So kann der Mieter etwa frei entscheiden, ob er einen Laminatboden in Holzoptik anstelle eines gräulichen PVC- oder Teppichbodens verlegt, beim Fachhändler im Netz eine bodengleiche Dusche bestellt oder die vorhandene rostige Badewanne behält. Und ebenso, ob die Blümchentapete einem schlichten Cremé-Ton weichen soll. Bevor die Ersten jetzt schon enthusiastisch Hammer und Tapezierband aus dem Keller holen: Es sollte klar sein, dass sich diese Arbeiten nur auszahlen, wenn der Renovierungsbedarf nicht zu hoch ist und man vorhat, längere Zeit in der Wohnung zu bleiben – eine Berliner Bruchbude ohne Wärmeisolierung und Asbest in den Fenstern bleibt meist nämlich auch nach einer kostenintensiven Renovierung eine Bruchbude.

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