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Zu Besuch im Depot vom Museum für Kommunikation

Jedes größere Museum hat in der Regel ein Depot für die ganzen Exponate und Fundstücke, welche sich über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte angesammelt haben. Der Autor dieses Artikels hatte die Möglichkeit das Depot vom Museum für Kommunikation zu besichtigen. Das eigentliche – natürlich sehenswerte – Museum und somit auch der bekanntere Teil ist in der Berliner Stadtmitte (Leipziger Straße 16) zu finden in einem schönen barocken Bau, dem ehemaligen Reichspostmuseum (gegründet von Heinrich von Stephan im Jahre 1872), nicht weit entfernt vom Leipziger und Potsdamer Platz. In der Dauerausstellung geht es um die Entwicklung der Kommunikationsgeschichte, quasi von der Buschtrommel über die ersten gedruckten Bücher bis hin zum heutigen Zeitalter wo elektronische Helferlein und das Internet ein neues Kapitel aufgeschlagen haben.

alte Briefkästen (Depot vom Museum für Kommunikation in Berlin)
alte Briefkästen (Depot vom Museum für Kommunikation in Berlin)

Das Depot hingegen ist etwas dezentraler gelegen, in der Ringbahnstraße im Bezirk Schöneberg-Tempelhof und so auch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. 13 feste Mitarbeiter und temporäre freie Mitarbeiter kümmern sich um die Schätze des Museums, so hat das Hauptmuseum 4.000 Exponate parat, so sind es im Depot circa 1,5 Million Exponate, wobei gleich gesagt werden sollte, das darunter viele (relevante) Briefe verschiedener Epochen dabei sind, welche aber nicht soviel Platz benötigen. Die Hauptaufgabe der Depotverwaltung ist die Aufnahme und Verwaltung bzw. Inventarisierung neuer Exponate. Auch mögliche Sonderausstellungen werden hier schon vorbereitet. Architektonisch war dieser Standort mal ein Kornspeicher (u.a. ehemals erkennbar an den vielen Löchern im Boden – relevant zur Verteilung des Getreides), eher es 1928 zur Reichspost wechselte. Es folgte eine teilweise Zerstörung im zweiten Weltkrieg mit einer zweckgebunden Sanierung danach. Zu Mauerzeiten waren die Nutzer der (West-)Berliner Senat und die Post, in der Gegenwart  – nun die Nutzung als Depot.

Das Depot verteilt sich auf mehrere Ebenen mit jeweiligen Schwerpunkten, angefangen von Briefen und Poststempel. Drum herum gehört auch die  Büroausstattung in einer Post wie Stühle, Tische, andere Möbel/Maschinen und Kleinutensilien wie Stempel, Karten. Postbeamte brauchten natürlich auch schicke Kleidung – welche sich über die Jahrhunderte – quasi mit der Mode – geändert hat. Fehlen dürfen natürlich auch keine Fortbewegungsmittel wie das Fahrrad oder sogar Schlitten sowie Modelle von Kutschen, Zügen, Bussen und Schiffen (Anmerkung: diese und andere Original-Objekte befinden sich in anderen Depots). Zu finden sind im Berliner Depot noch Objekte wie Reklameschilder, Marketingobjekte wie ein schöner gelber Strandkorb.

Allein die Briefe sind ein Museum wert, es wurden viele Alltagsbriefe archiviert wie von der Feldpost im ersten Weltkrieg und dem zweiten Weltkrieg, des weiteren die Dokumentation von Auswanderen und auch der Postverkehr zu Mauerzeiten. Die wichtige Frage ist natürlich: Wie kommen die Exponate ins Depot/Museum. Zumeist sind es Schenkungen, welche nach einem Aufruf erfolgten. Dann erfolgt in der Regel eine Evaluierung des Umfeldes zum ausgewählten Exponat u.a. mittels eines Fragebogens. Im Fall der Feldpost wäre es zum Beispiel wichtig zu wissen, welchen (Armee-)Rang, welchen Bildungsgrad und in welchen Verhältnissen lebte der Absender. Letztendlich ist dies wichtig, den Fund jeweils korrekt einzuordnen, letztendlich kann ja nicht alles archiviert werden, daher müssen Schwerpunkte gesetzt werden – um einen repräsentativen Querschnitt abbilden zu können, z.B. alle (Armee)-Rangpositionen.

Poststempel-Sammlung (Depot vom Museum für Kommunikation in Berlin)
Poststempel-Sammlung (Depot vom Museum für Kommunikation in Berlin)

Fazit: Puhhh, das Depot komplett zu sichten ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Daher gibt es zum Glück fleißige Mitbürger, die es uns in aufbereiteter und verdaulicher Form präsentieren -> dann im Museum. Es war ein schöner Blick hinter die Kulissen, gerne mehr davon. Bei Fragen zum Depot einfach an das Museum für Kommunikation wenden. Ansonsten sagen Bilder mehr als tausend Worte, es folgt eine umfangreiche Bildergalerie.

Bildergalerie (klicken zum vergrößern):

About waldnase

Komme aus der Provinz und seit 1999 Berliner! Mich interessiert hauptsächlich Geschichtliches und Kreatives aus der spannendsten Metropole Deutschlands.

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4 comments

  1. Das Vorschaubild mit dem Strandkorb ist total schick, darf man das anderweitig verwenden?

  2. Von Telefonzellen habe ich jetzt hier gar nichts gelesen? Sind die nicht mit an Board?
    Gruß
    Daniel

    • Gut erkannt, Telefonzellen sind tatsächlich nicht im Berliner Depot vorhanden. Diese befinden in einer von den beiden anderen Außenstellen in Deutschland, welche große Hallen haben.

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