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Die Berliner „Kommode“ – Die Alte Bibliothek am Bebelplatz

Die Alte Bibliothek befindet sich auf der Westseite des Bebelplatzes (dem Platz der Bücherverbrennung), direkt am Anfang der Straße Unter den Linden. Das barocke Gebäude wurde  1775 – 1780 von Georg Friedrich Boumann nach Plänen von Georg Christian Unger erbaut. Dieser sollte sich an Entwürfe des österreichischen Baumeisters Joseph Emanuel Fischer von Erlach anlehnen, so ähnelt die Alte Bibliothek stark der als Michaelerfront bezeichneten Nordfassade der Wiener Hofburg. Kurios daran ist, dass der Plan des Österreichers erst zwischen 1889 und 1893 realisiert wurde, so ist die Berliner Kopie mehr als hundert Jahre früher fertiggestellt worden als das Wiener Original. Wegen ihrer geschwungenen Front wird die Alte Bibliothek von den Berlinern auch „Kommode“ genannt.

Auftraggeber war König Friedrich II (Friedrich der Große), der dort seine 150.000 Bände umfassende königliche Büchersammlung aufbewahren wollte. Deshalb wurde die Bibliothek zunächst auch „Königliche Bibliothek“ genannt. Sie war der erste selbständige Bibliotheksbau Berlins. Zum ersten Mal hatte so auch jeder Bürger Zugang zu dieser Literatur, die zuvor im Stadtschloss untergebracht war und nur nach Anmeldung Angehörigen des Adels, Ministern und höheren Staatsbeamten sowie Wissenschaftlern vorbehalten war. Passend daher auch der Spruch über dem Portal „nutrimentum spiritus“ („geistige Nahrung“).

Die Bibliothek umfasste 1905 bereits etwa 1,2 Mio. Bände und war so gemäß ihrer Benutzung und ihres Bestandes die größten Bibliothek des deutschen Sprachraums. Bald konnte das Gebäude die Bücher nicht mehr fassen. Daher wurde ein Neubau errichtet und die Bibliothek zog 1914 in das von Ernst von Ihne errichtete Gebäude Unter den Linden 8. Ab 1918 hieß sie dann Preußische Staatsbibliothek, und das Ursprungsgebäude „Alte Bibliothek“. Die jetzige Staatsbibliothek zu Berlin ist mit ca. 10 Mio. Bänden die größte Universalbibliothek Deutschlands. Nach dem Auszug der Bibliothek wurden die Räumlichkeiten als Hörsäle der Friedrich-Wilhelms-Universität (jetzt Humboldt Universität) genutzt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude von Fliegerbomben schwer beschädigt, 1945 brannte es bis auf die Umfassungsmauern aus. Der Wiederaufbau wurde von 1963 – 1969 unter der Leitung von Werner Kötteritzsch durchgeführt. Dabei wurde die Fassade nach historischem Vorbild rekonstruiert. Seitdem wird das Gebäude als Sitz der juristischen Fakultät der Humboldt-Universität genutzt.

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War 4 Jahre lang "Berliner" - im Moment hat es mich ins Rheinland verschlagen. Aber mein Herz geht immer noch auf, wenn ich nach Berlin komme! :-)

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One comment

  1. Als Umzugsunternehmen seit 2004 bin auch ein Liebhaber von Berlin 🙂

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