Entdecke Alt-Tempelhof: Von Graf Arco bis Rudi Dutschke

Alt‑Tempelhof gehört zu den geschichtsträchtigsten Ortsteilen Berlins. Bekannt ist der Stadtteil vor allem durch den ehemaligen Zentralflughafen Berlin‑Tempelhof, der bereits 1923 den Linienverkehr aufnahm und bis 2008 zu den drei internationalen Flughäfen im Großraum Berlin zählte. Doch Tempelhof ist weit mehr als ein Ort der Luftfahrtgeschichte. Ein Spaziergang durch Alt‑Tempelhof führt tief hinein in spannende historische Ereignisse, architektonische Besonderheiten und überraschende Persönlichkeiten.

Gedenktafel Graf Arco
Gedenktafel Graf Arco

Rundgang durch Alt‑Tempelhof – Startpunkt Albrechtstraße

Eine ausführliche Tourbeschreibung – vom U‑Bahnhof Alt‑Tempelhof bis zum S‑Bahnhof Priesterweg – bietet die lialo‑App. „In Tempelhof steht ein Ochse aus Berlin“.

Sie lässt sich problemlos mit dem Smartphone öffnen.

Dies ist Teil 3 der Tour, die in der Albrechtstraße 48 beginnt, wo eine Gedenktafel an den bedeutenden Physiker und Elektroingenieur Georg Graf von Arco erinnert. Er lebte hier von 1911 bis 1926 und zählt zu den prägenden Erfindern der frühen Funktechnik.

Der Friedensplatz und die geheimnisvolle Spukvilla

Nur wenige Schritte weiter öffnet sich der kreisrunde Friedensplatz, dessen Name vermutlich auf den Frankfurter Frieden von 1871 zurückgeht. Der Vertrag beendete den Deutsch‑Französischen Krieg und leitete die wirtschaftlich dynamische Gründerzeit ein.

Am Platz steht eines der ungewöhnlichsten Gebäude Tempelhofs: die Spukvilla in der Albrechtstraße 110. Das 1867 im Stil eines Schweizerhauses errichtete Gebäude ist das letzte erhaltene Beispiel der einstigen Villen‑ und Landhausbebauung des Ortsteils.

Friedensplatz
Friedensplatz

Der Legende nach soll hier die Kriegskasse Napoleons vergraben worden sein. Bei späteren Umbauten seien Skelette und Uniformen französischer Soldaten entdeckt worden – seither, so heißt es, spuken ihre Geister durch das Haus. Heute befindet sich in der Spukvilla eine Seniorenbegegnungsstätte der AWO.

Friedrich‑Franz‑Straße: Glaubenskirche und Askanisches Gymnasium

Der Weg führt weiter in die Friedrich‑Franz‑Straße, die von zwei imposanten Gebäuden geprägt wird:

  • Glaubenskirche mit ihrem 50 Meter hohen Turm
  • Askanisches Gymnasium, eines der traditionsreichsten Berliner Gymnasien
Glaubenskirche
Glaubenskirche

Das Gymnasium wurde 1875 gegründet und trug seinen Namen ursprünglich aufgrund seiner Lage am Askanischen Platz in Friedrichshain‑Kreuzberg. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs befindet es sich in Tempelhof. Heute lernen hier über 600 Schülerinnen und Schüler – mit der Besonderheit, dass Chinesisch als Fremdsprache angeboten wird.

Zu den bekanntesten Schülern zählen:

Rudi Dutschke, Wortführer der Studentenbewegung der 1960er Jahre

Hans Baluschek, bedeutender Maler und Illustrator

Fritz J. Raddatz, renommierter Feuilletonist

Dutschkes Deutsch‑Abiturarbeit wurde mit der Bestnote bewertet. 1968 überlebte er ein Attentat schwer verletzt; an den Spätfolgen starb er 1979.

Gymnasium
Gymnasium

Albrecht Kunth: Der vergessene Geologe Tempelhofs

Am Eingang des Gymnasiums erinnert eine Gedenktafel an den Geologen Albrecht Kunth. Auf dem Gelände befand sich um 1800 eine Sand‑ und Kiesgrube, in der Kunth über 200 fossile Arten entdeckte – darunter die nach ihm benannte Schnecke Paludium diluviana Kunth, ein Leitfossil der ersten Zwischeneiszeit.

Gedenktafel Kunth
Gedenktafel Kunth

Kunths Forschung lieferte wichtige Erkenntnisse zur Eiszeitforschung, doch der junge Wissenschaftler starb bereits mit 29 Jahren. Erst 1989 wurde ihm mit der heutigen Gedenktafel wieder öffentliche Anerkennung zuteil.

Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

About KT-Berlin

Hallo! Mein Name ist Klaus und ich bin seit einigen Jahren im Ruhestand. Ich bin gern unterwegs, genieße die Natur oder erkunde auf Reisen Land und Leute. Der Schwerpunkt der Unternehmungen liegt in Berlin und Brandenburg. Ich will von Stadtspaziergängen und Radtouren durch den „Dschungel“ der Großstadt berichten und dabei Tipps geben und Hintergründe erklären. Berlin hat viele Persönlichkeiten, deren Spuren ich aufnehme, Geschichten die erzählt werden müssen und unzählige Ansichten, die es lohnt im Bild festzuhalten.

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