Berlin als Klassenzimmer: So machen Schulfahrten wirklich Spaß und weniger Arbeit

Berlin hat als außerschulischer Lernort eine große Dichte an historischen, politischen und kulturellen Schauplätzen. Vom Reichstag bis zur Gedenkstätte Berliner Mauer, von der Museumsinsel bis zur East Side Gallery: An vielen Orten wird der Unterrichtsstoff vor Ort tatsächlich lebendig. Damit eine Exkursion aber mehr wird als ein Spaziergang mit Daten und Fakten, braucht sie klare Lernziele, eine gute Vorbereitung und eine realistische Organisation.

Reichstag als Ausflugsziel (Foto: Federico Orlandi / Pexels.com)
Reichstag als Ausflugsziel (Foto: Federico Orlandi / Pexels.com)

Lernziele vor Sehenswürdigkeiten

Der größte Fehler bei Klassenfahrten oder Tagesexkursionen ist die Orientierung an den Sehenswürdigkeiten und nicht an den Kompetenzen. Eine Stadtführung sollte sich an den Lehrplaninhalten aus Geschichte, Politik, Gesellschaftskunde oder Kunst orientieren. Lehrkräfte tun gut daran, sich vorher auch folgende drei Fragen zu stellen: Welche Kompetenzen sollen gefestigt werden? Welches Alter haben die Teilnehmenden? Wie lange kann die Aufmerksamkeitsspanne realistisch gehalten werden?

Interaktive Formate mit Arbeitsaufträgen oder Diskussionsimpulsen fördern nachhaltigeres Lernen mehr als reine Vorträge. Stadtführungen für Schulklassen zeigen, dass thematische Schwerpunkte wie etwa zur deutschen Teilung oder zur NS-Zeit mit altersgerechten Methoden kombiniert werden können. Entscheidend bleibt, dass Inhalte didaktisch aufbereitet sind und nicht nur eine Aufzählung von Jahreszahlen darstellen.

Terminplanung, Gruppengröße, Sicherheit

Neben dem pädagogischen Konzept entscheidet aber die Logistik über den Erfolg. Eine realistische Terminplanung rechnet Wegezeiten und Wartezeiten an Sicherheitskontrollen und Pausen ein. Vor allem in zentralen Bezirken (wie Mitte) sind große Besucherströme an der Tagesordnung, eine Führung darf also nicht zu eng getaktet sein.
Von der Gruppengröße hängt in hohem Maße die Qualität ab. Große Klassen lassen sich in kleine Gruppen unterteilen, die mit eigenen Betreuern versehen sind, die Aufsichtspflicht muss vorher festgelegt werden, Treffpunkte, Notfallkontakte, Verhaltensregeln sind Selbstverständlichkeiten jeder Planung.
Der dritte Punkt ist die Barrierefreiheit. Nicht alle historischen Orte sind vollständig zugänglich. Vorabinformationen über Treppen, enge Wege, Sitzgelegenheiten dienen der Planung und schonen einzelne Schülerinnen und Schüler.

Berlin als Lernraum strukturiert nutzen

Berlin ist wie geschaffen für projektorientiertes Lernen. Woanders wird häufig nur zugehört, doch hier können Klassen  Aufgaben bearbeiten, Interviews führen und kurze Präsentationen vorbereiten. Themen wie Demokratieentwicklung, Stadtgeschichte oder Erinnerungskultur lassen sich direkt im Stadtraum verorten. Und der Bezug zur Gegenwart sollte nicht fehlen. Politische Institutionen, Medienhäuser und Initiativen liefern Anknüpfungspunkte für aktuelle Debatten. Eine strukturierte Nachbereitung im Unterricht sichert den Lernerfolg. Reflexionsrunden, kurze Berichte, Gruppenarbeiten helfen, Eindrücke einzuordnen und Wissen zu festigen.

Wetter und Jahreszeit sind ebenfalls Punkte. Außenführungen im Winter verlangen nach kurzen Etappen und geeigneter Bekleidung. Der Besuch von Innenräumen und Museen ist dann ebenso einplanbar. Flexibilität ist hier ein organisatorischer Vorteil.

About Spreebootfahrer

Liebe das Wasser und die Großstadt Berlin.

Check Also

Landschaftsfriedhof Eythstraße

Entdecke Alt-Tempelhof – Vom vergessenen Geologen bis zum größten Ochsen Berlins

Alt-Tempelhof gehört zu den geschichtsträchtigsten Ortsteilen Berlins. Bekannt ist der Stadtteil vor allem durch den …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.