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Gemeinsam gegen das Vergessen – Das Frauenorchester von Auschwitz

Frieden leben – Erinnerung bewahren: Die Oper „Das Frauenorchester von Auschwitz“ des Komponisten Stefan Heucke beschäftigte im Juni 50 Nachwuchsmusikerinnen der Musikschulen Berlin-Neukölln und Auschwitz. Anlässlich des 5. Friedensfestivals Berlin interpretierten die 14- bis 18-jährigen Mädchen bei zwei gemeinsamen Konzerten die „Frauenorchester-Suite“, einen Auszug mit sechs Stücken aus Heuckes vielbeachtetem Opernwerk.

Deutsch-polnische Musikbegegnung: 50 Musikschülerinnen führten in Berlin und Oswiecim die Suite aus Stefan Heuckes Oper "Das Frauenorchester von Auschwitz" auf. Foto: Heucke.
Deutsch-polnische Musikbegegnung: 50 Musikschülerinnen führten in Berlin und Oswiecim die Suite aus Stefan Heuckes Oper „Das Frauenorchester von Auschwitz“ auf. Foto: Heucke.

Zu hören war die Komposition in der Berliner Gedächtniskirche und im Konzertsaal der Musikschule des heutigen Oswiecim/Polen. Die Konzertreihe war Teil der Friedens- und Gedenkbegegnung zum Thema „Gemeinsam gegen das Vergessen“, mit der das Hauptstadt-Festival jedes Jahr die Erinnerung an die Folgen der nationalsozialistischen Machtergreifung vor 80 Jahren im Bewusstsein hält.

Seit 2012 unterstützt Stefan Heucke das Friedensfestival Berlin ehrenamtlich, nachdem die Projektleiterin Ina Edelkraut gezielt auf den Komponisten zukam. „Ursprünglich wollte die Leitung die komplette Oper aufführen. Wegen des extrem hohen Aufwands und der großen Zahl an benötigten Darstellern folgte man meinem Rat, sich auf die Frauenorchester-Suite zu beschränken“, so Stefan Heucke. Bei den Proben in Berlin und Oswiecim stand der Hans-Werner-Henze-Preisträger den Nachwuchsensembles beratend zur Seite. Der Komponist moderierte die Aufführung in der Gedächtniskirche und begleitete das Orchester im Juni auch auf seiner Reise nach Polen.

Komponist Stefan Heucke, hier mit der polnischen Übersetzerin Aleksandra Kubicka nach der Aufführung in Oswiecim, engagiert sich bereits seit einem Jahr ehrenamtlich für das Friedensfestival Berlin. Foto: Heucke.
Komponist Stefan Heucke, hier mit der polnischen Übersetzerin Aleksandra Kubicka nach der Aufführung in Oswiecim, engagiert sich bereits seit einem Jahr ehrenamtlich für das Friedensfestival Berlin. Foto: Heucke.

Brücke in die Zukunft
Für die Gäste aus Deutschland war der Besuch im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau besonders bewegend. Neben einer Gedenkzeremonie anlässlich des ersten Transports an die Stätte der Vernichtung am 14. Juni 1940 besuchten die jungen Musiker auch das ehemalige Lagergelände, wo das Frauenorchester einst für Nazi-Arzt Mengele und seine Helfershelfer aufspielen musste. Stefan Heucke: „Am Konzertabend waren auch Überlebende der Lagerhaft anwesend. Sie begrüßten unser Projekt als Brücke in eine gute, gemeinsame Zukunft.“ Nach der Premiere möchte der Komponist nun gemeinsam mit den Organisatoren des Friedensfestivals die deutsch-polnische Musikbegegnung im Sommer 2014 im größeren Rahmen fortsetzen.

Die Heucke-Oper „Das Frauenorchester von Auschwitz“ wurde 2006 im Musiktheater Krefeld/Mönchengladbach in Anwesenheit von Anita Lasker-Wallfisch, eine der letzten Überlebenden des Frauenorchesters, uraufgeführt. Das Werk fand international große Beachtung. Die Oper basiert auf den Geschehnissen im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, die sich aus Büchern der Überlebenden und anderen historischen Dokumenten rekonstruieren lassen. Danach fanden sich in den Jahren 1943/44 Profi- und Laienmusikerinnen zu einem Häftlingsorchester zusammen, das auch für den Nazi-Arzt Josef Mengele und die SS aufspielen musste. Unter der Leitung der Geigerin Alma Rosé, Nichte des Komponisten Gustav Mahler, setzten die Musikerinnen rund 200 Werke der Klassik mit ihren Mitteln um. Da alle Noten des Orchesters seit Kriegsende als verschollen gelten, rekonstruierte Stefan Heucke die Musik des Frauenorchesters für seine Oper und die Suite.

Mehr Informationen:
www.heucke-stefan.de
www.friedensfestival.org

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Gastbeiträge von Partnern (einige Gastbeiträge können per Email an info[at]inberlin.de eingereicht werden.

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