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Gastronomisches Konzept am Plötzensee mit Hamburger Kreationen als Slow Food läßt die Gaumen feiern

Berlin hat in vielen Bereichen einige Vorzüge, allesamt für Einheimische, Zugezogene und Touristen. Mit der Gastronomie tut sich die Hauptstadt nach wie vor sehr schwer. Das größte Problem sehe ich in der schlechten Schulung der Kellner.

Das Hauptgebäude
Das Hauptgebäude

Kommt Besuch von außerhalb und möchtest Du mit Deiner Stadt unter gastronomischen Gesichtspunkten angeben? Lass es lieber. Es wird scheitern. Der Blog hatte berichtet über negativen Erfahrungen am Beispiel des Microsoft Cafés, bei dem sich seit dem Bericht nichts an dem Cateringformat und Stil geändert hat. Manche Leute verwechseln Unfreundlichkeit und Berliner Schnauze. Also ist Vorsicht geboten in Sache Gastronomie und der damit verbundenen Dienstleistung, die oft keine ist.

Foodtruck auf dem Geländ des Plötzensee

Die empirische Beobachtung trifft ganz selten bei dem sogenannten Luxus-Segment zu. Aber darüber geht es heute nicht. Wohl aber um eine Nische dort, wo man nicht gerade vermutet, dass Dienstleistung oder gar die Qualität der Zutaten ein Problem sein könnten. Das bisherige Konzept des Freibades Plötzensee wird gerade umgekrempelt. Der Beach Club ist fertig. Das Restaurant noch nicht. Was die Gastronomie dort anbelangt, gibt es neben dem Bio-Eis einen Food Truck, der Hamburger verkauft. Schwimmen macht hungrig. Vor der großen Treppe, die zum Strand führt, riecht es nach Pizza, die sofort Erinnerungen an italienische Krimis hervorruft. „In Flagranti“ lädt zum Schmunzeln ein. Während gerade der italienische Innenminister Salvini aus reinem Kalkül das Land in noch eine größere politische Krise stürzt, machen die Italiener beim „In Flagranti“ in Berlino eine gute Figur.

Auf dem Gelände des Plötzensees liegen drei Food Trucks: Das Bio-Eis aus Kreuzberg, das „In Flagranti“ und der dritte im Bunde ist der Fokus diesen Artikels.

Als ich bei einem besonders heißen Sommertag die Schlange für die Hamburger gesehen habe, musste ich feststellen, dass der Grunde dafür mehr als nur der Hunger nach dem Schwimmen sein müsste. Ich bestellte den Italian Beef Burger, den es für den fairen Preis von 6,00 € gibt. Dann ist der Groschen gefallen. Abgesehen davon, dass das Fleisch des Hamburgers eine in den Kategorien Konsistenz, Farbe und Geschmack punktet, ist die Cranberry-Barbecue-Sauce ein Gedicht. In der Fußballsprache wird dafür das Adjektiv „überragend“ verwendet. Die Mischung aus Fleisch und Sauce lässt diesen Hamburger zu einem kulinarischen Erlebnis werden – auch dort, wo die Massen in erster Linie anrücken, um die heißen Tagen draußen zu genießen, zu plantschen, zu schwimmen. Auf den ersten Blick scheint es ein Widerspruch zu sein. Nicht aber, wenn man das gesamte Konzept des neuen Betreibers unter die Lupe nimmt. Auch der Bereich Service und Freundlichkeit lässt nun gar nicht Berlin vermuten.

Food Truck auf Italienisch ist ein Familienbetrieb: Yücel samt Gattin und langjährigem Geschäftspartner Ilhan, der für die Kreationen zuständig ist. In früherer Zeit habe beiden ihre Brötchen gemeinsam in der Berliner Gastronomie verdient. Heute bilden sie junge Leute bei der Industrie- und Handelskammer aus. Es schwingt ein bisschen Stolz in Yücels Stimme mit, wenn er darüber erzählt. Man sei außerdem damit beschäftigt, zukünftige Projekte zu schnüren, das sei aber noch geheim. Vielleicht ihre Kreationen anderswo verkaufen, verreisen …, die Pläne seien noch nicht spruchreif, hieß in geheimnisvoller Rhetorik.

Die Macher Yücel Öc und Ilhan Catak

Über die Kreationen erfuhr ich an jenem Nachmittag bei Sonnenschein und konnte ein Gespräch mit den beiden nur anleiern, weil aus mir unerklärlichen Gründen das Publikum an jenem Nachmittag dem Freibad fern blieb. Beide, die immer hinterm Tresen sind, sind durchgehend beschäftigt. Die Rezeptkombinationen werden zunächst intern ausgelotet, ausprobiert und ausgewertet, bevor sie ans Volk gelangen.

Ob es sich um eine Hamburger-Manufaktur handele, will ich wissen.

Wir wollen wirklich einen Zeichen setzen und dass es den Leuten schmeckt. Wir machen kein Fast-Food, die Leute müssen ein bisschen länger warten. Auch bei den Pommes ist das so.

Was ist das besondere daran, am Plötzensee zu sein, unter der neuen Leitung mit anderen Akzenten?

Ich finde hier eine der besten Locations in Berlin, würde ich sagen. Und ich glaube, der Michel, der das hier betreibt, hat ein sehr großes Know-how und genau weiß, was er macht. Man kann nicht einfach hier vorbeikommen und Sachen verkaufen. Er sucht sich die Leute genau aus. Man muss erst vorstellig werden, dann schaut er sich das Angebot genau an. Er entscheidet schnell, aber gut.

Der Hamburger, den ich gerade eben probiert habe, schmeckte richtig edel, fast schon exquisit. Was ist das Geheimnis?

Das sind die Zutaten, die wir drin haben. Was Sie genommen haben, ist mit einer Trüffelpilzcreme, Cranberry-BBQ-Sauce und gegrilltem Paprikasalat mit Pilzen. Eine schöne Mischung. Was den Hamburger außerdem ausmacht, ist das Fleisch, der Bereich, aus dem wir es nehmen. Das verraten wir natürlich nicht. Dazu kommt noch die Kombination aus Fettgehalt und ein paar italienischen Gewürzen.

Bevor der Eindruck entsteht, es handele sich hier um einen bezahlten Werbetext für den Food Truck, kann ich dem einen oder anderen den Wind aus den Segeln nehmen und aufklären, dass mein Fleischkonsum seit Jahren eine seltene Angelegenheit geworden ist. Eher die mediterrane Küche lässt mich schwach werden. Das gastronomische Angebot mit einem Slow-Food-Hamburger in einem sich im Wendeprozess befindenden Freibad war jedoch Anlass genug, im Rahmen der Recherchen in den Genuss dieser Kreationen zu kommen. Von Reue kann ich nichts spüren.

Die Zusammensetzung und Konsistenz der Sauce hat mich gaumentechnisch schlicht und einfach umgehauen. Den Veggie-Burger habe ich mir auch zur Gemüte geführt (siehe Photo). Mein Skepsis hinsichtlich des Gemüseburgers, die sonst nach nichts schmecken, löste sich in Luft auf. Aber mit Pesto kann ich mich nicht anfreunden. Und überhaupt. Wenn schon Hamburger, musst er schon aus Fleisch sein.

Solange sich noch die Sonne hartnäckig am Berliner Himmel präsent zeigt, oder bis Ende September, hat man die Möglichkeit, die Hamburger-Kreationen zu genießen und auch die anderen beiden Trucks zu besuchen. Schwimmen, chillen am Beach Club und sogar in der Hängematte herumliegen kann man auch, und das mitten in Berlin.

Instagram: Trucktoria.Berlin

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