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Von Spitzeln, Spionen und Agenten

Wer bisher nicht wusste, dass Berlin im Kalten Krieg die Hauptstadt der Spione war, weiß es spätestens nach dem Besuch des Spionagemuseums am Potsdamer Platz. Das Museum thematisiert nicht nur die Spionagetätigkeiten in Berlin, sondern gewährt einen Einblick in die Geschichte und die Techniken der Spionage.

Alles beginnt, wie es sich gehört, am Anfang. In einem tunnelartigen Raum wird den Besuchern nach dem Eintreten die Geschichte der Spionage, der Geheimdienste und Agenten von den frühesten Zeiten bis hin zu den Weltkriegen präsentiert. An Touchscreens warten viele Texte darauf, gelesen zu werden. Nach dieser Einführung, die je nach Lesemotivation fünf Minuten bis eine Stunde dauert, geht es die Treppe hinauf. Jetzt konzentriert sich die Ausstellung auf das 20. und 21. Jahrhundert. Hier wechseln sich Exponate mit multimedialen Stationen ab.

Spionagemuseum am Potsdamer Platz

Wer des Lesens überdrüssig ist, kann sich an die Mitmachstationen halten. Im Ausstellungsbereich, der sich dem Thema Verschlüsselung widmet, lassen sich Nachrichten verschlüsseln und entschlüsseln. Meine Erkenntnis war bei diesem Versuch, das zu den wichtigsten Fähigkeiten eines Kryptologen eindeutig Geduld gehört. Schneller geht der Passwortcheck. Mein Passwort ist zumindest nicht innerhalb von Sekunden zu knacken, wie das meiner Begleiterin. Mein Highlight in der oberen Ausstellung war die Übersicht über den Einsatz von Tieren im Rahmen der Spionage. Es ist faszinierend, auf was für verrückte Ideen Menschen kommen. Lustig und traurig zugleich ist etwa das Projekt Acoustic Kitty.

Wer sich von der ernsthaften Seite ablenken will, geht weiter zum Laserparcours oder beschäftigt sich mit dem Ausstellungsschwerpunkt „Spionagefilme“. Selbst wer den Laserparcours nicht ausprobieren will, einen Blick ist er wert und den Leuten, die wir gesehen haben, hat es offensichtlich Spaß gemacht. Ich persönlich bin kein großer Fan von Agentenfilmen, deswegen beeindruckte dieser Bereich der Ausstellung mich nicht wirklich. Das ist eher was für Bond- und Co-Liebhaber. Dann geht es abwärts eine Treppe hinab und fast ist das Ende der Ausstellung erreicht.

Posterwand im Spionagemuseum

Vor dem Ausgangsbereich warten vor allem Interviews und Tonaufnahmen zur Gegenwart und eine Installation zum Thema Big Data auf Interessierte. Die Installation ist so modern, dass ich trotz genauen Durchlesens der Anweisungen daran scheitere. Schade, ebenso wie das Puzzle zur Datensicherung uns begeisterte, aber nicht auf unsere Eingaben reagierte. Davon abgesehen sind die Sitzgelegenheiten gerade bei den Hörstationen begrenzt oder nicht vorhanden. Bei mir sank dadurch die Motivation, sich das eine oder andere Material anzuhören.

Informationsflut im Spionagemuseum

Mein Fazit: Die Ausstellung ist als Einstieg ins Thema Spionage ganz nett, aber auch etwas mühselig. Das liegt am enormen Textmaterial und den fehlenden Möglichkeiten, sich einfach mal niederzulassen und etwas in Ruhe anzusehen oder anzuhören. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf Berlin und Europa, dabei ist Spionage im asiatischen und afrikanischen Raum bestimmt auch ein interessantes Thema. Letztendlich erlaubt der stattliche Eintrittspreis von zwölf Euro die Frage, für wen sich der Besuch lohnt. Vorbeischauen sollten all jene, die sich für das Thema Spionage interessieren und begeistern. Diejenigen, die über viel Wissen in dem Bereich verfügen, entdecken vielleicht was Neues oder haben mehr Spaß und Mehrwert bei den regelmäßig stattfindenden Events.

Link: Deutsches Spionagemuseum

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