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Volksentscheid Flughafen Tegel – Gift für den Wohnungsmarkt?

Im Rahmen der vergangenen Bundestagswahl durften die Berliner zusätzlich über ein regionales Politikum abstimmen. Und zwar darüber, ob der Flughafen Tegel, der eigentlich nach der Inbetriebnahme des BER schließen sollte, auch dann noch offen bleiben soll. Sollte das Ergebnis der Abstimmung tatsächlich in die Tat umgesetzt werden, hätte das zusätzliche Auswirkungen auf den ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt der Hauptstadt.

Flughafen Tegel
Flughafen Tegel

Was, wenn Tegel offen bleibt?

Denn eine Mehrheit der Berliner, nämlich insgesamt 56,1%, stimmte für die Offenhaltung des Flughafens. Dass die Begeisterung nicht überall gleich groß war, versteht sich von selbst – in Pankow etwa stimmten 55% gegen den Weiterbetrieb. Ein häufiger Grund dafür: die Anwohner in den nahe gelegenen Bezirken wollen nicht weiterhin dem Fluglärm der in Tegel startenden und landenden Maschinen ausgesetzt sein.

Allerdings ist das Ergebnis des Volksentscheids nicht bindend, und ob eine Offenhaltung Tegels rechtlich und organisatorisch überhaupt umsetzbar ist, wird sich noch zeigen. Bürgermeister Michael Müller kündigte aber zumindest an, diesbezüglich Gespräche mit allen Beteiligten führen zu wollen.

Sollte der „Otto Lilienthal“-Flughafen am Ende tatsächlich weiter in Betrieb bleiben, hätte das weitreichende Auswirkungen auf die Stadtentwicklung – schließlich ist das riesige Flughafengelände eigentlich längst verplant: Die Beuth-Hochschule soll einen Großteil der Gebäude übernehmen, zusätzlich ist ein Forschungs- und Technologiepark vorgesehen. Zudem soll neuer Wohnraum für rund 9.000 Wohnungen auf dem Areal geschaffen werden – letzteres ist der Punkt, der die Berliner wohl am meisten betrifft.

Eigentum als Alternative zu umkämpften Mietwohnungen

Denn die Wohnraumsituation ist seit Jahren mehr als angespannt. Die Nachfrage ist unverändert hoch, die Preise explodieren – und Besserung ist kaum in Sicht. Wenn nun auch noch die dringend benötigten Wohnungen, die durch die Tegel-Schließung entstehen sollten, wegfallen, treibt das die Preisspirale möglicherweise noch weiter an. So könnte es für immer mehr Berliner noch schwerer werden, bezahlbare Mietwohnungen im Stadtgebiet oder innerhalb des „Speckgürtels“ zu finden.

Eine mögliche Alternative zur Miete stellt die Entscheidung zum Bau eines Eigenheims dar. Zwar wird man dafür höchstwahrscheinlich aufs Umland ausweichen müssen, da es innerhalb der Stadtgrenzen de facto kein halbwegs bezahlbares Bauland mehr gibt – dafür spielt Bauherren aber ein anderer Faktor in die Hände: Die Zinsen sind insbesondere für Baufinanzierungen aktuell auf einem historischen Tiefstand, sodass sich unter bestimmten Voraussetzungen sogar ein Bauvorhaben ohne das nötige Eigenkapital auszahlt – Experten empfehlen normalerweise, mindestens 20 Prozent der veranschlagten Kreditsumme angespart zu haben.

Für Eigentümer erledigt sich in jedem Fall das Problem mit exorbitant hohen Mieten von selbst. Wer sich unsicher ist, kann natürlich auch noch abwarten, ob und wann am Flughafen Tegel nun neuer Wohnraum entsteht oder nicht.

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