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Straßen von Berlin – Schönhauser Allee

Die Schönhauser Allee, wohl die Hauptmagistrale im Stadtteil Prenzlauer Berg neben der Prenzlauer Allee und Greifwalder Str, verläuft von Süd nach Nord. Beginnend in der Torstraße und am U-Bhf Rosa-Luxemburg-Platz geht es 2,8km weiter gen Norden. Linksseitig befinden sich in der mit Kirschblütenbäumen geschmückten Lottestraße die ältesten Häuser vom Stadtteil Prenzlberg (Achtung: schwäbischer Ausdruck), endstanden um das Jahr 1870 und daher sind teilweise nur 3 bis 4stöckige Gebäude.

Noch ein Stück weiter kommt sogleich der Pfefferberg, ein ehemaliges Brauerei-Areal mit bayrischem Ursprung – Joseph Pfeffer braute hier das begehrte Gebräu ab 1841 – ein Ausbau war ab 1910 nicht mehr möglich, da das Areal sprichwörtlich zugebaut wurde. Heute befinden sich Büros, Ateliers, Theater, ein Hostel und Gastronomie auf dem Gelände.

Café Achteck am Senefelder Platz
Café Achteck am Senefelder Platz

Angrenzend der Senefelder Platz mit gleichnamigen U-Bahnhof und einem der größten Biomärkte Berlins. Um die Ecke gab es auch mal eine Givebox – quasi unentgeltliches geben und nehmen von materiellen Dingen, rein aus Nächstenliebe – welche allerdings dem Vandalismus zum Opfer fiel. Es befindet sich sogar ein Denkmal an diesem Platz von Herrn Senefeld, Erfinder der Lithografie. Für Kenner, es ist eine vor hundert Jahren gebräuchliche Druckkunst gewesen, allerdings spiegelverkehrt, daher hat Herr Senefeld auch einen Spiegel in der Hand. Des weiteren befindet sich noch ein Café Achteck am Platz, eine schöne Umschreibung für die menschlichen Erleichterungen. Etwas unscheinbar versteckt, befindet sich am Nördlichen Ende des Platzes auch eine Einfahrt zum Jüdischen Friedhof, der Haupteingang befindet sich aber seitlich weiter oben in der Schönhauser Allee.

Die nächste U-Bahnstation ist die Eberswalder Straße, auf der rechten Seite befindet sich die Kulturbrauerei, ein Areal über das schon viel geschrieben wurde. Heimat von diversen Klubs, Theater und sogar Museen wie das gut gemachte DDR-Alltagsmuseum (Eintritt frei). Zur Eberswalder Straße gibt es auch einiges zu erzählen, daher gibt es dafür einen eigenen Blog-Artikel, bitte hier entlang. Es gab in der nähreren Vergangenheit öfters mal den Wunsch, den U-Bahnhof Eberswalder Straße in Prenzlauer Berg umzubennen, weil hier das Herz des Stadtteils schlägt und natürlich die Touristen besser hingelost werden können. Genau, Touristen haben auch Hunger, das bringt uns zum Currywurststand Konnopke, direkt unter dem U-Bahnviadukt. Die meisten Berliner schwören auf Curry36 oder Konnopke – zumeist abhängig davon wo man aufgewachsen ist, was wirklich besser schmeckt sollte jeder selbst herausfinden.

Der Name unserer Hauptstraße kommt fast naheliegend, vom Schloss Schönhausen im Stadtteil Niederschönhausen (auch im Bezirk Pankow). Der Ort war sogar Amtssitz vom Ersten Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck. Zurück zur Straße, welche seit der Wende (1989/1990) einen extremen Wandel erlebte, siehe Video aus dem Jahre 1990. Fassaden wurden aufgehübscht, Kohleheizungen entfernt, Toiletten auf halber Treppe sind wahrscheinlich auch ausgestorben. Hier und da, gibt es noch was in den Hinterhöfen zu entdecken – wenn auch immer weniger anzutreffen, wie der inzwischen sanierte Konsum für Möbelwaren.

U-Bahn Viadukt Schönhauser Allee
U-Bahn Viadukt Schönhauser Allee

Was geblieben ist, ist der Verkehr – sei es auf der Straße oder von der oberirdisch fahrenden U-Bahnlinie U2 – was kostentechnisch einfach günstiger war. Passenderweise fährt die S-Bahn an der Station Schönhauser Allee im tiefergelegten Gleisbett, was Ortsunkundigen schon mal irritieren könnte. Zudem befindet sich ein großes Einkaufszentrum am S/U-Bahnknotenpunkt, die Geschäfte bzw. das Ambiente sind ähnlich anderen Schoppingtempeln. Positiv hervor zuheben ist aber die Bar auf dem obersten Parkdeck, mit einem schönen Blick über den beliebten Stadtteil Prenzlauer Berg.

Endpunkt der Magistrale ist die unfallträchtige Kreuzung Bornholmer Str, Wisbyer Str, Berliner Str und natürlich die Schönhauser Allee. Linksseitig befindet sich das Nordische Viertel, für viele – visuell gesehen – noch das ursprüngliche Prenzlauer Berg aus den 90er Jahren. Dazu gehört auch die vom Namen her klingende Kopenhagener Straße, wenn auch südlich vom S-Bahnring gelegen. Die Zukunft der Schönhauser Allee steht auf Veränderung, geplant sind Ruhe-Treffpunkt-Inseln mit Sitzbänken in Höhe des Einkaufszentrums, was die Straße einspurig werden lassen würde. Wir lassen uns überraschen.

About waldnase

Komme aus der Provinz und seit 1999 Berliner! Mich interessiert hauptsächlich Geschichtliches und Kreatives aus der spannendsten Metropole Deutschlands.

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