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Das Runde muss ins Eckige: 11 mm Festival und ein geglückter Auftakt im Kino Babylon

In der 14. Ausgabe ist das Festival eine Größe im Berliner Kulturkalender. Immer Ende März kommt die Bestzeit für Fußballfans. Eine sportliche Delikatesse wird, jedes Jahr aufs Neue, zusammengeschustert. In diesem Jahr soll die Auswahl der eingereichten Filme von besonders hohen Qualität gewesen sein, teilte Christoph Gabler mit, am Eröffnungsabend im geschichtsträchtigen Babylon Kino – gegründet 1929 . Er ist einerseits  der Festivalleister und andererseits bekennender Herthaner, nicht ganz unwichtig bei diesem Event. Das Festival ist ein Projekt des Verein Brot &Spiele e.V und hat ein 3-köpfiges Kuratorenteam. Neben Gabler sind Birger Schmidt und Andreas Leimbach-Niaz. Wobei zuletzt genannter, laut Beschreibung auf der Webseite durch das Meisterwerk „Kramer versus Kramer“ seine Liebe zum Film entdeckte. Über Umwege zum Fußball. Wer sagt’s denn?


Das Festival, das erste in seiner Art weltweit, wurde 2004 ausgerufen und war in den Anfangsjahren ein Geheimtipp für Fußballverrückte. Heute lockt das 5-tägige Festival rund 5.000 Zuschauer in der Mitte Berlins.

Der Eröffnungsabend

Das Festival hat seine Credibility bei Petrus erneut, unter Beweis gestellt. Bei einem Tag, der nieselig und grau begann, schien zum späten Nachmittag hin, unbeirrt – die Sonne. Bei 11 mm ist der Teppich nicht rot, sondern grün. Die grüne Wiese war rechtzeitig vorm Kino ausgerollt und kurz nach 19 Uhr, bei noch beharrenden Sonnenschein, war der Bürgersteig vorm Babylon krachend voll. Abenteuerlich war es dann noch, einen Parkplatz fürs Fahrrad zu finden.

Nach der obligatorischen Orgelmusik, die sowohl bei den Eröffnungen als auch bei der Verleihungszeremonien (immer Montag Abend am letzten Festivaltag) angeboten wird und vor den ebenso obligatorischen Vorstellungen und Danksagungen an die Sponsoren, ganz vorne weg die DFB-Kulturstiftung, tauchte eine isländische Sängerin auf – mit einer E-Gitarre und enterte die Bühne. Ein begrüßendes Kopfknicken ans Publikum und sie legte gleich los mit einer isländischen Version des italienischen Originals, verewigt durch die Stimme von Sängerin Gigliola Cinquetti, die 1964 den Musikpreis vom prestigereichen Musikfestival San Remo gewann und das Lied auch weltberühmt machte.

Die Vikinger und das ewige Eis

Der Eröffnungsabend stand ganz im Sinne des Landes vom ewigen Eis und von eruptierenden Vulkanen. „Wie ein Vulkan – Der Aufstieg des isländischen Fußballs“. Der Coach, von der Mannschaft – die während der EM in Frankreich die Welt verzauberte und uns zeigte, dass trotz Dauerskandale um Korruption, Bestechung und Vorteilsnahme, der Fußball, wie wir ihn lieben, sich noch in Widerstand übt.

Heimir Hallgrímsson, war einer der besonderen Gäste, die bei der diesjährigen Ausgabe, den Weg ins Babylon fanden. Der Mann, ein ausgebildeter Zahnartzt und Betreiber einer Zahnarztklinik im Lande vom ewigen Eis gab sich die Ehre zusammen mit dem Regisseur Saevar Gundmundsson, der das Privileg bekam, ganze 2 Jahre die isländische Mannschaft während der Quali-Spiele für die WM in Brasilien (2014) und für die EM in Frankreich (2106). Bei der EM selbst war der Regisseur nicht dabei und scherzte bei den anschließenden Q&A’s: „Als die EM begann und ich nicht dabei sein durfte habe ich mich gefühlt, wie ein Spieler, der vom Team ausgeschlossen wird. Denn ich betrachtete mich als Teil des Teams“. Auf den gewagten Vorschlag der Moderatorin, der Coach könne die Mannschaft vom Regiesseur während der Qualispiele für die WM in Russland (2018) begleiten lassen, zeigte sich Heimir Hallgrímsson besonnen und wollte sich nicht festlegen. So was will auch gut überlegt sein.

Natürlich durfte das Klatschritual, das die Wikinger während der EM zelebriert haben, durfte an einem solchen Feier-Abend, nicht fehlen! Als die sympathische Moderatorin das Exerzieren des Rituals vorschlug, sprach sie uns allen aus der Seele. Zusammen mit dem Coach auf der Bühne vor dem Film, war auch der isländische Botschafter S.E. MARTIN EYJÓLFSSON vor Ort. Es stellte sich heraus, dass die beiden, Botschafter und Coach früher mal in der isländischen Kreisliga, zusammengespielt haben. Darauf hin scherzte die Moderatorin, dann auf Englisch: „Naja, in Island ist man entweder miteinander verwandt oder man kennt sich“ und erntete entzückendes Lachen vom Publikum.

Butter bei die Fische!

Der Botschafter sollte die Beats vorgeben und der Coach die Choreographie zum Klatscheinritual der Wikinger, die übrigens noch während der EM von den ollen Franzosen, nachgemacht wurde. Man schwimmt halt zu gerne auf der Welle des Erfolgs. Tac, Tac, haute der Botschafter auf den Boden. „Arme nach oben“ orderte der Coach und sagte trocken als in Form einer verdeckten Warnung: „Nur zwei Male, weil wir schon davon müde sind“. (diese Rituale zu wiederholen).

Elektrisierende Stimmung im Publikum. Nach einer kurzen Vorstellung vom Vertreter der Kulturstiftung des DFB, ging es endlich los. „Wie ein Vulkan“ hat nicht nur unvergessliche Momente einer einmaligen Lebenserfahrung ganzer Generationen von einem Land von dem wir bis vor kurzem nur wussten, dass die Sängerin Björk von dort stammt. Und dass es sich wegen Vulkanausbrüche von sich reden lässt, sondern ist auch als Medium Film in sich schlüssig, sehr dynamisch geschnitten und allemal unterhaltsam. Die Leichtigkeit der Isländer wirkt mitreißend und entzückend auf die Zuschauer. Bei einer Szene am Frühstückstisch in einem Hotel in Reykjavik, sagt ein Spieler, etwas reumütig und gleichzeitig versehen mit unerträglicher Leichtigkeit: „Vielleicht hätte ich die Croissants mit Nutella nicht essen sollen, aber nun lagen sie da und ich habe sie gegessen.“

Der Auftakt der 14. Ausgabe ist geglückt, die Stimmung, isländisch und könnte nicht besser sein und die Vorfreude und Neugierde auf die nächsten 4 Tag ist groß.

Ein Must See!

  • Den Film „Wie ein Vulkan – Der Aufstieg des isländischen Fußballs“ (86′) kann man am Sonntag, den 01.April (kein Witz!) um 21:45 im Babylon 2 anschauen.
  • Hommage Johan Cruyff
    Nach einem Jahr seit dem Tod vom legendären Spieler (und später Coach) vom FC Barcelona, Johan Cruyff, zeigt das Festival mehrere Filme um den holländischen Ausnahmetalent und (nach katalanischem Glauben) Fußballheiliger zu ehren und zu gedenken:
    *Johan Cruyff: En Momento Dado (2004), Ramon Gieling
    *L’Ultim Partit (2014), Jordi Marcos

Empfehlungen der Autorin:

  • Fußball ist unser Leben (1999), Tomy Wigand. Nach fast 20 Jahren wird die Rivalität zwischen dem BVB und dem Verein aus Gelsenkirchen, szenisch auf die Spitze getrieben. Die Hauptrolle spielt Uwe Ochsenknecht. Noch Fragen?
  • Pelé: Geburt einer Legende(2016), Jeffrey und Michael Zymbalist). Das amerikanische Regie-Duo porträtiert den Anfang der Karriere des Jahrhundertfußballers, Pelé. Von seinem Anfang als Kind, aufgewachsen in bitterarmen Verhältnissen über seine Zeit beim FC Santos an der Küste der Metropole São Paulo bis zu seiner Weltpremiere, als 17 jährigen, bei der WM 1958, in Schweden.
  • The Other Kids (2016), über Straßenkids in Uganda und einen Trainer, der sich um sie sorgt.

Link: 11-mm.de

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