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Pudeldame im Privatclub Berlin

Jonas Nay ist Musiker, der nebenher auch ziemlich erfolgreich schauspielert. Ach ja, daher kennen wir ihn, wird der werte Leser denken und vielleicht tauchen Szenen aus „Wir sind jung, wir sind stark“ oder „Deutschland 83“ vor dem geistigen Auge auf, letzteres seit kurzem sogar mit dem „Emmy“ ausgezeichnet.

Seine bisherige Band hieß Northern Lights, ganz passend für die Lübecker Nordlichter, doch damit ist jetzt Schluss, theatralisch wurde das Ende bekannt gegeben. Einen ihrer letzten Auftritte haben sie bei den UFA-Filmnächten, sie vertonen „Unheimliche Geschichten“, einen Klassiker unter den Stummfilmen und wurden dafür zu Recht gefeiert.  Es ist gleichzeitig die Bachelor-Arbeit in Filmmusik von Jonas Nay.

Pudeldame im Privatclub Berlin
Pudeldame im Privatclub Berlin

Und dann war da plötzlich die Pudeldame. Die Band war zurück, anderer Name, anderes Outfit und man singt jetzt Deutsch. Das erste Video und das gesamte Auftreten der Band zeichnete so einige Fragezeichen in die Gesichter der Hörer und man fragte sich unweigerlich: Was soll das? Und warum ausgerechnet „Pudeldame“? In den Erklärwerken des Internets findet man zur Charakteristik des Pudels Folgendes: er sei instinktiv, konzentriert, aktiv, treu und intelligent und bei Langeweile neigt er dazu, Unfug auszuhecken. Da haben wir´s!  Die wollen ja nur spielen. So machte ich mich auf durch die bereits im November ganz schön fröstelnde Herbstnacht zum ersten Konzert der kleinen Clubtour der Pudeldame. Das Berliner Publikum ist bekanntermaßen grantig und ehrlich, wenn man schon ins kalte Wasser springt, dann ist hier.

Der Privatclub in Kreuzberg ist klein und gemütlich und  für einen Mittwochabend gut gefüllt, man kann hier nach der Arbeit noch mal vorbei schauen, ein Bier und ein paar Salzstangen an der Bar bestellen und den Feierabend und die auftretende Band genießen. Es geht los mit dem Support, der auf den Namen „Wir haben kalten Kaffee mitgebracht“ hört und ich merke, dass es in Sachen absurde Bandnamen immer noch Steigerungspotential gibt. Die Band aus Kassel macht deutschsprachigen Pop, der eingängig und kurzweilig ist, sie erinnern mich ein bisschen an Von Wegen Lisbeth. Ihr selbstbewusstes Auftreten und der -sagen wir mal- eigenwillige Tanzstil lockt das Publikum vor die Bühne.

Es folgt eine kurze Umbaupause und dann betritt Pudeldame die Bühne so, wie andere sie verlassen-unaufgeregt und einzeln nacheinander. Es beginnt mit einem einsamen Schlagzeug, nach einigen Minuten gesellen sich erst der Bass, dann die Gitarre hinzu und als Letzer betritt Jonas Nay die Bühne. Es geht los mit „Der Erbe“ und wird gleich laut und pompös. Ich hab im Privatclub noch nie so gutes Licht gesehen und bin ganz überrascht, dass man diese Bühne tatsächlich ordentlich ausleuchten kann-als fände dort eine Samstagabendshow statt. Gekrönt wird dieser Eindruck noch, als die drei Bläser hinzukommen und die Band verstärken. Ich bin beeindruckt. Den musikalischen Stil zu beschrieben ist nicht leicht, Pudeldame sind Grenzgänger zwischen Jazz, Progressive Pop und Hip Hop, wenn der Begriff Crossover nicht mittlerweile so falsch besetzt wäre, würde er hier passen. Nachdem das Publikum geweckt und ordentlich durchgerüttelt wurde, zeigt die Pudeldame, dass sie auch leise und sanft kann. Bei „Zeitlupe“ zieht sich die Band zurück und nur Jonas zusammen mit David an der Gitarre performen mit viel Gefühl das Lied. Und es ist schön zu sehen, wie der Rest der Band, wenn auch passiv in Hintergrund sitzend, voll mitgeht und stumm mitsingt. Da haben ich wohl die richtigen Leute gefunden!

Ebenso leidenschaftlich geht es dann weiter mit kompletter Band und ganz unterschiedlichen Liedern vom harmonischen Popsong wie „Sie hält dich wach“ eingeleitet von einem zauberhaften Klavier-Intro über das wütend-aggressive „Revolution“ und das funky „Schlendrian“  hin zum – leider immer noch tagesaktuellen – „Goodbye Mensch“ (Hallo Menschlichkeit), welches begeistert mitgesungen wird. Jonas sichere Stimme wird getragen durch die Instrumente seiner Band, die Bläser setzen immer wieder Sahnehäubchen auf die Arrangements. Unverkennbar stehen da Leute auf der Bühne, die Ahnung von Musik haben. Ziemlich am Ende wird dann noch gerappt, Jonas geht ganz nah ans Publikum ran, das mittlerweile mitgerissen ist, jubelt und tanzt. Es hätte nicht besser sein können.

Wer gut gemachte Musik, abseits von Mainstream und üblicher Popklischees hören will, ist hier genau richtig.

Foto: Alex (Autor)

Mehr Infos unter: Pudeldame bei FB

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One comment

  1. Diese Band macht super Musik, jedoch verstehe auch ich nicht ganz die Wahl des Namen, aber solange die Musik gut ist passt alles. Ich wäre sehr gerne in Berlin gewesen, um das zu sehen, jedoch hatte ich dafür keine Zeit.
    Schöner Beitrag, hat mir gut gefallen – weiter so!

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