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Buchbesprechung: Bruno Tauts Hufeisensiedlung

Dieses Buch erzählt uns die Geschichte und Architektur der Hufeisensiedlung von Bruno Taut oder wie sie offiziell heißt „Großsiedlung Britz“. Es soll als kleiner handlicher Architektur- und Denkmalführer dienen dieser bereits 1925 zum Wahrzeichen des modernen berliner Wohnungsbaus erhobenen Anlage.

In 13 Kapiteln in Deutsch und Englisch geht es um Themen der Architektur-, Bau- und Sozialgeschichte wie die Wohnungsnot um 1900, Städtebauliche Konzepte, die Farbgebung Tauts, Frei- und Grünflächen, Innenräume und Ausstattung, Denkmalschutz oder die Bewohner und ihr Engagement.

Außerdem gibt es ein Kapitel mit Kurzbiografien verschiedener Architekten und Künstler sowie eines über „Tautes Heim“, ein mietbares, denkmalgerecht und komplett im Stil der 1920er-Jahre wiederhergestelltes Reihenhaus. In Zusatzkapiteln werden die anderen 5 UNESCO-Welterbe „Siedlungen der Berliner Moderne“ und weitere 10 Anlagen von Bruno Taut in Berlin vorgestellt. Diese sind auch auf der Innenseite der Umschlagklappe auf einer Karte von Berlin eingezeichnet. Das Buch wird aufgelockert mit 150 historischen und zeitgenössischen Fotos, Abbildungen und Plänen, davon viele bislang unveröffentlicht.

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Aber zurück an den Start: Damals Anfang des 20. Jahrhunderts war Berlin mit 3,9 Mio. Einwohnern nach New York und London die drittgrößte Stadt der Welt – Wohnraummangel war an der Tagesordnung, es herrschten katastrophale hygienische Verhältnisse (9 von 10 Wohnungen hatten kein eigenes Bad). Die Wohnungen wurden doppelt oder dreifach belegt, Mietskasernen bestimmten das Bild. Erschwinglicher und bewohnbarer Wohnraum musste her – und zwar schnell!

1924 kaufte die Stadt Berlin große Flächen des ehemaligen Ritterguts Britz und los ging’s. Zwei Baugesellschaften – die GEHAG und die DeGeWo – teilten sich die Flächen. Für die GEHAG war Bruno Taut (1880–1938) der verantwortliche Architekt und Planer, so entstand die Hufeisensiedlung. Das Gegenstück war die Krugpfuhlsiedlung. Taut setzte auf kräftige Farben – innen und außen – um dem Wohnraum Individualität zu verleihen und viele Grünflächen. Insgesamt entstanden in 6 Bauabschnitten zwischen 1925-30 1.964 Wohneinheiten – knapp 1.300 als dreieinhalbgeschössige Wohnblöcke mit meistens 1,5-2,5 Zimmer, dazu noch 700 als Reihenhäuser. Das namensgebende Hufeisen ist 350m lang und besteht aus 25 aneinandergereihten Einheiten. Die Wohnsiedlung setzte weltweit Maßstäbe und wurde 2008 zur UNESCO-Welterbe „Siedlung der Berliner Moderne“ ernannt.

Ben Buschfeld: Bruno Tauts Hufeisensiedlung, UNESCO-Welterbe-Siedlung der Berliner Moderne, Deutsch | Englisch, 144 Seiten, 13 x 21 cm, 150 Abbildungen, 10 Pläne, erschienen im Nicolai-Verlag, ISBN 978-3-89479-923-6, 16,95 €.

Der Autor Ben Buschfeld ist selbstständiger Grafik-und Kommunikationsdesigner mit Schwerpunkt Architektur-und Zeitgeschichte. Er lebt seit 1998 in der Hufeisensiedlung und initiierte dort u. a. eine Ausstellung zu Geschichte und Gegenwart der seit 1998 privatisierten Siedlung sowie einer webbasierten Denkmalschutz-Datenbank. Für ihr Engagement und das Projekt „Tautes Heim“ bekamen seine Frau, Landschaftsarchitektin Katrin Lesser, und er den Europäischen und den Berliner Denkmalpreis 2013 verliehen.

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War 4 Jahre lang "Berliner" - im Moment hat es mich ins Rheinland verschlagen. Aber mein Herz geht immer noch auf, wenn ich nach Berlin komme! :-)

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