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Fußballturnier für Geflüchtete setzt ein Zeichen des Miteinander in Lichtenberg

Die Bilder vom letzten Wochenende mit den englischen, russischen und deutschen Hooligans sind uns noch sehr präsent. Fußball kann verbinden, aber auch trennen.

Wie das Schweizer Blatt Tagesanzeiger am Sonntag (12.06.2016) veröffentlichte, haben sich die russischen Hooligans bestens für die EM vorbereitet. Selbst die Vereinsrivalität in dem Lande vom Wladimir Putin wurde – zeitweise – aufgehoben. Ausnahmsweise wollen die russischen Hooligans mal gemeinsam Krawalle machen. Die Bildzeitung behauptet sogar, Putin persönlich hätte sie „nach Europa“ geschickt.

Insgesamt sind erhebliche Zweifel an das Sicherheitskonzept der französischen Behörden laut geworden. Dass der Berliner Jerôme Boateng, der mit aller Wahrscheinlichkeit beste Innenverteidiger der Welt entschied, dass seine Familie die Spiele von daheim zuschauen soll, ist nur ein Indiz für den Zweifel an der Fähigkeit der französischen Behörden eine Europameisterschaft in Zeiten des Terrors, ohne allerlei Zwischenfälle auszurichten. Und diese Zweifel werden jeden Tag größer. Auch dann, wenn die UEFA sich dagegen entscheidet, die Bilder der russischen Fans, die wahllos auf Fans anderer Mannschaften los zogen, zu zeigen. Eine Stationkamera der ARD hat die Bilder aufgefangen, gesendet und anschließend bei der UEFA Beschwerde eingelegt und dafür plädiert, bei den nächsten Zwischenfällen die Bilder auch live zu bekommen oder das sie „zeitnah“ nachgeliefert werden.

Fußball kann als Ventil für rassistische Besinnung missbraucht werden, ja für ein geradezu menschenfeindliches Handeln instrumentalisiert werden.

Selbst die Attacke von Alexander Gauland auf Jerôme Boateng wegen seiner schwarzen Haut  und wegen seines „exotischen Namens“ waren keine Hinderung, dass deutsche Hooligans sich auf den Weg nach Lille machten um vor dem Spiel gegen die Ukraine mal so richtig Krawalle zu machen und die Innenstadt in Atem zu halten.

Die eine Sache ist die Nationalelf zu mögen, weil sie unter anderen ein Abbild von dem Einwanderungsland, welches Deutschland schon viel länger ist, als manche CDU PolitikerInnen dies zugeben wollen, darstellt.

Eine ganz andere Sache ist die Nationalelf zu missbrauchen und zu instrumentalisieren. Da unterscheidet sich Herr Gauland  nur bedingt von den Hooligans, die ganz – im Übrigen – ganz legal die Deutsch-Französische Grenze ungehindert passierten. Manche von ihnen waren Interpol als „Gewalttätig“ durchaus bekannt.

Die Art und Weise unterscheidet sich zwar, das Gedankengut, kaum. Gauland nützt den günstigen medialen Boden im Vorfeld des Turniers, um seine Gehässigkeit in die Welt zu posaunen, um seine WählerInnen kräftig zu mobilisieren, diese aus dem Wohnzimmercouch zu holen und sozialen Unfrieden anzustiften. Die Hooligans nützen den Fußball, um Heimatgefühle“ unmissverständlich zu untermauern aber auch nicht so, dass auch andere „ihre Heimatgefühle“ ausleben können. Nein!

Fremdenfeindlichkeit und Alltagsrassismus gibt es auch vor unserer Haustür und auch in unserer Nachbarschaft. A propos Nachbar…Ich kann nicht mehr zählen, mit Fátima als Vorname und einem spanisch klingenden Nachnamen, wie oft mein Schild schon vom Hausbriefkasten entfernt wurde, meine Post geklaut und beschädigt und wie oft ich meinen Fahrradmantel – pünktlich zum Montagmorgen –  gestochen vorgefunden habe nur weil ich mir erlaubt habe, bei 33 Grad, das Tor zum Garten und Hinterhaus auf zulassen. Ob dies einem Nachbarn „Schmidt“ in der Form passiert wäre, darf gezweifelt werden.

Vor den Toren von Unterkünften für Geflüchtete geschehen Dinge, die eklatant gegen den Artikel 1 der Grundgesetzes verstoßen. Die sogenannten „Besorgte Bürger“ organisieren sich im Internet und gehen anschließend auf Wache, terrorisieren Geflüchtete teils bei ihren alltäglichen Erledigungen, bei Behördengängen und gar bei Spaziergängen durch den Bezirk.

Was ist mit Lichtenberg?

Der südöstliche Bezirk ist nicht gerade ein Paradebeispiel für das friedliche Miteinander unterschiedlicher Kulturkreise. In Lichtenberg aber auch woanders im Lande sieht man zu oft (und in jeder Flüchtlingsunterkunft, die brennt, ist definitiv eine zu viel) brennende Heime, umfunktionierte Sporthallen, Menschen – die nochmal Zuflucht suchen müssen. Diesmal aber von den sogenannten „besorgten Bürgern“. Aber da noch ist der gute alte Fußball, die schönste Nebensache der Welt und fern von den FIFA-Standardisierungen, ein Gemeinschaftsgefühl bei Fans und Spielern ermöglichen kann. Dieses Zeichen setzt der Berliner Bagaasch, Berliner Fanclub des 1. FC Kaiserslautern. Einer ihrer Vorsitzende ist Axel Adam, der ein Fußball Turnier für Geflüchtete ins Leben gerufen hat. Fans vom 1. FC Kaiserslautern haben nicht viel zu lachen. Soviel ist sicher. Aber wer sagt denn, dass Fußballspaß und das Formieren einer Mannschaft einen gut situierten Tabellenplatz voraussetzt? Mit Nichten!

Axel Adam (Vorsitzender des Berliner 1.FCK-Fanclubs "Berliner Bagaasch" - bei der Spendenannahme vom 1. FC Kaiserslautern
Axel Adam (Vorsitzender des  1. FCK-Fanclubs „Berliner Bagaasch“) – bei der Spendenannahme vom 1. FC Kaiserslautern

Bagaasch Refugee Cup 2016 steht vor der Tür in einer Zeit, in der es nicht wichtiger sein könnte, Zeichen gegen Ausgrenzung, Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit zu setzen. Wie der Ball ins Rollen kam, erzählt der Vorsitzende Axel Adam:

Wir hatten bei der Spendenübergabe den Heimleiter der NUK Karlshorst kennengelernt und mit ihm über Fußball geplaudert. Wir erzählten ihm, dass wir ursprünglich überlegt hatten mal mit den Flüchtlingen Fußball zu spielen. Die Idee fand er gut und meinte, dass er einen Platz organisieren könne. Ich sagte wenn er einen Platz organisiert, machen wir gleich ein ganzes Turnier und laden in Berlin lebende Fanclubs verschiedener Vereine ein. So ein Turnier hatten wir schon mal 2011 veranstaltet. Damals ohne Flüchtlinge, aber doch schon mit sozialem Hintergrund. Von den Einnahmen spendeten wir einen Teil für ein Dorf im ehemaligen Jugoslawien, womit dann dort Jugendliche ihrerseits ein Fußballturnier organisieren konnten. Schon damals hätten wir gerne regelmäßig so ein Turnier durchgeführt. Das scheiterte allerdings an der Sportplatzsuche bzw. am finanziellen. Man kann zwar über die Bezirksämter Sportplätze anmieten, ist aber für einen ganzen Tag sehr teuer und Getränke- und Essensverkauf wird nicht genehmigt. Hier hatten wir dieses Mal einfach Glück, dass Ingo (der Heimleiter) durch seine Arbeit gute Kontakte hat.“

Ab nach Lichtenberg!
Wann? Sonntag, 19.06.2016
Uhrzeit? Von 10 bis 18 Uhr
Wo? BVB Stadion (heute BVG Stadion), Siegfriedstr. 71 in 10365 Berlin-Lichtenberg
Download Flyer

Ob eine Fortsetzung des Turniers im nächsten Jahr mit der Unterstützung von Ingo, dem Heimleiter stattfinden kann ist noch ungewiss. Was bleibt, ist das soziale Engagement von Berlin Baagasch.

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