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Rio 2016 – Eine olympische Stadt mit Hindernissen

126 mal noch schlafen, dann geht es los mit den Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Wie bereit ist die Stadt? Wie weit ist es mit dem Sicherheitskonzept und die Vorbereitung auf mögliche terroristische Anschläge während der Spiele? Wie sieht es mit der Infrastruktur aus?

Aus einem kürzlich stattgefundenen Aufenthalt – in der Stadt am Fuße des Zuckerhuts mit atemberaubender Schönheit – gibt es leider nichts Gutes zu berichten.

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Politische Lage

Brasilien befindet sich im Umbruch. Die politische Situation auf Regierungsebene gestaltet sich wie in einer Achterbahn. Dilma Rousseff, die amtierende Präsidentin, im Oktober 2014 gewählt mit über 54 Millionen Stimmen, ist nicht mehr aus der Schusslinie zu nehmen. Gegen Sie läuft ein Amtsenthebungsverfahren. Das Land ist tief gespalten zwischen Pro und Contra zu dieser Regierung.

Im Vergleich zu der Durststrecke in Sachen Popularität, die die deutsche Bundeskanzlerin bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise durchstehen musste und immer noch muss, ist die Tragödie um die brasilianische Präsidentin um einiges dramatischer. Es geht nicht „nur“ um ihre politische Zukunft sondern um die Verabschiedung einer linksgerichteten Politik, die in Brasilien seit 2002 herrscht.

Auf Landesebene

Die Stadt Rio de Janeiro ist pleite. Die Gehälter der Landesbediensteten und dazu gehören neben Lehrer auch Polizisten, werden – wenn überhaupt – in Raten ausgezahlt. Beim amtierenden Gouverneur wurde vergangene Woche Krebs diagnostiziert, daher muss dieser für 100 Tage pausieren und die Amtsgeschäfte wurden an seinen Vize übergeben. Francisco Dornelles ist schon über 81 und steht vor leeren Kassen. Olympia steht vor der Tür und Rio ist noch nicht fertig für das sportliche Ereignis des Jahres.

Öffentliche Verkehrsmittel

Die Busrouten

Angeblich um monumentale Staus während der Spiele zu vermeiden, wurden mehrere Buslinien zusammengelegt, einige sogar ganz gestrichen und gehören nicht mehr zum Stadtbild. Für den Otto Normal Verbraucher bedeutet dass, neben längeren Wartezeiten an der Bushaltestelle, mehrere Busse bis zum Arbeitsplatz hin und zurück nach Hause nehmen zu müssen. Im Gegensatz zu Berlin, hinkt Rio dem Berliner Verkehrsmodell deutlich hinterher. Das ist insofern verwunderlich, denn beide Städte sind auf der Untergrundebene, Partnerstädte. Berlin könnte eine Menge zur Erweiterung des U-Bahnnetzes, beitragen.

Mit der U-Bahn zum Olympischen Dorf

Verglichen mit Berlin, hat Rio das Vierfache der Bevölkerungsanzahl – sage und schreibe 16.550.024 Einwohner. Das U-Bahnnetz ist nicht halb so umfangreich wie das von Berlin. Die Linie 4 fährt die Gäste der Spiele vom edlen Bezirk Ipanema bis nach Barra da Tijuca, dort, wo sich das Olympische Dorf befindet.

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Die Linie 4 wird im Juli 2016, also ein Monat vor Beginn der Spiele, eingeweiht. Auch hier gilt von der Stadtplanung die Absicht, so viele Menschen wie möglich zu überzeugen, auf die Autofahrt zu verzichten. Trotzdem: Es bleibt ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wer über Verkehrsstaus im Berufsverkehr in Berlin meckert, sollte einmal Rio probieren. Danach wird man den hiesigen Berufsverkehr lieben!

Umgang mit der Umwelt

Ein weiteres großes Projekt ist „Porto Maravilha“ – auf deutsch „Wunderbarer Hafen“ mit dem Ziel, den Hafen und dessen Umfeld mit einer besseren Infrastruktur anzubinden samt weitreichenden gratis Kulturangeboten und Gastronomiekonzepten zwecks Erhöhung der Attraktivität. Beim genauen Hinsehen ist dies, aus heutiger Sicht, Kosmetik.

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Die „Bucht von Guanabara“

In der Tat, ist der Blick auf die Bucht von Guanabara (so wurde Rio früher genannt), nicht weniger als a t e m b e r a u b e n d . Auch vom dem – im November letzten Jahres – eingeweihten „Museu do Amanhã“, das Zukunftsmuseum. Allerdings wenn man auf die Bucht schaut, ist sie dreckig, beworfen von Plastiktüten, Plastikflaschen und Allerlei. Das ist ein Ausdruck des Umweltbewusstseins in der Bevölkerung aber auch Ausdruck mangelnder politischer Wille, des seit Jahrzehnten bekannten Problems, in zukunftsweisender Form zu lösen. Ausgerechnet das Zukunftsmuseum in seiner beeindruckenden Konstruktion wirft thematisch die Frage auf, in welcher Welt wir leben wollen und wie wir die Zukunft – umweltgerecht – auf diesem Planeten gestalten wollen.

Die starke Verunreinigung in der Bucht stellt ein Problem für die Wassersportler dar. Schon jetzt fahren sie dort regelmäßige Regattas um die Wind- und Wasserbedingungen zu überprüfen. Das Ergebnis ist – zum Teil – das Sportler sich Bakterienkeime eingefangen haben.

Krankheiten

Der Zika Virus macht den Behörden große Sorgen, in Südamerika allemal. Der Virus hat aber schon Europa und China erreicht. Auch das ist für die Veranstalter ein Dorn im Auge. Eine Impfung dagegen gibt es noch nicht und wird sehr wahrscheinlich nicht bis Beginn der Spiele fertig. Die Devise kann nur heißen: vorbeugen. Alle gemeinsam im Kampf gegen den Moskito Aëdes Aegypti, die im Moment stärker zu sein scheint als ein ganzes Land!

Olympischer Geist?

Die Gegenstimmen für die Spiele in der Hansestadt Hamburg sowie die Ablehnung einer erneuten Bewerbung der Stadt Berlin, sind auf politische Bedenken zurück zu führen und waren auch vernünftig. Die Spiele in Rio sind eine hartnäckige Vision des Regierenden Bürgermeisters, Eduardo Paes. Wie die Spiele erfolgreich und umweltgerecht über die Bühne gebracht werden soll, stand nicht auf seinem ehrgeizigen Marketingplan bei der Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK).

Auf der Suche nach dem so propagierten Olympischen Geist musste ich bei vielen Gesprächen – mit unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen – feststellen,  dass die Sorgen rund um Grundsätzliches wie Gesundheit, Bildung sowie ein funktionierendes Verkehrsystem viel größer ist als die der Vorfreude auf die Spiele. Nur in den Medien wird die gewünschte „euphorische“ Stimmung – Tag ein Tag aus – propagiert und ins Ohr der Beteiligten gelegt. Schließlich soll die Stadt, eine gute Figur machen, wenn die Welt in Rio zu Gast ist. (05. – 21.08.2016)

Wir werden es aber alle erleben: Die atemberaubenden Bilder der „Cidade Maravilhosa“ der wunderbaren Stadt, werden um den Globus gehen. Bis dahin, ist noch viel zu tun und da das Geld für das Notwendige nicht reichen wird, bleibt – zunächst – auf das Beste zu hoffen. Auch dass es keine Sicherheitsprobleme gibt, denn die Vorbereitungen der Sonderpolizei sind leider noch nicht auf dem gewünschten Stand.

Aber Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt oder wie es im „brasilianischen“ Volksmund so schön heisst: „Gott ist Brasilianer“. Na bitte. Geht doch!

Links:
http://www.cidadeolimpica.rio/en/
https://www.youtube.com/watch?v=R7jyBZ3KEe8
https://www.youtube.com/watch?v=LDixmLqpnVA

Twitter:
#CidadeOlímpica
#Rio2016

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2 comments

  1. Sehr guter Artikel, der auch die Missstände in Brasilien aufzeigt. Ich freue mich trotzdem schon sehr auf Olympia 2016.
    Viele Grüße,
    David

    • Fatima Lacerda

      David,

      vielen Dank fürs positive Feedback bezüglich des Artikels.
      Hoffen wir, dass die Spiele friedlich und so problemlos wie nur möglich ablaufen.
      Atemberaunbende Bilder aus der schönsten Stadt der Welt sind uns jetzt schon sicher.

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