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Gelungenes Comeback: A-ha elektrisiert Fans in der Mercedes Benz Arena

Nach sage und schreibe 7 Jahren kehren die Norweger zurück zur großen Bühne. 2011 waren sie auch in Berlin, damals in der O2 Arena und das sollte ein Abschiedskonzert sein. Viele andere Bands haben es vorgemacht, wie auch die Gruppe „Simply Red“. Aber die Reds haben es nicht lange in der musikalischen Auszeit bzw. in der Rente ausgehalten und sind in Südamerika bereits wieder auf Tour.

Die Tour von A-ha, die bereits vergangenen Herbst in Südamerika begann und im Oktober in Recife, Nordosten Brasiliens halt machte – war marketingtechnisch astrein – vorbereit und sehhhhhr rechtzeitig angekündigt worden, nämlich genau ein Jahr vorher, mit einer Pressekonferenz in Berlin. Eine neue Platte wurde im September 2015 veröffentlicht, damit waren die Marketinginstrumente alle beisammen und alles seine Richtigkeit hatte: Ankündigung, Platte, Tour.

o_01_a-ha-1A-ha Foto ©Semmel Concerts

Cast Steel„(VÖ 09/15) ist durchgefallen. Beim Publikum und bei den Kritikern. Again, wen kümmert es? Um noch einmal den Ohrwurm „Take on Me“ live gesungen zu hören, geht man, wenn es sein muss, auch nach Norwegen. Außerdem, es sind 80 Millionen verkaufte Platten plus unzählige historische Auftritte wie z.B. in meiner Heimatstadt,  Rio de Janeiro, am 26. Januar 1991, bei der zweiten Ausgabe des Mega-Festivals „Rock in Rio“, 198.000 A-ha Fans gaben sich die Ehre. Das bescherte der Band einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde! Im Übrigen in dem Stadion, in dem 23 Jahre später an einem Sonntag, das Team von Jogi Löw, unterstützt im speziellen mit dem Siegestreffer von ehemaligen BVB-ler Mario Götze, zum Fußballweltmeister ernannt wurde.

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A-ha Berlinkonzert am 13.04.2016

Endlich zum Konzert!

Es kam der 13. Apriltag, ein solcher, bei dem nicht einmal die pessimistischen Berliner gedacht hätten, man würde mit dicker Jacke dahin gehen müssen, aber was soll’s? Die Jungs (auch wenn schon über 50 Jahre) sind da und die Songs gehören zum Soundtrack unserer Jugend, in meinem Falle, der späteren Jugend und darüber hinaus: 7 Jahre ist eine zu lange Zeit um mit sich mit seinen geliebten Songs auf YouTube durchzuhalten.

Auch wenn das Konzept – der vor kurzem um benannten Arena – sich nicht geändert hat, nur eben der Name weil 02 es nicht mehr für nötig hielt, seinen Namen auf so großer Fläche preisgeben zu müssen, mit dem großen Mercedesstern geklebt an der Decke ist es gleich ein anderes Gefühl. Die Mitarbeiter waren alle überaus freundlich und hilfsbereit und die Servicekraft, die mich zum falschen Eingang schickte, entschuldigte sich ganz mehrmals. Direkt neben dem Fahrstuhl, gesponsert von dem Stuttgarter Autohersteller, konnte man sich von einem super modernen Photoautomaten photographieren lassen, wahlweise mit einer kleinen Gitarre oder vor einem stillvollen Mikrophon und eine schöne Erinnerung in Form eines ausgedruckten Photos mit nach Hause nehmen nicht vorher, zur Absicherung, das Photo per Mail nach Hause schicken lassen. „Damit Sie es auch digital haben“, sagte der nette junge Mann im blauen Anzug. Diese kleinen Aufmerksamkeiten machen das Leben schöner.

„Stanfour“, die Band „aus dem kühlen Norden“ wie der Frontman selbstbewußt ankündigte, durfte das Publikum in der voll bepackten Arena anheizen. Richtig gelungen ist es der Band leider nicht. Der musikalische Einfluss von A-ha war gleich bei dem ersten Song, eine Ballade, deutlich heraus zu hören. Später in einer zu langen Konversation mit dem Publikum, gab der Vokalist an, „vor 7 Jahren“, also 2009 schon als Vorband auf der selben Bühne gespielt zu haben und fügte hinzu: „Der Auftritt damals war ein wichtiger Meilenstein für unsere Band – A-ha war für uns eine große Inspiration„. So! Selbst seine Bühnenkluft hat Stanfour von den Skandinaviern abgeguckt. Schwarz, Lederjacke, die Frisur sitzt und bloß kein 3-Tage-Bart!

Nach einer 15-minütigen Umbaupause zwischen Vor- und Hauptband untermauert von nerviger Musik aus der Konserve sowie einem hungrigem Publikum, die sich noch – aber unbedingt – mit Tortillas in gelber Sauce und Bier versorgen mussten, als gäbe es kein Morgen, war es endlich soweit. Licht aus. Spannung steigt. Zuerst die Zusatzband, bestehend aus 3 Musikern, betreten die Bühne bei – zunächst – sehr spärlicher Beleuchtung. Einer an der Gitarre, einer am Schlagzeug und noch einer am Keyboard. Wenn Musik der 80er, dann bitte schön muss Keyboard musikalisch gut vertreten sein, aus der musikalischen Kombination ganz groß hervorstechen. Ist doch klar!

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A-ha Berlinkonzert am 13.04.2016

I’ve been losing you“ begleitet von wilden und bunten Bildprojektionen auf 3 großen Leinwände, dicht gekoppelt am Bühnenrand, war die Nummer 1 auf der Setlist. Dann kam „Crywolf„, begleitet von lauter rennenden silbernen Wölfen, die beim Anblick klarstellten, mir ihnen ist nicht gut Kirschen essen.

Das Konzept der Show hatte der Lichtanimation genauso viel Raum eingeräumt wie bei der Musik. Das Konzert dauerte insgesamt fast 2 Stunden, glücklicherweise ohne Pause und – was noch viel besser war – ohne Bestuhlung vor der Bühne. Eine weise Entscheidung!  Auch wenn gleich zu Anfang vom Keyboarder angekündigt wurde, man werde „die Hits von früher spielen“, wurde dieses Versprechen nicht gänzlich eingehalten. Es fehlten welche. Überhaupt: Wären da nicht die richtigen Kracher-Hits und Dauerbrenner, hätte das Konzert nicht einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Das Herumarrangieren…

Sycamore Leaves„, zum Beispiel wurde herumarrangiert und im Light Modus aufgeführt. Die harten prägnanten Beats am Anfang des Titels, die zur unbedingten Erkennung verhelfen, waren in der Arena gespielten Version einfach verschwunden. Andere Songs kamen mit einem langen Gitarrensolo daher, was für eine Band der 80er nun wahrlich keine Selbstverständlickeit ist. Morten Harket, der Sänger und Zugpferd des Trios sieht – auch mit 56 –  unverschämt gut aus!!! Seine Stimme hat, nach all den Jahren, durch Altersmilde, nicht ein bisschen an Kraft und Stärke und noch viel weniger in Schönheit, Zärtlichkeit und Poesie verloren. Auch dann wenn zum Konzertende die physische Müdigkeit sich bei ihm bemerkbar machte – in dem er sich kaum noch auf der Bühne bewegte, was zu einer gewissen Enttäuschung der Frauen in der ersten Reihe führte, tat dies dem Konzert als ganzes, keinen richtigen Abbruch.

Um den alten Hits einen neuen Anlitz zu verpassen und diese nicht zu saturieren (oder aber aus Mangel an neuen) machen manche Bands den Fehler, ihre Ohrwürmer zu arrangieren, dass sie die schöne wie notwendige Erkennungsmerkmale kaum erkennbar werden oder gar ganz verloren gehen. Die amerikanische Hip-Hop-Sängerin, Laurin Hill, war diejenige, die wie besessen, diese Praxis bis auf die Spitze trieb und hat dafür die massive Ablehnung der Fans bekommen. Bei A-ha ist diese unsinnige Tendenz – bei weitem – nicht so gewagt wenn aber auch teilweise irritierend.

In der ersten Hälfte des Konzerts kam eine norwegische Sängerin auf die Bühne, um mit Morten ein Duo zu spielen. Sie stand auf einmal da und wurde vorher nicht vorgestellt. Das irritierte die Zuschauer die aber die Contenance hatte – es gab freundlichen Applaus. Es handelte sich um die deutsch-norwegische Sängerin und Schauspielerin, Anneli Drecker, dessen Vater aus dem beschaulichen Bielefeld stammt. Das szenische Duo klappte bei dem romantischen Song „Crying in the rain“ überhaupt nicht. Keine richtige Probe, keine Bühnenregie. Die Sängerin, die eine sehr gute Stimme hatte, war zu verunsichert, schaute Morten von unten nach oben an, hatte – augenscheinlich – zu viel Respekt gegenüber dem  Frontman der legendären Band. Er, seinerseits, war zu starr um das noch szenisch gut auf die Bühne zu bringen.

Bei „Hunting High and Low“ war der Song so wie wir ihn kennen, lieben und immer lieben werden. Es war bei dem Kracher, das erste Mal während des ganzen Konzerts, das Morten das Ruder, alias, die Regie des Publikums übernahm, gestikulierte, zeigte das Mikro in Richtung Publikum,  sang alternierend zusammen mit ihnen. Ansonsten war es Magne Furuholmen, der Keyboarder, der das Publikum führte, „Guten Abend“, der gelegentlich auch „Vielen Dank“ sagte und die jeweiligen Songs ankündigte.

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A-ha Berlinkonzert am 13.04.2016

Drei Songs aus dem neuen Album mussten zur Setlist gehören. Magne sagte beim zweiten Song: „Ihr würdet uns sehr glücklich machen, wenn Ihr Euch das Licht Eure Handys hochhaltet„. „Wir drehen einen Film“, kündigte er an. Und tatsächlich. Die Berliner waren gnädig und schon gar nicht geizig mit der Batterie vom Handy und es wurde doch noch ein schönes Lichtspektakel, welches die ohnehin Hammerathmosphäre noch hochkatapultierte. Auch zum Ende des Konzertes bei „Living Day Lights“, Zugpferd des James Bond Streifens vom 1987, durften wir nochmal bei den Dreharbeiten „helfen“. „Wenn die Batterie vom Handy bei Euch noch geht, bitte nochmal hochhalten„, sagte der Keyboarder mit nördlicher Empatie. Wir, Berliner, lassen die Norweger doch nicht im Stich!

Gefakter Abschied

Es mussten zwei Zugaben laufen, bis die Jungs zurück kamen, nochmals ein Stück von dem neuen Album zum Besten gaben, um uns dann endlich mit „Take on me“ zu beglücken. Die visuellen Effekte auf der Leinwand hätten etwas sparsamer sein können. Schließlich spielt(e) die Musik die Hauptrolle. Nichtsdestotrotz. In der sonst kalten und oft öden Arena, war am Mittwoch Abend die Stimmung prächtig: Die Leute waren gut drauf und freuten sich riesig auf das Comeback der norwegischen Band. Mehr noch: sie gastieren in Berlin. Elektrizierend, Atemberaubend, geeignet für Tanzwütige, Nostalgiker, so war der Mittwoch Abend (der 13.) in der Mercedes Benz Arena. Hoffentlich müssen nicht erneut 7 verflixte Jahre vergehen, bis die Jungs aus Norwegen sich die Ehre geben. In Berlin.

Die nächsten Stationen der Tour sind:

14. April – Hamburg, O2 World

16. April – Bremen, ÖVB Arena

17. April – Hannover, TUI Arena

19. April – Halle (Westf.), Gerry-Weber-Stadium

20. April – Oberhausen, König-Pilsener-Arena

23. April – Mannheim, SAP Arena

24. April – Frankfurt am Main, Festhalle

26. April – Köln, Lanxess Arena

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4 comments

  1. Das war sooo geil. Schade nur dass es die wahrscheinlich letzte Tour von A-ha ist. Aber wer weiß. Das hat man von den Stones vor 20 Jahren auch schon gesagt.

    • Fatima Lacerda

      Ich bin optimistisch. Ich glaube kaum, dass es die letzte Tour war. Dafür ist in Norwegen zu kalt. Die Jungs müssen raus!!

  2. Eine richtig coole Band wäre gerne dabei gewessen soll sehr gut gewessen sein,

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