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European Film Awards 2015 im Haus der Berliner Festspiele

Dass in der heutigen Zeit noch etwas Europäisches gefeiert wird, ist selten. Und doch gibt es guten Grund dafür, denn wo sonst, wenn nicht in der Kunst arbeitet Europa scheinbar ganz gut zusammen. Der Europäische Film kann sich mehr denn je sehen lassen und es tut gut, dass jenseits der amerikanischen Blockbuster gute und künstlerisch anspruchsvolle Filme in die Kinos kommen.

European Film Awards 2015
– Im Fokus: Deutsche Hoffnungsträger –

Deutschland ist in 12 nominierte europäische Produktionen involviert und gleich 3 deutsche Produktionen sind in verschiedenen Kategorien nominiert. In der Kategorie „European actor“ ist Christian Friedel für seine Hauptrolle in dem Drama „Elser“ nominiert. Außergewöhnlich ergreifend und überzeugend spielt er die Entwicklung und die Beobachtungen des Tischlers Georg Elser in den Vorkriegsjahren, die ihn schließlich still und konzentriert zum Attentäter auf Hitler werden lässt-mit all dem physischen und psychischen Leid, die er in Folter und Haft nach dem missglückten Attentat ertragen muss.

In der Kategorie „European Discovery“ ist erfreulicherweise der wunderbare Debütfilm von Tom Sommerlatte „Im Sommer wohnt er unten“ nominiert worden. Der Film um zwei ungleiche Brüder, die einen Sommer miteinander verbringen müssen, könnte europäischer gar nicht sein. Die Freundin des kleinen Bruders ist Französin und so wechselt im Film die Konversation zwischen Deutsch, Französisch und Englisch, was am Anfang verwirrend ist, bald aber ganz natürlich scheint, in multilingualen Beziehungen längst Alltag ist und hier sehr charmant rüberkommt.

Wie erwartet in den meisten Kategorien nominiert, nämlich in „European Film“, „European Director“ und „European Actress“ ist unser aller Filmliebling des Jahres „Victoria“. Der Abräumer beim Deutschen Filmpreis-der Lola-, bringt neue Impulse, ist jung, frisch, dynamisch, packend und experimentell. Die Geschichte um vier Jungs, die ein spanisches Mädchen in ihrer Unbeschwertheit in einer Berliner Nacht dramatisch in einen Banküberfall hineinziehen, ist atemberaubend und komplett in einer Einstellung gedreht. Regisseur Sebastian Schipper hatte genug Mut und Verrücktheit, einen Film ohne Schnitt zu wagen und wurde belohnt. Selten hat ein deutscher Film auch international so viel Aufmerksamkeit erfahren wie dieser-nur die Nominierung für den Oscar für den besten ausländischen Film ist ihm versagt geblieben, weil (angeblich) zu viel Englisch gesprochen wurde.

Am 12.12.2015 nun wurde im Haus der Berliner Festspiele der rote Teppich ausgerollt, die Sektgläser gefüllt und zur feierlichen Verleihung des Europäischen Filmpreises geladen. Die Gäste wurden vorgefahren, teilweise in wunderschönen Oldtimer-Bussen und die Fotografen ließen ihr Blitzlichtgewitter auf die Nominierten los. Ein Hauch von Glamour, auf jeden Fall aber Freude und Aufregung für den besonderen Tag war zu spüren. Man hatte Gutes geleistet und das sollte zu Recht belohnt und gefeiert werden.

Die Filmteams erschienen in Gruppen, vom Film „Victoria“ Regisseur Sebastian Schipper, Kameramann Sturla Brandt Grovlen und die Darsteller Frederick Lau, Burak Yigit und die zauberhafte Laia Costa, von „Im Sommer wohnt er unten“ das Produzentengeschwisterpaar Iris und Tom Sommerlatte mit den Schauspielern Sebastian Fräsdorf, Alice Pehlivanyan, Godehard Giese und Karin Hanczewski., für „Elser“,der nominierte Schauspieler Christian Friedel und Produzent Boris Ausserer.

Allen war die Freude über die Anerkennung durch die Nominierung zum Europäischen Filmpreis anzumerken. Am Abend zuvor noch stand Christian Friedel mit seiner Band Woods of Birnam für ein kleines,intensives Konzert in Hamburg auf der Bühne. Eine bessere Ablenkung hätte es nicht geben können, denn die positive Aufregung war schon spürbar, obwohl er sich selbst bei den Filmgrößen, die mitnominiert waren, wenig Hoffnung machte. Verdient hätte er es allemal mit seiner überragenden Leistung, doch er sollte Recht behalten. In seiner Kategorie „European actor“ gewinnt Sir Michael Caine für seine Rolle in „Youth“, einer bildgewaltigen, philosophischen Tragikkomödie über das Leben, die Kunst und das Altern und das sollte nicht der einzige Preis für ihn werden, auch mit dem „Honorary Award of the EFA President and Board“ wurde er ausgezeichnet. Ganz gerührt sagt er: “In 50 years, I’ve never won an award in Europe, tonight I’ve won two!”

12.12.2015 Berlin Verleihung des EuropŠischen Filmpreises 2015 im Haus der Berliner Festspiele Sir Michael Caine http//.www.cs-christianschulz.de ( Model release No ) © Christian Schulz Mobil 01723917694
Sir Michael Caine (Foto: Christian Schulz)

Auch die anderen deutschen Hoffnungsträger gehen dieses Mal leer aus,doch die Freude über die Nominierung überwiegte. „European Film“ wird der oben schon genannte, wirklich herausragende Film „Youth“ (deutsche Fassung: Ewige Jugend) unter der Regie von Paolo Sorrentino, der ebenfalls den Preis für die beste Regie bekommt, „European Actress“ wird Charlotte Rampling für ihre Rolle in „45 Years“,die auch einen Preis für ihr Lebenswerk bekommt, „European Comedy“ wird „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach unter der Regie von Roy Andersson, „European Documentary“ wird „Amy“ unter der Regie von Asif Kapadia, „European Discovery Award“ geht an „Mustang“ unter der Regie von Deniz Gamze Ergüven. Christoph Waltz erhält den Ehrenpreis für geleisteten Beitrag zum Weltkino und ist in seiner Dankesrede sichtlich gerührt.

Christoph Waltz (EUROPÄISCHER FILMPREIS /European Film Award KATEGORIE EUROPEAN ACHIEVEMENT IN WORLD CINEMA) 28th EUROPEAN FILM AWARDS im Haus der Berliner Festspiele in Berlin am 12.12.2015 Agency People Image (c.) Michael Tinnefeld
Christoph Waltz (Foto Michael Tinnefeld)

Alle anderen Preisträger sind hier zu finden: europeanfilmawards.eu

Ein Fazit: was lohnt den Kinobesuch?
Meine persönlichen Highlights sind auf jeden Fall der Siegerfilm „Youth/Ewige Jugend“ mit Michael Caine, der Siegeranimationsfilm „Song of the Sea“, die nominierte Komödie „Verstehen Sie die Beliers“, sowie alle drei oben genannten deutschen Beiträge.

„Elser“ und „Victoria“ sind mittlerweile auf DVD erschienen, die DVD zu „Im Sommer wohnt er unten“ erscheint 2016.

Der Siegerfilm „Youth/Ewige Jugend“ läuft in Berlin in den Kinos der Yorck-Gruppe.
Spielzeiten und mehr Infos hier: yorck.de

Fotos: Pressefreigaben EFA: Christian Schulz/Michael Tinnefeld

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3 comments

  1. bedeutende Auszeichnung für die Filmindustrie

  2. Hallo interessanter Bericht über die Awards. Konnte ich gut lesen. War interessant. Habe ich leider verpasst. Nun gut aber die Schauspieler haben die Ehrungen alle verdient. Dei sind Spitze.

  3. Ich war dort! Es war wunderschön!

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