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Bike-Boom Berlin – Die Hauptstadt ohne Autos?

Berlin ist nicht Los Angeles. Das lässt sich nicht nur an daran erkennen, dass das Badeschiff in Treptow (an der Stadtteilgrenze zu Kreuzberg) im Winter geschlossen ist, während man am legendären Venice Beach auch Weihnachten am Strand feiern kann. Auch beim Thema Straßenverkehr unterscheiden sich die beiden Metropolen sehr stark. Aufgrund der Größe von Los Angeles und dem wenig beliebten öffentlichen Personennahverkehr bewegt man sich in Kalifornien hauptsächlich mit dem eigenen PKW fort. Das sorgt natürlich für Chaos auf den Straßen. Durchschnittlich verbringt jeder Einwohner etwa 59 Stunden im Jahr in einem Verkehrsstau. In Berlin wird das Auto als Fortbewegungsmittel dagegen immer unbeliebter. Laut einer Studie der TU Dresden nutzen immer mehr Berliner für ihre täglichen Wege das Fahrrad, den öffentlichen Personennahverkehr oder gehen zu Fuß.

Fahrradsternfahrt 2014 - auf der Autobahn / AVUS
Evtl. in ferner Zukunft – Autobahn für Radfahrer – aktuell nur einmal bei der Fahrradsternfahrt 2014

Alternativen zum PKW

Einen Parkplatz in der deutschen Hauptstadt zu finden ist gar nicht so einfach. Zudem wurden zahlreiche Kieze in den vergangenen Jahren zu kostenpflichtigen Parkzonen umgerüstet. Die Berliner haben daher scheinbar immer weniger Lust, mit dem eigenen Auto zur Arbeit oder ins Fitnessstudio zu fahren und setzen stattdessen auf alternative Wege, um von A nach B zu kommen. Dazu gehören nicht nur Bus, S-Bahn und U-Bahn, sondern auch das Carsharing. So gibt es in Berlin mittlerweile rund 250.000 registrierte Nutzer, die sich die Fahrzeugflotten von Drive Now, Car2go und Co. teilen. Ein Fortbewegungsmittel, das in der Hauptstadt zudem immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist das Fahrrad.

Ein „Fahrrad-Highway“ für Berlin

Die große Zahl der Radfahrer bewirkt schon jetzt ein Umdenken bei den Berliner Stadtplanern. Immer häufiger werden Fahrbahnbreiten reduziert, um Platz für Radstreifen zu schaffen. Ein neues Bauprojekt dürfte die Herzen der Radfahrer zudem noch höher schlagen lassen. Denn in naher Zukunft soll im Südwesten Berlins ein neuartiger „Fahrrad-Highway“ entstehen, der Radfahrer in nur 30 Minuten vom Potsdamer Platz nach Lichterfeld führt. Der Clou an dem Radschnellweg soll aber nicht nur die Zeitersparnis sein, sondern vielmehr die einzigartige Streckenführung. Nervige Ampeln und rücksichtslose Autofahrer haben die Radler auf der Strecke nicht zu befürchten. Der „Fahrrad-Highway“ soll über eine 8,5 Kilometer lange, stillgelegte Eisenbahnstrecke entlang der S1 führen und den Radfahrern einen traumhaften Blick ins Grüne bieten. Sobald sich das zuständige Bezirksamt mit dem Senat und der Bahn auf eine Verwirklichung geeinigt hat, kann der Ausbau des Radweges beginnen.

Radfahrer vs. Autofahrer

Die Vorteile des Radfahrens in der Großstadt liegen auf der Hand: Zum einen ist man flexibler als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Trotz eines gut ausgebauten ÖPNV-Netzes, welches in Berlin zweifellos vorhanden ist, kommt es durch Polizei-Einsätze, Baustellen und Streiks doch häufig zu Verspätungen oder Ausfällen. Ein weiterer Grund, der für die Nutzung des Fahrrads spricht, ist die positive Auswirkung auf die Gesundheit des Fahrers. Jeder noch so kleine Ausflug mit dem Drahtesel stärkt das Herz, die Muskeln und die Lunge. Sein Auto gegen das Fahrrad zu tauschen hat noch weitere Vorteile: Die enormen Kosten für Benzin, KFZ-Steuern und Versicherung belaufen sich je nach Modell und gefahrener Strecke auf rund 8.500 EUR im Jahr. Durch den Umstieg auf das Rad können nicht nur diese Kosten eingespart, sondern auch noch das Klima geschützt werden.

Die Entwicklung Berlins zu einer Radfahrer-Stadt ist nicht nur ein kurzfristiger Trend, wie Zahlen aus dem Berliner Senat belegen. Demnach nahm der Radverkehr zwischen 2001 und 2012 um 38 Prozent zu. Es lohnt sich daher, sein Auto in Berlin zu verkaufen und das Geld in ein stylisches neues Fahrrad zu investieren.

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3 comments

  1. Sehr interessantes Konzept. Vor ein paar Wochen habe ich einen Artikel gelesen wo eine ganze Stadt in den Niederlanden ohne Autos geplant wird. Es wird vorraussichtlich einen Außenring geben, auf dem auch Autos fahren und direkt parken können. In der Stadt jedoch soll es gar keine Straßen, nur Fahrradwege geben. Zukunftsmusik!?

  2. Hallo liebe Blogbetreiber von Blog.inBerlin!
    Euer Thema ist toll 🙂 Alle Fortbewegungsmittel ohne Motor in der Großstadt sind eine feine Sache. Das Fahrrad bildet hier sicher die Speerspitze. Doch da gibt es ja noch viel mehr…
    Wir fänden es cool, wenn Ihr vielleicht mal einen Beitrag zu anderen Fortbewegungsmitteln bringen würdet, wie zum Beispiel den Tretroller, das Longboard oder auch den derzeitigen Hype: den Stunt Scooter!
    Wir sind in Berlin die erste Anlaufstelle für alle Kids, die Stunt Scooter fahren: Ihr findet uns unter https://www.scooters-united.de oder in unserem Ladengeschäft in Schöneberg. Über eine Rückmeldung würden wir uns freuen, vielleicht kommen wir ja ins Gespräch 🙂 und Ihr zu einem interessanten Thema…
    Beste Grüße,
    Jan

  3. hay toller Artikel ich würde auch jeden raten sein Auto zu verkaufen und sich ganz auf Fahrrad und die Öffentlichen in Berlin zu verlassen den mit einen Auto in Berlin hat man nur Stress und ärger mit den ganzen Stau in der Stadt die Parkplatz suche auf mit dem Fahrrad kann man sich alles ersparen naja vielleicht etwas schwierig im Winter

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